Niederkasseler See: Neue Nutzung als Schwimmareal?

Niederkasseler See : Neue Nutzung als Schwimmareal?

Die Kehrtwende ist vollzogen, der Niederkasseler See soll Freizeit- und Badesee werden. Der Mondorfer See bleibt unberührt und somit Vögeln und Pflanzen vorbehalten, die dort bereits angesiedelt sind. Stattdessen kann vielleicht bald im Niederkasseler See gebadet werden.

Am Mittwochnachmittag tagte der Arbeitskreis zum Landschaftsplanentwurf 1 unter Leitung des Umweltdezernenten des Rhein-Sieg-Kreises, Christoph Schwarz. Der Landschaftsplanentwurf 1 gilt für Niederkassel. Die Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt sowie Vertreter der Naturschutzverbände kamen zu dem Schluss, dass aufgrund der Ergebnisse des aktuellen Artenschutzgutachtens eine Nutzung des Mondorfer Sees als Freizeit- und Erholungsschwerpunkt aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Um jedoch dem Bedarf nach einem Freizeitsee auf Niederkasseler Gebiet gerecht zu werden, soll nun der gesamte Niederkasseler See im neuen Landschaftsplan 1 dem Erholungszweck vorbehalten werden.

Das wäre eine weitergehende Erholungsfunktion, als sie in dem bereits 2001 erfolgten Planfeststellungsbeschluss zum Niederkasseler See festgeschrieben wurde. Darin wurde nur der südliche Teil als Badesee vorgesehen, der Rest sollte dem Natur- und Artenschutz vorbehalten sein. "Wir beugen uns dem Ergebnis", sagte der Erste Beigeordnete der Stadt Niederkassel, Helmut Esch, dem GA. "Wir sind unglücklich darüber, dass wir nicht den Mondorfer See als Freizeitsee nutzen können."

Dieser sei sowohl von seiner Lage und Form als auch von den Windbedingungen her für Segler, Surfer und andere Erholungssuchende besser geeignet als der Niederkasseler See. Das belege auch das Gutachten des Rhein-Sieg-Kreises. Da es jedoch am Mondorfer See Tier- und Pflanzenarten von landesrechtlicher Relevanz gebe, die geschützt werden müssten, sei die geplante Freizeitnutzung nicht möglich.

In der Verwaltung beginne nun erneut das Nachdenken: Denn nur mit einem Gesamtkonzept seien auf dessen Basis auch Zwischenlösungen parallel zum Kiesabbau möglich, stellte Esch klar. Eine der ersten Handlungen werden Gespräche mit dem Kiesabbau-Unternehmen sein, denn die Rekultivierung der Flächen war bisher als Kompensation für den Kiesabbau vorgesehen. Wird jedoch der See touristisch genutzt, muss der Kiesabbaubetreiber andere Flächen als Kompensationsareal anbieten. Ein weiteres Problem sind die Hochspannungsmasten an der Südseite des Sees, deren Elektrosmog dem Erholungswert zuwiderläuft.

Achim Baumgartner, der für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an den Gesprächen beteiligt war, sieht in der gefundenen Lösung einen "sauberen Kompromiss". Für ihn gibt es keinen Grund, an dem südlichen Teil des Sees festzuhalten, der jetzt fast fertig kultiviert ist. Im Gegenteil: Er hält den nördlichen Badestrand von der Sonneneinstrahlung her für geeigneter. Dort gebe es keinen Elektrosmog.

Auch die Tatsache, dass dann der gesamte See von den Badegästen genutzt werden könnte, mache vieles einfacher: Denn niemand müsse mehr kontrollieren, ob sich Badegäste in geschützten Uferbereichen aufhalten oder nicht. Wo allerdings die zwingend notwendige Ausgleichsfläche für den Baggersee sein soll, kann sich Baumgartner im Moment nicht vorstellen.

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