Mondorfer Strandfest: Nach dem Fest ist vor dem Fest

Mondorfer Strandfest : Nach dem Fest ist vor dem Fest

Hans Georg Florin organisiert seit 24 Jahren das Strandfest in Mondorf und ist damit das gesamte Jahr über beschäftigt.

Die Geschichte des Mondorfer Strandfestes ist lang und wechselvoll. Was klein anfing, um eine neue Glocke für die Laurentiuskirche zu beschaffen, hat sich zur ersten größeren Kirmes im Jahr in der Region gemausert. Das Mondorfer Strandfest zieht Besucher aus Bonn und dem Kreis an und ist über die Stadtgrenzen Niederkassels hinaus ein Begriff. Zum 82. Mal wird das Pfingstfest mit dem Fassanstich von Bürgermeister Stephan Vehreschild am Freitag, 13. Mai, um 18 Uhr eröffnet. Und dann wird bis Montag gefeiert.

Dass sich aus dem einstigen Glockenfest der Kirchengemeinde, das 1920 erstmals schriftlich erwähnt wird, eine gestandene Kirmes entwickelte, das ist natürlich den Akteuren hinter der fröhlichen Sause am Rheinufer zu verdanken, die seit 1936 Strandfest heißt. Sie trotzten massiven Anwohnerbeschwerden, die 2009 aufkamen und bis ans Oberlandesgericht gingen, ebenso wie angekündigten Schlägereien oder dem Hochwasser, das das Festzelt samt Fahrgeschäften im Jahr 1994 flutete.

Zunächst waren es die Wirte aus dem Ort, die das Fest nach dem Krieg wiederbelebten. Anfang der 1970er Jahre schlossen sich dann der Männergesangverein, der TuS Mondorf und der Förderverein des TuS zusammen, um die Organisation gemeinsam zu stemmen. Seit 1992 mit seinem Amtsantritt als Geschäftsführer des TuS Mondorf ist Hans Georg Florin das Gesicht hinter dem Fest. Er war Gründungsmitglied der Pfingstfest GbR und zunächst neben Johann Karp und dem Männergesangverein für die finanzielle Abwicklung des Festes verantwortlich. Auch wenn er sich schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken trägt aufzuhören: Bis jetzt gibt es noch niemanden, der diese Last schultern will und kann.

„Es gehört schon viel Herzblut dazu, wenn man eine Kirmes dieser Größenordnung in seiner Freizeit vorbereitet“, sagt Florin, der im Bauamt der Stadtverwaltung arbeitet und schon allein deshalb kürzerer Wege hat und schneller die richtigen Ansprechpartner findet. Florin hat schon als zehnjähriger Steppke Kirmesbänke aufgestellt und wieder eingeräumt und kennt die Kirmes quasi seit Geburt. Er ist in der Nachbarschaft der Buden und Fahrgeschäfte in der Beckergasse in Mondorf aufgewachsen und hat natürlich keines der Volksfeste versäumt. Das verbindet, und deshalb gehört die Kirmes genauso zu seinem Leben wie der Rhein, an dem sie stattfindet und wo sie inzwischen ihre natürliche Kapazitätsgrenze erreicht hat.

Warum es für Florin so schwer ist, einen Nachfolger zu finden, wird klar, wenn er über seinen Arbeitsplan spricht. Wenn das Fest vorbei ist, beginnt der große Abbau. Die finanzielle Abwicklung mit Bank und Steuerberater oder das Schreiben und Bezahlen von Rechnungen stehen an. „Danach besuche ich alle, die mitgeholfen haben, oder aber auch die Nachbarn und bedanke mich.“ Florin kümmert sich dann um die Verträge, die verlängert oder gekündigt werden müssen. Schon im Oktober muss das Festzelt bestellt werden, die Polizei wie auch die Wasserschutzpolizei, die den Rhein für das Feuerwerk am Sonntag absperrt, werden informiert. Das Feuerwerk selbst bestellt Florin im Januar.

Im Februar beginnt dann die heiße Phase. Der Ablaufplan wird an seine Bürowand gepinnt. Florin beginnt mit der Organisation der freiwilligen Helfer vom TuS Mondorf. Er erstellt eine Kassenliste, bestellt die Biermarken, die Musik und schreibt die Einsatzpläne für die ehrenamtlichen Helfer. Auch mit der Fähre wird verhandelt, denn sie fährt während der Kirmes bis 24 Uhr über den Rhein.

Die Fahrgeschäfte werden seit 1992 von dem Euskirchener Peter Barth organisiert. Auch mit ihm steht Florin in ständigem Kontakt. Vier Großfahrgeschäfte und fünf bis sechs kleinere Karussells sowie die Buden stehen alljährlich am Mondorfer Rheinufer. Hinzu kommt der Trödelmarkt, der vom Veranstaltungsbüro Oskar Brumbach organisiert wird.

Je näher der Fassanstich rückt, desto intensiver hat Florin die Vorhersagen des Wetterdienstes im Blick. Vor allem Regen kann ihm einen Strich durch die Rechnung machen. „Letztes Jahr stand die gesamte Fläche noch zwei Wochen vor dem Fest unter Wasser“, erinnert er sich. Dann hat es Jahre gegeben, in denen gerade so kostendeckend gearbeitet werden konnte, weil die Besucherzahlen wegen des schlechten Wetters eher dürftig waren. In guten Jahren bleibt jedoch etwas übrig und das geht dann insbesondere in die Jugendarbeit des TuS Mondorf. Florin wünscht sich, dass dieses Fest, mit dem er groß geworden ist, auch in Zukunft Anziehungsmagnet bleiben wird. „Ich mache das nicht nur für den Verein, sondern für den Ort.“

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