Modernes Gebäude soll Lücke schließen

Entwurf für Wohnhaus in Sankt Augustin weckt Begeisterung

Sankt Augustin. Auf dem Schotterparkplatz an der Rathausallee in Sankt Augustin soll ein mehrgeschossiges Wohnhaus entstehen. Der Entwurf der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft sieht dort ein modernes Gebäude mit Wohnungen für alle Gesellschaftsgruppen vor.

Es hatte den Anschein im Zentrumsausschuss, als ob sich die Politiker zurückhalten müssten, um angesichts des Vorschlags der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) für den Rhein-Sieg-Kreis zur Bebauung auf dem Schotterparkplatz an der Rathausallee nicht zu sehr ins Schwärmen zu geraten. „Das 'Augustiner Bügeleisen' wird ein Sahnestückchen“, formulierte es Gerhard Schmitz-Porten für die SPD. Er war nicht der Einzige, der sich an diesem Abend mit dem GWG-Entwurf an ein Kleinformat des Flatiron-Buildings in New York erinnert fühlte. Wolfgang Köhler (Aufbruch) bezeichnete das mehrgeschossige GWG-Wohnhaus als „architektonisch mutig“, und für René Puffe (CDU) war architektonisch ein „großer Wurf“ gelungen. Angelika Züll (FDP) sagte: „Der Entwurf ist toll.“

Auch wenn alle Ausschussmitglieder den Entwurf der GWG präferierten, so wollten sie sich am Mittwochabend noch nicht zu einem Beschluss durchringen. Sowohl der GWG-Entwurf als auch der Entwurf der Lindhorst-Gruppe sollen zunächst in den Fraktionen beraten werden. Eine Entscheidung könnte dann in der kommenden Ratssitzung am 14. März getroffen werden.

Abgesehen von den architektonischen Besonderheiten bietet die GWG Wohnraum für alle gesellschaftlichen Gruppen, denn die 23 geplanten Wohnungen auf fünfeinhalb Geschossen haben zwei, drei oder vier Zimmer. Am Ende packte Matthias Ortner von der GWG noch ein Bonbon obendrauf: Die Kaltmiete der modernen Wohnungen, die alle mit Balkon, Loggia oder Terrasse ausgestattet sind, beträgt 8,50 Euro pro Quadratmeter. Dabei handelt es sich nicht um öffentlich geförderten Wohnraum, für den ein Wohnberechtigungsschein vorgelegt werden müsste.

Höhenunterschied von bis zu fünf Metern

„Der Entwurf reagiert auf die vorhandene, interessante Topographie des Grundstücks“, begründet Ortner den dreieckigen oder keilförmigen Grundriss, der dem Flatiron-Building gleicht. Die Pufferzone zum Rhein-Sieg-Gymnasium sei ausreichend, weil man kaum in die vorhandene Hangsituation mit dem Höhenunterschied von bis zu fünf Metern eingreife. Im hinteren Teil werden zum Hang hin Garagen vorgehalten, und zwar immer zwei übereinander. Vorn ist Platz für die Fahrräder.

Während bei diesem Entwurf Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen vom jungen Pärchen über Familien bis hin zu Senioren geschaffen werden soll, stellte die Lindhorst-Gruppe ein Konzept zum Seniorenwohnen in direkter Nachbarschaft zu dem im Bau befindlichen Seniorenwohnheim vor. Dieses wird aktuell ebenfalls von der Lindhorst-Gruppe gebaut und betrieben. Die Seniorenresidenz soll im ersten Quartal 2019 in Betrieb gehen.

Tagespflege, Begegnungsstätte und Seniorenwohnungen könnten dann in dem benachbarten Gebäudekomplex entstehen. In einer Tiefgarage, die in den Hang hineingebaut werden soll, sind 44 Stellplätze vorgesehen. 40 Wohnungen zwischen 40 und 70 Quadratmetern hat die Lindhorst-Gruppe geplant. Zusätzlich könnte sie 116 Tagespflegeplätze im Erdgeschoss einrichten. „Das wäre eine bedarfsgerechte Versorgung“ , so Susanne Thon, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft „medico west“ der Lindhorst-Gruppe, zum großen Bedarf an barrierefreiem Wohnraum für Senioren.

Rainer Gleß, Technischer Beigeordneter, resümierte nach den Vorstellungen: „Beide Architekten haben etwas geschaffen, was sich sehen lassen kann.“ Wer am Ende den Zuschlag bekomme, das sei eine Grundsatzentscheidung. Gleß erinnerte jedoch auch daran, dass man damals bei der Entscheidung, die Seniorenresidenz am Kreisverkehr an die Lindhorst-Gruppe zu vergeben, das verbliebene Grundstück auch für andere Bevölkerungsgruppen entwickeln wollte. Gleß lehnte sich weit aus dem Fenster. „Wenn ich heute entscheiden müsste, dann eher für den GWG-Entwurf.“ Und noch eines sei klar: „Das Zentrum verdient diese architektonische Besonderheit.“