Zaba soll bald auch Mikroschadstoffe filtern

Darum wird die Kläranlage in Sankt Augustin umgebaut

Sankt Augustin. Das Betriebsgebäude wird umgebaut und das alte Blockheizkraftwerk durch ein neues ersetzt. Zudem ist eine weitere Reinigungsstufe geplant, um Mikroschadstoffe wie Arzneirückstände oder Hormone aus dem Abwasser zu filtern.

Es ist zu eng im Betriebsgebäude der Zentralen Abwasserbeseitigungsanlage (Zaba) in Sankt Augustin. Ein Kollege hat seinen Platz deshalb bereits an der Pforte, ein weiterer sitzt in der Werkstatt. Und wenn in den kommenden Monaten der nächste neue Kollege anfängt, muss auch für ihn irgendwo ein Schreibtisch gefunden werden. Deshalb soll das Gebäude um vier Büroräume erweitert werden. Dazu soll die derzeitige Schaltwarte verlagert und umgebaut werden.

„Ich arbeite seit knapp 26 Jahren hier“, sagt Paul Hupp, Betriebsleiter der Kläranlage. Seither sei die Anlage stark gewachsen. „Damals hatten wir zwölf Mitarbeiter, inzwischen sind es zwischen 31 und 33.“ Das Betriebsgebäude entspreche aber noch immer dem Stand von vor 20 Jahren. Und der damals ermittelte Raumbedarf passe nicht mehr zu den aktuellen Erfordernissen.

Im Gegensatz dazu nimmt die Schaltwarte mit ihrer großen Mosaikwand, die den Klärprozess visualisiert, einen großen Raum ein. „Sie war damals der Stand der Technik“, sagt Hupp. Seit einigen Jahren laufe das alles über Bildschirme. „Wir brauchen die Mosaikwand nicht mehr.“ Hinzu kommt: Es gibt laut dem Betriebsleiter in Europa keinen Support für die kleinen Mosaikscheibchen mehr.

Die Mosaikwand soll deshalb abgebaut werden, die Rechner und Bildschirme sollen künftig im Flur einen neuen, kleineren Raum erhalten. Die derzeitige Schaltwarte werde dann in einen Flur und vier Büros umgebaut, so Sebastian Kenter, stellvertretender Betriebsleiter und Projektleiter. Dazu müssten neue Fenster geschaffen, eine neue Heizung sowie neue Elektrik gelegt werden.

Blockheizkraftwerk liefert Strom für den Eigenbedarf

Der neue Raum für die Schaltzentrale benötigt zudem eine Belüftungsanlage. Auch ein neuer Fluchtweg ist einzurichten. Derzeit läuft der Bauantrag. Kenter hofft, dass die Räume im Sommer umgebaut werden können. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 370.000 Euro brutto, wobei die Mitarbeiter Arbeiten im Wert von 25.000 Euro in Eigenleistung ausführen werden.

Die Arbeiten im Betriebsgebäude sind nicht die einzigen auf dem rund 120.000 Quadratmeter großen Gelände der Zaba. „Auf der Kläranlage gibt es grundsätzlich nie Stillstand, sie entwickelt sich immer weiter“, so Hupp. „Es ist eine ewige Baustelle.“ Derzeit entsteht auch ein neues Blockheizkraftwerk, das das alte aus dem Jahr 1998 ersetzt. Darin wird das Klärgas aus der Aeinnlage zu Strom, um den Eigenbedarf an Energie zu decken. „Und die Wärme wird genutzt, um die Faultürme und das Betriebsgebäude zu heizen“, sagt der Betriebsleiter. „Wir decken 50 Prozent unseres Strom- und 100 Prozent unseres Wärmebedarfs.“

Möglichst auch im Sommer soll die Kalkstation erneuert werden. Sie dosiert den Kalk, um den pH-Wert auszugleichen. Seit Anfang 2018 ist nach längerer Umbauphase hingegen die neue Tuchfilteranlage in Betrieb, die die Mikrosiebanlage ersetzt hat. „Sie ist die letzte Filterstufe, der Polizeifilter“, sagt Kenter. Man könne sie sich vorstellen wie ein Badezimmerfrotteeboden mit feinen Härchen, die die letzten Schmutzpartikelchen zurückhalten.

„Und wir haben noch viele Sachen in der Pipeline“, sagt Projektleiter Kenter. Unter anderem ist eine weitere Reinigungsstufe geplant, um Mikroschadstoffe wie Arzneirückstände oder Hormone aus dem Abwasser zu filtern. Eine Machbarkeitsstudie hat es dazu an der Zaba bereits gegeben, als nächstes stehen dazu Großversuche an.