Kinderbetreuung in Niederkassel: Niederkassel kürzt die Kita-Zeiten

Kinderbetreuung in Niederkassel : Niederkassel kürzt die Kita-Zeiten

Die Stadt reduziert mangels Personal ab dem 1. März die Betreuung für die 16 städtischen Kindergärten von 49 auf 45 Stunden die Woche. Jetzt soll die Verwaltung prüfen, ob bestehende befristete Verträge von Erziehern entfristet werden können.

Nach umfassender Debatte im Jugendhilfeausschuss steht nun fest: Ab dem 1. März werden die Betreuungszeiten in den städtischen Kitas verkürzt, und das nicht nur wie im Beschlussvorschlag vorgesehen bis zum Sommer, sondern bis auf weiteres. Eine Formulierung, die von der CDU-Fraktion vorgeschlagen wurde, um keine falschen Hoffnungen zu wecken.

Die Verkürzung der Öffnungszeiten von bisher 49 Stunden auf 45 Stunden in der Woche soll in Absprache mit Elternvertretern und Verwaltung in jeder Kita bedarfsgerecht geregelt werden. Das bedeutet, dass von Montag bis Donnerstag zwischen sieben und 17 Uhr Betreuungszeiten von neun Stunden festgelegt werden können, die möglichst passgenau dem Bedarf der Eltern entsprechen. Der Beschluss wurde mehrheitlich bei drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen gefasst. Für den Zusatzantrag der SPD, in der Verwaltung mit einer Art „Kita-Kümmerer“ eine neue Stelle zu installieren, gab es keine Mehrheit.

Eric Brüskens saß mit auf den Zuschauerrängen und verließ den Saal mit einem ratlosen Schulterzucken. Er engagiert sich im Elternbeirat der Kita Käthe-Kollwitz-Straße und weiß, dass es Eltern gibt, die durch die Kürzung der Betreuungszeiten in massive Schwierigkeiten geraten. „Vor allem die Pendler nach Köln haben Probleme“, sagte er. Das Kind von Yvonne Helbeg besucht die Kita am Wippinger Weg. „Durch die Einschränkung wird die Flexibilität genommen, und wir befürchten, dass dies nur ein erster Schritt ist, der weitere Kürzungen nach sich zieht“, sagte sie.

Um wenigstens mittel- oder langfristig die Personalsituation zu verbessern, gab es für die Verwaltung Hausaufgaben bei der Suche nach Fachpersonal. Einstimmig beschloss der Ausschuss, dass die Verwaltung prüfen solle, ob die bestehenden befristeten Verträge entfristet werden können. Auch bei den Stellenausschreibungen dürfe es keine Befristung mehr geben, um die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Das war auch eine vehemente Forderung der Vertreterin des Jugendamtselternbeirates, Stephanie Schaefer, die bei allen Fraktionen auf positive Resonanz stieß.

Bürgermeister Stephan Vehreschild, der in Vertretung seines erkrankten Beigeordneten die Sitzung leitete, versuchte die befristeten Anstellungsverhältnisse insbesondere bei Berufsanfängern zu verteidigen. Das sah Rüdiger Wagner (FDP) ein Stück weit als „Missbrauch der Befristung an“, wenn sie als Probezeitregelung genutzt werde. „Dafür sieht das Arbeitsrecht schon die Probezeit von sechs Monaten vor“, so Wagner. Beate Bayer-Helms (CDU) beschrieb die Situation als Dilemma. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz sei begrüßenswert, aber nicht zu Ende gedacht. „Die Gebäude kann die Stadt bereitstellen, das Personal ist nicht da“, fasste sie zusammen. Bisher habe die Stadt Niederkassel die gesetzlichen Vorgaben sogar übererfüllt. Das falle ihr jetzt vor die Füße. Bayer-Helms regte an, in Zukunft auch Neuland zu betreten. In fast jedem Ortsteil seien mehrere Kitas verankert. Mit unterschiedlichen Betreuungszeiten könne das Personal eventuell auch die Einrichtungen wechseln und sich stärker am Elternbedarf orientieren. Auch Edgar Engelhardt (SPD) stellte fest, dass die Betreuung von 49 Stunden in der Woche ein Luxus sei. „Wir müssen bei der Personalrekrutierung besser werden als die Nachbarkommunen“, forderte er.

Dass es nicht nur in den städtischen Einrichtungen personelle Engpässe gebe, erläuterte Sabine Koch von der Verwaltung. „Es gibt katholische Kitas, die stehen knapp davor, ihre Einrichtungen ganz zu schließen und haben ohnehin ganz andere Öffnungszeiten.“ Die derzeitige Arbeitsüberlastung des Personals schilderte Alexa Rudolph eindringlich. „Einige Einrichtungen sind schon zu Aufbewahrungsstätten geworden, und dabei blutet unseren Erzieherinnen das Herz“, formulierte sie. Wenn die Qualität leide, verliere man Personal, und deshalb müssten die Rahmendbedingungen stimmen, dass neben der Betreuung der Kinder auch Einzelbetreuungen oder Elterngespräche möglich seien.

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