Naturschutz-Projekt an der L269: Wie Kiebitze in Niederkassel geschützt werden sollen

Naturschutz-Projekt an der L269 : Wie Kiebitze in Niederkassel geschützt werden sollen

Kibitze fühlen sich in Niederkassel besonders wohl. Um die Vögel zu schützen, wurde jetzt ein Naturschutz-Projekt initiiert. Auf 10.000 Quadratmetern finden aktuell andere Vögel und Insekten Nahrung. Die Kiebitze sind bereits in Richtung Nordafrika geflogen.

Beim Kiebitz-Fenster sind viele Akteure mit im Boot: der Rhein-Sieg-Kreis, die Stadt Niederkassel, die Kreisjägerschaft, Landwirte und die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die das Projekt an der Landesstraße 269 initiiert hat. Mitten in den Maisfeldern von Geflügelbauer Franz-Josef Telohe liegt das Kiebitz-Fenster, ein Unikat in der Region.

Spaziergänger werden es nicht entdecken, und das ist auch gewollt, um die Vögel nicht zu stören. Aktuell ist der Kiebitz schon Richtung Nordafrika geflogen, wo er überwintert. Sein 10.000 Quadratmeter großes Fenster bietet jetzt anderen Vögeln und Insekten Nahrung.

Ein Hektar für die geschützte Vogelart

"In Niederkassel gibt es ein im Rhein-Sieg-Kreis einzigartiges Kiebitz-Vorkommen", begründete Geschäftsführer Thomas Muchow die Wahl der Stiftung. Herausgefunden hat das eine Untersuchung. "Wir wollten Erkenntnisse sammeln, welche Offenland-Vogelarten es gibt, um so relevante Aussagen für weitere planerische Maßnahmen zu erhalten", erklärte Hans-Gerd Steinheuer vom Umwelt- und Naturschutzamt der Kreisverwaltung. Das Ergebnis: "Es gibt erstaunlich viele Feldvogelarten, aber nur eine geringe Populationsdichte." Auch der Kiebitz, der seit 2015 auf der Liste der gefährdeten Arten steht, ist ein Feldvogel. Mit dem Kiebitz-Fenster soll allen Ansprüchen des Vogels Rechnung getragen werden. Es soll Nistmöglichkeiten sowie Nahrung und Deckung bieten.

"Mitten im schon bestehenden Hotspot für Kiebitze haben wir die Maßnahme umgesetzt", erläuterte Muchow den Unterstützern am Feldrand. Kiebitze nisten mit Abstand zu bestehenden Hecken. Im März/April kehren sie in Gruppen aus ihrem Winterquartier zurückund nisten am liebsten in Mulden auf brachliegenden Äckern. Die Küken sind Nestflüchter, die sich ihre Nahrung in den Blühstreifen suchen, wo sich Insekten tummeln. Werden sie nicht selbst gefressen, können Kiebitze bis zu 20 Jahre alt werden.

Für Landwirt Telohe bedeutet das Fenster mit einer Seitenlänge von jeweils 100 Metern einen entsprechend geringeren Ertrag bei der Maisernte. Den Mais wiederum verfüttert er an seine rund 10 000 Hühner und Gänse. "Man muss abwägen und der Natur etwas zurückgeben", begründete er, warum er einen Hektar des elf Hektar großen Maisfeldes für den Kiebitz zur Verfügung stellt.

Die Blumen-Saatmischung bekam Telohe von der Stiftung zur Verfügung gestellt, und ein Teil der finanziellen Ausfälle wird ausgeglichen. "Das alles geschieht auf freiwilliger Basis", sagte Muchow.

Der Niederkasseler Landschaftsplan weise die Räume aus, wo man Verbesserungsmaßnahmen anstoßen könne. Danach spreche die Stiftung mit den zehn landwirtschaftlichen Betrieben in Niederkassel, die diese Maßnahmen dann umsetzen. Dabei haben die Landwirte gelernt, nicht alle Blühstreifen direkt am Wegesrand anzulegen, denn noch immer würden die Wiesenblumen von Spaziergängern gepflückt. 2015 wurde beraten und 2016 die ersten Maßnahmen umgesetzt. Auch die Jäger sind bei diesem Projekt mit von der Partie. Auch ihnen sei die Artenvielfalt wichtig, sagte die Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Elisabeth Trimborn. Neben dem Kiebitz bietet das Fenster auch Rebhühnern, Feldlerchen oder Stieglitzen Schutz und Nahrung. Auch Distel-, Buch- und Bergfinken wissen das zu schätzen. Sie flatterten bei der Begehung am Dienstagvormittag über das Kiebitz-Fenster.

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