Gesundheitsversorgung im Kreis: Zu wenig Hausärzte in Niederkassel

Gesundheitsversorgung im Kreis : Zu wenig Hausärzte in Niederkassel

Eine Statistik der KV Nordrhein weist die Stadt Niederkassel am Rhein auf dem letzten Platz im Rhein-Sieg-Kreis aus. Für 38.205 Einwohner stehen nur 19 Hausärzte zur Verfügung, was einer Versorgungsquote von lediglich 84 Prozent entspricht.

Die Versorgung mit Hausärzten in Niederkassel ist schlecht. Die Stadt bildet das Schlusslicht im Rhein-Sieg-Kreis und belegt in der Statistik der kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein den vorletzten Platz. Lediglich in Karst ist die Versorgungsquote noch schlechter.

Die Folge: Lange Wartezeiten und volle Wartezimmer für die Patienten, kritisiert der SPD-Fraktionschef Friedrich Reusch in einer Pressemitteilung. Er bemängelt, dass in der gesamten Stadt Hausärzte fehlen. Vor allem in Niederkassel-Ort stelle sich die Lage dramatisch dar, weil ein Niederkasseler Hausarzt in den nächsten Jahren in Rente gehen werde. Damit stünden viele Patientinnen und Patienten vor einer noch weiter verschärften Situation des Ärztemangels. Schon jetzt seien laut KV bis zu sechs Hausarzt-Stellen in Niederkassel frei.

Die Statistik der KV vom April 2019 geht von 38.205 Einwohnern in der Rheinstadt aus. Dafür stehen nur 19 Hausärzte zur Verfügung, was einer Versorgungsquote von lediglich 84 Prozent entspricht.

Mit Abstand Spitzenreiter ist die Stadt Bad Honnef. Angesichts einer Versorgungsquote von 142,5 Prozent kann man dort von einer Überversorgung sprechen. Aus Patientensicht ist das eine komfortable Situation. Sankt Augustin hat mit 98,4 Prozent fast Vollversorgung, Hennef verzeichnet eine Quote von 95,2 Prozent, und in Eitorf ist die Versorgungsquote mit 110,5 Prozent sehr hoch, ebenso wie in Troisdorf mit 111,1 und Siegburg mit 108,8 Prozent.

"Das sind natürlich nur statistische Werte", sagt der Sprecher der KV Nordrhein, Christopher Schneider. Diese Werte könnten nicht in Gänze beschreiben, wie die Versorgung der Menschen de facto vor Ort sei. Von einer tatsächlichen Unterversorgung gehe die kassenärztliche Vereinigung erst bei einer Quote von 75 Prozent und weniger aus. "Der Wert in Niederkassel ist dennoch Grund genug, mal genauer hinzusehen", sagt Schneider. Seit Ende 2018 gebe es ein Förderprogramm, von dem auch die Stadt Niederkassel profitiere.

Situation soll sich nicht weiter verschlechtern

"Auf keinen Fall soll sich die Situation in der Stadt weiter verschlechtern." Deshalb können Hausärzte, die sich in Niederkassel niederlassen wollen, Fördergelder beantragen. Das sei auch bereits viermal geschehen, sagt Schneider. So sei für zwei Hausärzte eine Starthilfe von jeweils 70.000 Euro für eine neue Praxisniederlassung oder die Übernahme einer bestehenden Hausarztpraxis beantragt und bewilligt worden. Zwei weitere Hausärzte seien mit jeweils 35.000 Euro für die Anstellung eines weiteren Arztes im Praxisteam unterstützt worden.

Warum in Niederkassel weniger Hausärzte angesiedelt sind als in anderen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises, darüber kann Schneider nur spekulieren. Natürlich gebe es den Zug in die Ballungszentren, aber auch Städte in deren Speckgürtel seien für Ärzte eigentlich interessant.

In Bad Honnef zum Beispiel wird es so schnell keine weiteren Ärzte geben, denn schon ab einer Quote von 110 Prozent dürfen keine weiteren Praxen hinzukommen. Die Übernahme einer bestehenden Arztpraxis ist in solchen Regionen auch nur dann erlaubt, wenn die Praxis stark ausgelastet war und deshalb eine wichtige Funktion für die Menschen hatte.

Grundsätzlich muss jeder Arzt, der sich niederlassen möchte, einen entsprechenden Zulassungsantrag stellen, der dann von einem Gremium aus Vertretern der Kassenärzte und Vertretern der Krankenkassen begutachtet und entschieden wird. Neben der Qualifikation des Arztes wird auch die Belegungsquote der Region hinzugezogen und man prüft, ob es in der Vergangenheit Verfehlungen, zum Beispiel bei der Abrechnung, gab oder nicht.

Verteilung ist nur eingeschränkt steuerbar

"Die flächenmäßige Verteilung der Hausärzte ist grundsätzlich nur eingeschränkt steuerbar", sagt Schneider. "Wir können keinen Arzt zwingen, in ein strukturschwaches Gebiet zu gehen." Wenn überhaupt, könne man nur Anreize schaffen, wie das Förderprogramm, von dem die Ärzte dann profitierten. Die betroffenen Städte oder Kreise könnten direkt keinen Einfluss auf die Arztdichte nehmen. Allerdings sei es schon hilfreich, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Genau das will auch Reusch, der die Stadt auffordert, Anreize für Ärzte zu schaffen und den attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort Niederkassel besser zu vermarkten.

Stadt und Kreis fühlen sich erst mal nicht in der Pflicht. Während der Beigeordnete der Stadt, Sebastian Sanders, der Meinung ist, dass der Kreis für die gleichmäßige Hausarztversorgung zuständig ist, verweist der Kreis auf die Kassenärztliche Vereinigung. "Ob und wo ein neuer Hausarzt angesiedelt wird, entscheiden Vertreter von Ärzten und Krankenkassen", heißt es aus dem Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises.

Die Anfrage der SPD-Fraktion zu diesem Thema ist Tagesordnungspunkt in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport, Kultur und Soziales. Die Sitzung beginnt am Dienstag, 17. September, um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses, Rathausstraße 19

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