Studentin aus Sankt Augustin: 19-Jährige stürzte im Hochseilgarten in die Tiefe

Studentin aus Sankt Augustin : 19-Jährige stürzte im Hochseilgarten in die Tiefe

Studentin Victoria Imsiecke hat sich bei einem Absturz in einem Hochseilgarten schwer verletzt. Die 19-Jährige hat einen Anwalt eingeschaltet und will Schadensersatzansprüche geltend machen. Experten prüfen jetzt den Fall.

Die Seilbahn über den See sollte die letzte Station des Tages sein. Ob Schwebebalken, Seilbrücke oder Kletterbäume – den Parcours durch den Hochseilgarten meisterte die Besuchergruppe ohne Probleme. Victoria Imsiecke, Trainerin und Betreuerin im Hochseilgarten, bildete den Abschluss der Gruppe. Mit dem Karabiner ihres Sicherungsgerätes hakte sich die 19-Jährige ins Seil ein, prüfte kurz ihre Ausrüstung und schwang sich von der etwa vier Meter hohen Plattform. Anstatt an dem gespannten Seils über den See zu schweben, wie es die Mitglieder ihrer Klettergruppe bereits vor ihr getan hatten, befand sich Imsiecke plötzlich im freien Fall und schlug krachend auf dem Waldboden auf.

„Ich habe zunächst keinen Schmerz gespürt, nur ein Piepen in den Ohren wahrgenommen“, erinnert sich die Studentin aus Sankt Augustin. Der pfeifende Ton war ein für sie ein untrügliches Zeichen. „Ich wusste, gleich werde ich ohnmächtig und dachte noch: Ich muss mich beeilen, dass ich mit dem Handy noch Hilfe holen kann“, so Imsiecke. Doch bevor ihr das gelang, wurde es auch schon schwarz um die junge Frau.

Zum Glück blieb ihr Unfall nicht unbemerkt. Mitglieder ihrer Gruppe hatten Hilfe verständigt. Mitarbeiter des Klettergartens eilten herbei und brachten die inzwischen wieder zu Bewusstsein gelangte Trainerin ins Krankenhaus. Die Diagnose: Vier gebrochene Halswirbel und eine Gehirnerschütterung. Rund einen Monat ist der Unfall mittlerweile her. Imsieckes Nacken wird noch immer durch eine Manschette, ein sogenanntes Stifneck, gestützt. Noch immer fällt es ihr schwer, Lernveranstaltungen zu besuchen und längere Zeit zu sitzen. Eine Frage lässt sie zudem nicht los: Wie konnte das passieren?

Prüfinstitut untersucht, was genau passiert ist

Fotos der Unfallstelle zeigen, wie ein Teil von Imsieckes Sicherungsgerät durch den Karabiner eingehakt am Seil der Seilrutsche baumelt. Es ist der Alptraum eines jeden Sportkletterers: Das Material, dem er Leib und Leben anvertraut, hat versagt. „Es hat laut 'Klack' gemacht. Ein Verbindungsglied des Geräts ist offenbar gerissen“, sagt Imsiecke. Gesichert war sie mit dem „Smart Belay“ der deutschen Firma Edelrid, wie Imsiecke erklärt. „Ich hatte Schweine-Pech, dass es ausgerechnet mir passiert ist, aber auch unglaubliches Glück“. Kurz vor dem Unfall hing Imsiecke noch in einer Höhe von rund neun Metern an dem Gerät.

Was genau passiert ist, das wird derzeit von einem unabhängigen Prüfinstitut untersucht. Das betroffene Teil werde wie alle anderen Sicherungsgeräte und Materialien im Kletterwald regelmäßig vor jeder Saison gewartet. „Der Hersteller zeigte sich erschrocken“, sagte der Betreiber des Klettergartens auf Anfrage des General-Anzeigers. Das Gerät sei millionenfach im Einsatz und millionenfach geprüft. Das Sicherungsgerät gilt als das sicherste auf dem Markt, sagt der Kletterwaldbetreiber.

Bei dem „Smart Belay“ handelt es sich um zwei miteinander kommunizierende Karabiner. Das heißt, um einen Karabiner öffnen zu können, muss der andere auf dem Sicherungsseil eingehängt sein. Wie Andreas Linder, Marketingleiter von Edelrid auf GA-Anfrage erläutert, ist das vom Defekt betroffene Produkt nicht das „Smart Belay“ selbst, sondern ein eigenständiges Verbindungselement („Conecto Swivel“), ähnlich einem Karabiner mit Wirbel, welches das „Smart Belay“ mit dem Klettergurt verbindet.

Imsiecke hat inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet

„Im November 2013 haben wir einen Warnhinweis mit Überprüfungsaufruf für das Produkt 'Conecto Swivel' lanciert“, so Linder. „Da wir aber das defekte Produkt nicht in Augenschein nehmen konnten, können wir derzeit nicht bestätigen, dass dies im Zusammenhang mit dem Defekt im Park steht.“ Linder teilte weiter mit, dass kein Risiko bei der Verwendung der Produkte bestehe.

Victoria Imsiecke hat inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Sobald das Ergebnis der Untersuchung des defekten Gerätes vorliegt und das Ausmaß ihrer gesundheitlichen Schäden abschließend einzuschätzen ist, will sie juristische Schritte prüfen und gegebenenfalls Schadensersatzansprüche geltend machen.

Ihr Vertrauen in alltägliche Gewissheiten war erschüttert. Kurz nach dem Unfall fiel es ihr etwa schwer, ins Auto einzusteigen. „Ich hatte kurze Zeit Panik, mir würde auch darin etwas passieren“, so Imsiecke. Ob sie bald wieder in der Höhe klettern wird, lässt sie vorerst noch offen, sowieso steht für sie zunächst die körperliche Erholung im Vordergrund.