Stromnetz: Kooperation mit Rhenag bringt Entscheidungshoheit

Stromnetz : Kooperation mit Rhenag bringt Entscheidungshoheit

Die Stadt Niederkassel ist Miteigentümer ihres Stromnetzes geworden. Mit der Unterzeichnung der Verträge und einer Kooperation mit der Rhenag kann sie nun über die Nutzung des Stromnetzes mitentscheiden.

Dafür sorgt die Strompartnerschaft mit der Rhenag, die jetzt besiegelt wurde. Bürgermeister Stephan Vehreschild und der Erste Beigeordneter Helmut Esch unterzeichneten gemeinsam mit dem Rhenag-Vorstand Hans-Jürgen Weck, dem Geschäftsführer der Energieversorgung Niederkassel GmbH & Co. KG (EVN) und gleichzeitigem Rhenag-Energiegeschäftsleiter, Bernd Ganser, sowie weiteren Rhenag-Führungskräften die Verträge zur Gründung einer gemeinsamen Stromnetzgesellschaft.

Gleichzeitig wurde auch ein neuer Stromkonzessionsvertrag mit der im letzten Jahr gegründeten EVN über eine Laufzeit von 20 Jahren unterzeichnet. Nach 20 Jahren lief im vergangenen Jahr der Konzessionsvertrag mit der RWE AG aus. Darin wurde die Nutzung der Strominfrastruktur der Stadt geregelt. "Wir mussten uns entscheiden, wie es in Zukunft mit unserer Strominfrastruktur weitergehen sollte", erläutert der Erste Beigeordnete der Stadt, Helmut Esch, die Hintergründe des Kooperationsmodells. Zwei Optionen seien der Stadt geblieben, entweder den Konzessionsvertrag wie gehabt auf weitere 20 Jahre zu verlängern oder aber eine eigene Gesellschaft zu gründen, die Eigentümer der Stromnetze in Niederkassel wäre und das mit Hilfe eines Kooperationsmodells. Für die Gründung einer gemeinsamen Stromnetzgesellschaft, der Energieversorgung Niederkassel (EVN) entschied sich der Rat im vergangenen Jahr einstimmig.

Daraufhin erwarb die Rhenag das Niederkasseler Stromnetz von der RWE Deutschland AG und brachte dieses in die EVN ein. Danach erwarb die Stadt 51 Prozent Anteile an der neuen Gesellschaft, Rhenag hält 49 Prozent. Außerdem wird der Energieversorger das operative Know-how für den Betrieb der Niederkasseler Stromnetze stellen.

Nach Unterzeichnung von Konzessionsvertrag, Gesellschaftervertrag und Pachtvertrag sind nun die Rhenag und die Stadt Niederkassel vereint in der EVN Eigentümer der Stromnetze der Stadt, die sie wiederum den unterschiedlichen Stromanbietern gegen entsprechende Durchleitungsentgelte zur Verfügung stellen. Rund 1,4 Millionen Euro hat die Mehrheitsbeteiligung für die Stadt gekostet. Die Vorteile des neuen Konstrukts liegen auf der Hand: "Wir haben jetzt direkten Einfluss darauf, was mit unseren Netzen passiert und wo wir investieren", umschreibt dies Esch. Zudem werfe der Vertrag schon in diesem Jahr kleinere Gewinne für die Stadt ab, die wiederum dem Haushalt zugutekämen, so Esch weiter.

In dem Vertrag sei eine Mindestrendite festgeschrieben, so dass das Risiko gering sei. Außerdem sei es weitsichtig, die "Herausforderungen der Energiewende in einer Partnerschaft anzugehen, in der man sich kennt und die Verbundenheit mit der Region teilt", glaubt Esch.