82. Strandfest in Mondorf: Kühler Wind vertreibt die Besucher

82. Strandfest in Mondorf : Kühler Wind vertreibt die Besucher

Das Wetter war kühl, teilweise mies: Beim Strandfest in Mondorf war die Resonanz an Pfingsten schlechter als sonst. Und doch fanden sich wieder leidenschaftliche Strandfestgänger ein, die sich von der Witterung nicht abhalten ließen – und manche Geschichte „von früher“ auf Lager hatten. Ein Streifzug.

Nach und nach trudeln die Besucher am Freitagnachmittag am Rheinufer ein, wo das Strandfest in der 82. Auflage offiziell eröffnet wird. Von weitem ist das Kreischen der ersten Fahrgäste zu hören, die in ihren Wägelchen auf der Achterbahn „Wilde Maus“ talwärts stürzen und mit neuem Schwung wieder in die Höhe katapultiert werden. Daneben dröhnen heiße Beats aus den Lautsprechern eines Fahrgeschäftes, bei dem ganz Tapfere in ihren Kabinen so durcheinander gewirbelt werden, dass einem schon beim Zusehen schlecht werden kann. Es sind auch eher Jugendliche, die freiwillig den Kick suchen.

Schräg gegenüber wartet die „Game Factory“ auf Kunden. Früher hieß diese Art von Kirmesattraktion einfach nur Wurfbude, an der man mit möglichst wenigen Bällen möglichst viele leere Konservendosen abräumen musste. Übrig geblieben aus vergangener Zeit ist nur noch die Musik. Lieder von Mireille Mathieu dudeln vom Band. Davon unbeeindruckt prügeln einige junge Männer auf einen Boxautomaten ein, um ihre Kräfte zu messen.

So langsam füllt sich das Gelände, Getränkestände und Imbisswagen sind bestens vorbereitet, der Duft von gebrannten Mandeln und asiatischen Köstlichkeiten liegt in der Luft. Das Wetter spielt mit. Noch. Zu denjenigen, die über das Mondorfer Strandfest flanieren, gehören auch Helga Reich (66) und ihr Mann Jakob (70) aus Rheidt. Die viertägige Veranstaltung besuchen sie schon seit mehr als 50 Jahren. Sogar kennengelernt haben sie sich hier, Pfingsten 1965. Nämlich im großen Festzelt, das damals noch errichtet wurde. „Das hatte Ausmaße wie das Bayernzelt auf Pützchen mit Sektbar in der Schwemme“, erinnert sich Hans Georg Florin, der seit 1992 das Volksfest organisiert. „Die Jungen standen an der Theke, die Mädchen saßen an den Tischen und warteten darauf, zum Tanz aufgefordert zu werden“, erzählt Helga Reich. Wenn nicht Damenwahl war, denn so etwas gab es damals auch noch. „Und Livemusik mit JoDaMo“, berichtet Heinz Reinhards (63), für den der jährliche Besuch des Festes an allen vier Tagen „Pflicht“ ist. Der Name der bekannten und beliebten Tanzkapelle stand für Johann Daniels Mondorf.

Es hat sich einiges verändert. Zu den Magneten vor Jahrzehnten zählten laut Florin und den Reichs die Schiffschaukel, die Raupe und eine Boxbude. Es ist aber auch ruhiger geworden. Schlägereien gehörten früher dazu. Da kamen junge Männer aus den Nachbarorten, und schon flogen die Fäuste, berichtet Reinhards. Worum ging es? „Um die Mädchen“, antwortet Helga Reich kurz und knapp. Konkurrenten, die mit der Fähre von der Bonner Seite übersetzten, wurden wieder „zurückgeschickt“, verrät Reinhards mit einem Grinsen und ergänzt, man habe aber immer alles ohne Polizei geregelt.

Dieses Jahr bleibt es verhältnismäßig ruhig, zumindest auf dem Festgelände. Laut Florin kam es zu einigen Auseinandersetzungen zwischen meist alkoholisierten Jugendlichen außerhalb des Festplatzes. Zufrieden war er mit den Umsätzen in diesem Jahr nicht ganz. Nach seiner Beobachtung kam etwa nur die Hälfte der sonst üblichen Besuchermenge. Selbst das große Feuerwerk am Samstagabend konnte viele daher nicht locken. Auch der Pfingstmontag brachte keine Wende mehr. Vielmehr mussten bereits am Vormittag eine Bierbude und das Festzelt abgebaut werden – als Vorsichtsmaßnahme: Starke Regenfälle in Süddeutschland ließen einen steigenden Rheinpegel befürchten.

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