Hoher Betreuungsstandard: Vollversorgung in Niederkassels Kitas

Hoher Betreuungsstandard : Vollversorgung in Niederkassels Kitas

Es fehlt der Stadt aber an Fachpersonal, um die qualitativ hohen Betreuungsstandards zu halten. Stadt setzt eine „Task Force“ ein, um Erzieher und Erzieherinnen zu bekommen.

Es sieht gut aus in Niederkassel, was die Anzahl der Betreuungsplätze für die Kita-Kinder anbelangt. „Wir werden in allen Bereichen eine Vollversorgung hinbekommen.“ In 89,5 Kita-Gruppen der 26 Einrichtungen werden 1788 Plätze angeboten. Hinzu kommen rund 100 Plätze bei Tagesmüttern oder -vätern.

Für die Kinder unter drei Jahren (U3) stehen derzeit 544 Plätze zur Verfügung, das entspricht einer Versorgungsquote von 52,16 Prozent und entspreche der bisherigen realen Platznachfrage. „Sofern keine drastischen Veränderungen im Anmeldeverhalten der Niederkasseler Familien erfolgen, kann hier von einer bedarfsgerechten Versorgungslage gesprochen werden“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Hohe Versorgungsquote für Kinder über drei Jahren

Die Stadt bezieht bei der Quote der unter Dreijährigen auch die Kinder von null bis einem Jahr mit ein. Diese sehr kleinen Kinder würden in vielen Kommunen herausgerechnet, weil sie oft noch zu Hause betreut würden. Wenn so auch in Niederkassel gerechnet würde, würde die Versorgungsquote für die U3-Kinder auf über 80 Prozent steigen. Für Kinder über drei Jahre (Ü3) gibt es sogar eine Versorgungsquote von 100,66 Prozent. Das heißt, dass den aktuell 1210 Kindern dieser Altersgruppe 1218 Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Dass die Stadt ausreichend Kita-Plätze anbieten kann, liege an dem fortlaufenden Ausbau des Platzangebotes durch Neu- und Erweiterungsbauten.

Dennoch: Auch die Stadt Niederkassel muss die vom Kinderbildungsgesetz (Kibiz) erlaubten Überbelegungskapazitäten voll ausschöpfen, um die Kita-Platz-Garantie zu erfüllen. So rechnet die Stadt für das kommende Kita-Jahr mit 121 Überbelegungen, 100 davon in den 16 städtischen Kitas. Zusammengerechnet wären das noch mal zwei dreigruppige Einrichtungen, die die Überbelegung dann hinfällig machen würden.

In Aktuell wird an die Kita Markusstraße in Lülsdorf eine weitere Gruppe angebaut, die voraussichtlich zum 1. Oktober eröffnet wird. In Rheidt wird derzeit die Kita an der Südstraße mit vier Gruppen und 60 Plätzen unter der Trägerschaft der gemeinnützigen GmbH educcare neu gebaut. Sie wird voraussichtlich am 1. November 2019 den Betrieb aufnehmen. Auch die Kita an der Talstraße in Rheidt soll einen Anbau für eine Gruppe mit 14 Plätzen bekommen. Sie ist in der Trägerschaft der Elterninitiative Talstraße. Der Ausbau ist derzeit in der Planung ohne konkreten Fertigstellungstermin.

Trotz der vergleichsweise guten Betreuungssituation gibt es in Niederkassel ein anderes Problem, das gelöst werden muss. Es fehlt das Fachpersonal, um die qualitativ hohen Betreuungsstandards in Zukunft weiter zu gewährleisten. Als erste Sofortmaßnahme reduzierte die Stadt in ihren Kitas die Anzahl der Betreuungs-Stunden von 49 auf 45 Stunden pro Woche. Der Aufschrei unter den betroffenen Eltern war laut und energisch und auch die SPD hakte nach, wie die Stadt dem Mangel an Erzieherinnen entgegenwirke.

Als neue Maßnahme werden im laufenden Jahr Stellenausschreibungen auch auf der Facebook-Seite der Stadt veröffentlicht. Der Zusatz der Befristung ist gestrichen und der Ausschreibungstext soll optisch attraktiver gestaltet werden. So habe es in 2019 bereits deutlich mehr Bewerber auf die Stellenanzeigen gegeben als im vergangenen Jahr, schreibt die Stadt in ihrer Antwort auf die SPD-Anfrage im Jugendhilfeausschuss.

Drei Vorstellungsrunden mit insgesamt 20 Bewerbern habe es bereits in 2019 gegeben. Eine der Bewerberinnen habe ihren Dienst schon am 15. Februar angetreten, 17 weitere sollen im Laufe des Jahres beginnen und eine weitere Vorstellungsrunde mit 13 Bewerbern ist im März geplant. Zudem gibt es eine „Task Force“, in die auch die Eltern mit einbezogen sind, die unter strenger Geheimhaltung überlegt, wie Niederkassel sich attraktiver darstellen kann, auch gegenüber den Nachbarkommunen, die auf dem leer gefegten Markt um Erzieher konkurrieren.

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