Schlafplatz im Little Home: Obdachlose in Niederkassel sollen Wohnbox bekommen

Schlafplatz im Little Home : Obdachlose in Niederkassel sollen Wohnbox bekommen

Menschen ohne Wohnung sollen in Niederkassel eine kleine Wohnbox bekommen. Der Sozialausschuss beauftragte die Verwaltung damit, einen geeigneten Standort für die so genannten Little Homes zu finden.

Die kleinen Wohnboxen für Obdachlose, deren Geschichte vor zwei Jahren in Köln begann, sind inzwischen im Rhein-Sieg-Kreis angekommen. Im jüngsten Niederkasseler Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Soziales stand dieses Thema auf der Tagesordnung. Der Ausschuss befürwortete das Projekt, welches von den Mitarbeitern des Energieversorgers Rhenag initiiert wurde, einstimmig und beauftragte die Verwaltung, sich im Stadtgebiet nach einem geeigneten Standort für zwei sogenannte Little Homes umzuschauen.

Mögliche Standorte könnten in der Nähe des DRK-Gebäudes sein, bei Feuerwehrgerätehäusern oder aber auch auf den Parkplätzen von Discountern und Supermärkten. Das will die Verwaltung nun ausloten. Ob die kleinen Häuschen noch vor dem Winter in Niederkassel einen Platz finden, das bleibt jedoch offen, denn es gab noch offene Fragen.

Derzeit seien 38 Personen in Niederkassel ohne eigene Wohnung, sagte Sozialamtsleiter Armin Wallraff. Sie werden jedoch alle in entsprechenden Unterkünften versorgt. "Dort ist es jedoch um die Privatsphäre oftmals schlecht bestellt, da mehrere Personen in einem Zimmer untergebracht sind", so Wallraff.

Mit den Häuschen, die 1,90 Meter hoch, 1,20 Meter breit und 3,20 Meter lang sind und als Bausatz bestellt werden können, soll Menschen ohne Wohnung ein - wenn auch sehr kleines - Dach über dem Kopf gegeben werden. Bett, Regal, Küche und Campingtoilette: Das ist die Ausstattung der Little Homes.

Aufgebaut werden die Holzhäuschen an einem Tag, und da sie als sogenannte "fliegende Bauten" gelten, ist für die Errichtung keine Baugenehmigung erforderlich. Die erforderlichen Geldmittel - ein Häuschen kostet als Bausatz ungefähr 1500 Euro - wollen die Rhenag-Mitarbeiter durch Spendenaufrufe und Aktionen zusammentragen.

Littles Homes bieten Ausstattung für Obdachlose

Mit dieser Minimalausstattung soll für die Obdachlosen ein erster kleiner Schritt zurück in die Gesellschaft gemacht werden. Das ist ein sanfter Übergang, der ein Mindestmaß an Privatsphäre sichere, argumentieren die Rhenag-Mitarbeiter, die diese Aktion im Rahmen der Initiative social@rhenag organisieren. Zunächst waren es zehn Kollegen, die das Projekt initiiert haben. Aber inzwischen kommen immer mehr dazu, sagt Rhenag-Pressesprecher Detlev Albert.

Der Verein Little Home soll Eigentümer der kleinen Hütten werden und müsste damit auch die Kosten der Unterkunft tragen sowie eine Nutzungsordnung aufstellen. Dazu will die Stadt ebenfalls Gespräche in den nächsten Tagen führen. Die Bewohner seien für die Sauberkeit um ihr Häuschen verantwortlich, anderenfalls könnte es sein, dass sie ihr neues Heim wieder räumen müssten.

Um die Menschen zu begleiten, ist auch der Katholische Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg Kreis (SKM) mit im Boot. Er wird dort regelmäßig Sozialarbeiter hinschicken, um die Bewohner zu betreuen. Dennoch gab es Bedenken im Ausschuss. Während Gabriela Neidel (SPD) ganz praktische Fragen wie Toilettensäuberung und -leerung oder Versorgung mit Wasser und Strom geklärt haben wollte, machten sich Friedemann Immer und auch Heinz Dähmlow (beide SPD) Gedanken darüber, ob es nicht menschenunwürdig sei, die Obdachlosen in derart kleinen Räumen unterzubringen.

Die CDU-Fraktion fand die Initiative der Rhenag gut. Angela Niethammer signalisierte für ihre Fraktion Zustimmung für die Häuschen. Das tat auch Anette Wickel (FDP), die zudem dafür plädierte, die Little Homes wie geplant noch vor dem Winter aufzustellen. Sascha Essig (Grüne) betonte: "Die noch offenen Fragen sollten keine aufschiebende Wirkung haben."

Für die Initiative der Rhenag-Mitarbeiter ist der Vorstoß in Niederkassel erst der Anfang. Sie möchten in den nächsten fünf Jahren 15 Little Homes in Niederkassel, Siegburg und Königswinter aufstellen und deren nachhaltige Betreuung sicherstellen.

Auch die Stadt Königswinter findet die Idee der Rhenag-Mitarbeiter toll, formuliert es Pressesprecher Karsten Herrmann. "Derzeit gibt es bei uns 32 Obdachlose, die allerdings alle untergebracht sind. Deshalb prüfen wir den Bedarf", so Herrmann. "Wir haben eine andere institutionelle Grundlage als zum Beispiel Niederkassel", sagt Jan Gerull, Pressesprecher der Stadt Siegburg. Auch Siegburg habe die Anfrage bekommen, und man erörtere derzeit, wie man vorgehe. 33 Bewohner seien derzeit in der Unterkunft an der Wilhelmstraße gemeldet. Hinzu kämen die Nutzer der Notschlafstelle im Don Bosco Haus, die kreisweit genutzt werde. "Wir haben da rund 4500 Übernachtungen im Jahr", sagt der Bert Becker von der Wohnungslosenhilfe des SKM. Dahinter stünden rund 225 Personen, die nicht alle aus Siegburg kämen. Auch Menschen, die draußen übernachteten gebe es vereinzelt in der Kreisstadt, so Becker.

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