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Niederkassel: Jugendamt rüstet sich für Kibiz-Reform

Kita-Planung : Jugendamt in Niederkassel rüstet sich für Kibiz-Reform

Das Jugendamt der Stadt Niederkassel beschäftigt sich mit einer längeren und flexibleren Betreuung in den Kindertagesstätten. Einstimmig beschloss der Jugendhilfeausschuss, dazu Möglichkeiten auszuloten.

Die Liste der Aktivitäten ist lang im Niederkasseler Jugendamt. Da geht es zum einen darum, den Elternwünschen nach längeren und flexibleren Öffnungszeiten der Kindertagesstätten zu entsprechen. Dass die Verwaltung hierzu Möglichkeiten auslotet und möglicherweise Schwerpunkt-Kitas mit langen Öffnungszeiten installiert, dafür gab es im Jugendhilfeausschuss ein einstimmiges Votum.

Dieses müsse natürlich alles vor dem Hintergrund der Änderungen des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) geschehen und vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit, so der Beigeordnete Sebastian Sanders. Aber neben den Öffnungszeiten soll auch die Zusammenarbeit mit den Grundschulen intensiviert werden, und die pädagogischen Inhalte der Kitas sollen besser kommuniziert werden. All das sind Ergebnisse aus einer Elternbefragung, die die Technische Hochschule Köln im Auftrag der Stadt Niederkassel im vergangenen Jahr durchgeführt hat.

Einige Landeszuschüsse steigen

Welche neuen Aufgaben auf die Stadt angesichts der Änderungen im Kibiz zukommen, das skizzierte Jugendamtsleiterin Ruth Hartmann. Positiv sei zunächst, dass es bei den Kind-Pauschalen rund 15 bis 20 Prozent mehr an Landesmitteln für die Kitas gebe, so Hartmann. Gleichzeitig gebe es jedoch das zweite beitragsfreie Kita-Jahr. Der Zuschuss des Landes als Ausgleich für die Beitragsfreiheit hingegen sei nicht verdoppelt worden, sodass diese Belastung gegengerechnet werden müsse.

Ob die Kommune am Ende aus dem eigenen Haushalt mehr oder weniger Mittel zuschießen muss, zu dieser Frage wollte sich Hartmann nicht festlegen. Sie vertröstete die Ausschussmitglieder auf den März, denn dann stünden die Gruppenformen fest und die Kosten könnten berechnet werden. Hartmann mutmaßte jedoch, dass es für Niederkassel teurer werde, denn in der Stadt gebe es keinen so großen Anteil an Kindern, die ohnehin wegen des geringen Einkommens der Eltern die Einrichtung beitragsfrei besuchten.

Deutlich erhöht werde der Zuschuss des Landes zur Sprachförderung in den „plusKitas“. Von maximal 50 000 Euro bisher steige hier die Bezuschussung auf 130 000 Euro jährlich. Auch die Pauschale für die Familienzentren werde von 13 000 Euro auf 20 000 Euro im Jahr angehoben.

Als sehr positiv wertete Hartmann die Bezuschussung für die praxisintegrierte Ausbildung (PiA), die bisher ohne Landeszuschüsse in Niederkassel bereits angeboten wurde. Auch die Förderung des Landes bei Erweiterung und Flexibilisierung der Öffnungszeiten erläuterte Hartmann nochmals, denn dieses Thema steht aktuell in der Stadt an.

So würden grundsätzlich nur Randstunden vor 7 Uhr und nach 17 Uhr oder am Wochenende und an Feiertagen vom Land zusätzlich gefördert, so Hartmann. Voraussetzung für eine Förderung sei zudem, dass die Einrichtung mindestens 47 Wochenstunden geöffnet habe und im Jahr weniger als 15 Tage geschlossen sei. Auch zum Personal gebe es Vorgaben: Die Randstunde dürften von sozialpädagogischen Fach- und Ergänzungskräften oder Kindertagespflegepersonen mit Pflegeerlaubnis auch in den Räumen der Kita besetzt werden. Bei den erweiterten Betreuungszeiten müsse immer auch im Blick behalten werden, dass die Kinder nicht überfordert seien. „Hier müssen wir die Belastungsgrenze des Kindes gut mit den Eltern kommunizieren“, so Hartmann.

Freie Träger sollen mit ins Boot

„Wir werden jetzt eine Bedarfsabfrage machen“, kündigte die Jugendamtsleiterin an. Die Kitas, in denen es größeren Bedarf gebe, wobei dieser gegebenenfalls nachgewiesen werden müsse, könnten dann unter Umständen als Schwerpunkt-Kita ihr Konzept ändern und flexiblere und längere Öffnungszeiten anbieten. Sie lud ausdrücklich auch die freien Träger ein, sich gegebenenfalls als Schwerpunkt-Kita ausweisen zu lassen. „Am Anfang wird das sicher etwas ruckelig“, aber mittelfristig, wenn die Verwaltung bei den Anmeldungen schon auf die Schwerpunkt-Kitas verweisen könne, sei dies möglicherweise ein erfolgversprechendes Konzept, so Hartmann.

Auch die Personal- und Haushaltsplanung müsse dann der veränderten Lage angepasst werden. Für die vom Kibiz vorgeschriebene strategische mehrjährige Bedarfsplanung will das Jugendamt bis 2021 gewappnet sein und eine entsprechende Software installieren.