Stellen nicht besetzt: Stadt kürzt Kita-Betreuungszeiten in Niederkassel

Stellen nicht besetzt : Stadt kürzt Kita-Betreuungszeiten in Niederkassel

Über 20 Stellen in Niederkassel sind nicht besetzt, hinzu kommen krankheitsbedingte Ausfälle. Die 16 städtischen Kindergärten haben statt 49 nur noch 45 Stunden pro Woche geöffnet.

Die Stadt Niederkassel muss die Betreuungszeiten in den städtischen Kitas vorübergehend kürzen. Das sorgt bereits jetzt bei den betroffenen Eltern für Unmut. Am Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses.

Der zuständige Beigeordnete Sebastian Sanders bestätigte auf GA-Anfrage, dass die Kürzung der Betreuungszeiten ab 1. März umgesetzt werden soll. Hintergrund sei die katastrophale Personalsituation an den städtischen Kitas. "Derzeit gibt es in den städtischen Einrichtungen mehr als 20 nicht besetzte Stellen", sagt Sanders. Diese Situation verschärfe sich noch durch langzeiterkrankte und auch akut erkrankte Mitarbeiterinnen. "Am Pappelweg hatten wir die Situation, dass zehn Mitarbeiter gleichzeitig gefehlt haben", sagt Sanders, an anderen Kitas seien fast alle Vollzeitkräfte krank. "Das ist eine Personalsituation, die wir dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) melden müssen."

Der schaue sich die Situation an und ergreife dann kurzfristig Maßnahmen, wie zum Beispiel die Schließung von Einrichtungen ab mittags. "Deshalb wollen wir für alle städtischen Kitas die Betreuungszeiten von derzeit 49 Stunden auf 45 Stunden reduzieren. Ausgenommen von dieser Maßnahme ist die Kita am Willy-Brandt-Platz, wo die Kinder schon jetzt nur 45 Stunden betreut werden", so Sanders. Das bedeute in der Umsetzung, dass von Montag bis Freitag die Einrichtungen täglich neun Stunden geöffnet seien. Bisher seien die Kitas der Stadt von Montag bis Donnerstag zehn Stunden und freitags neun Stunden offen. "Letztendlich tun wir das, um einer LVR-Maßnahme zuvorzukommen", sagt Sanders. Das sei den protestierenden Eltern bisher offenbar nicht klar gewesen, denn andernfalls könne es kurzfristig auch zu drastischeren Schließungen kommen.

Keine abschließende Entscheidung

Ob die Stunde am Tag morgens oder abends wegfällt, ob dies die Einrichtungen selbst entscheiden können oder ob es eine einheitliche städtische Regelung geben wird, dazu ist noch keine abschließende Entscheidung getroffen. Die SPD-Fraktion fordert in einer Pressemitteilung personelle Verstärkung für den Kita-Bereich. Ausschuss-Sprecher Edgar Engelhardt berichtet, es gehe immerhin um über 300 Mitarbeiterinnen und rund 1300 Kinder in 16 städtischen Kindertagesstätten. "Die Lage ist dramatisch und gekennzeichnet durch eine massive personelle Unterbesetzung, durch große Schwierigkeiten bei der Neubesetzung offener Stellen, durch einen hohen Krankenstand und durch eine hohe personelle Fluktuation", so die SPD. Die Stadt Niederkassel müsse als Arbeitgeber attraktiver werden, indem sie beispielsweise direkt unbefristete Arbeitsverträge anbiete.

In den acht Kindertagesstätten in Trägerschaft der Stadt Sankt Augustin gibt es derzeit keine Einschränkungen bei den Betreuungszeiten. "Wir haben weitestgehend alle Stellen besetzt", sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen auf Nachfrage. Hinzu komme: Die Stadt setze in den Kitas grundsätzlich vier Prozent mehr Personal ein als nach dem Kinderbildungsgesetz mindestens vorgesehen seien. "Dadurch können wir Vakanzen in der Regel gut ausgleichen", sagte Stocksiefen. Zusätzlich gebe es noch drei Springer, die bei Engpässen in den verschiedenen Einrichtungen eingesetzt würden. "Auf sie greifen wir auch zurück, wenn wir wie jetzt eine Krankheitswelle haben." Insgesamt gibt es in den städtischen Kitas rund 100 Stellen. "Wir merken in den Besetzungsverfahren schon deutlicher, dass der Markt leerer wird. Aber es ist uns noch immer gelungen, alle Stellen zu besetzen", so die Sprecherin.

Auch in den 13 städtischen Kitas in Hennef sind bis auf zwei Teilzeitstellen zurzeit alle Stellen besetzt. Es gebe eine Dauerausschreibung für pädagogische Fachkräfte, so Pressesprecher Dominique Müller-Grote. Krankheitsbedingt könne es zu Notbetrieb in einzelnen Einrichtungen kommen. Am Montag lief der Kita-Betrieb ganz normal.

Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Niederkassel tagt am Mittwoch, 6. Februar, um 18 Uhr im Rathaus, Rathausstraße 19.

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