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Rhein-Sieg-Kreis beschränkt den Zugang zur Kreisverwaltung

Neue Maßnahmen im Rhein-Sieg-Kreis : Zutritt zum Kreishaus nur noch mit Termin

Die Kreisverwaltung hat beschlossen, den Publikumsverkehr auf ein Minimum zu reduzieren. 90 Personen sind inzwischen mit dem Coronavirus infiziert, zwei schwer erkrankte Covid-19-Patienten wurden in Fachkliniken verlegt.

„Insgesamt ist die Lage sehr ernst“, sagte Landrat Sebastian Schuster am Dienstagmorgen bei der Pressekonferenz des Rhein-Sieg-Kreises. Das Robert-Koch-Institut (RKI) stufe das Risiko für die Bevölkerung durch das neuartige Coronavirus nun als hoch ein. Nach den Bildern aus der Bundespressekonferenz vom Montagabend rückten auch die Ansprechpartner des Kreises deutlich weiter auseinander, „um mit gutem Beispiel voran zu gehen“, so Schuster.

Der Anstieg der Fallzahlen am Dienstagabend auf 111 Personen bildet laut Gesundheitsamtsleiter Rainer Meilicke nicht die Realität ab. Allein am Montag wurden im Siegburger Abstrichzentrum 335 Patienten auf Sars-CoV-2 getestet, deren Ergebnisse noch ausstehen. „Deshalb gehen wir davon aus, dass wir am Donnerstag zahlenmäßig wieder die Wirklichkeit abbilden“, sagte Meilicke. Das Ausmaß der Infektionen werde zunehmen. Inzwischen ist nur noch Windeck ohne bestätigten Corona-Fall. Zwei Patienten aus dem Rhein-Sieg-Kreis sind schwer an Covid-19 erkrankt. „Sie wurden inzwischen vom Ursprungskrankenhaus in Fachzentren verlegt“, berichtete Meilicke.

Der Rhein-Sieg-Kreis hat unterdessen Maßnahmen ergriffen, um den Publikumsverkehr auf ein Minimum zu reduzieren. Nach Beratungen im Krisenstab werden Straßenverkehrsamt, Sozialamt und Ausländeramt nur noch für Besucher mit Termin geöffnet. Es soll nur noch einen Eingang zum Kreishaus geben, der von einem Sicherheitsdienst kontrolliert wird. Im Kreishaus arbeiten rund 1200 Menschen. Die neuen Beschränkungen gelten auch für die Außenstellen.

Der Landrat hat auch die Sitzung des Kreisausschusses abgesagt. Verkehrsprojekte und Baumaßnahmen laufen weiter, die Politik bekommt die Vorlagen rechtzeitig zugesandt, die Umsetzung erfolgt dann per Dringlichkeitsbeschluss.

Nach Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes ist es sinnvoll, die Fitness zu erhöhen oder mit dem Rauchen aufzuhören. „Covid-19 verursacht eine beidseitige Lungenentzündung. Wenn das Herz schwach ist und das Blut nicht schneller pumpen kann, kommt es erst zur Ohnmacht und – wenn die Patienten nicht beatmet werden – zu Multiorganversagen“, erklärte Meilicke. Entsprechend ernst nimmt der Landrat die Aufforderung des RKI an die Kliniken, die Zahl der Intensivbetten zu verdoppeln.

Auch das 20 Jahre alte Infektionsschutzgesetz müsste aktualisiert werden. So sieht die Meldepflicht vor, dass Befunde per Fax ans Gesundheitsamt geschickt werden. Ein Corona-Patient aus dem Rhein-Sieg-Kreis hat laut Schuster vergeblich auf Rückruf gewartet, weil das Fax beim falschen Gesundheitsamt gelandet war. Im Siegburger Kreishaus werden Faxe in Mails umgewandelt, erklärte Meilicke, der bereits vor einer Woche ein verbessertes Meldeverfahren gefordert hatte.

Bürger mit Fragen zum Coronavirus erreichen die Hotline des Rhein-Sieg-Kreises von 8 bis 20 Uhr unter ☏ 02241-133333. Bei Fragen zu Verwaltungsangelegenheiten: 02241-130 oder www.rhein-sieg-kreis.de. Der Kreis appelliert: Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr für Notfälle freihalten.