Kater Paul kehrt nach sechs Jahren nach Niederkassel zurück.

Kater kehrt zurück nach Niederkassel : Happy End nach sechs Jahren

2013 verschwand Kater Paul. Jetzt hat die Niederkasseler Familie Schragen ihn wieder zurück. Eine Frau hatte ihn in einem anderen Bundesland gefunden.

Kater Paul ist 13 Jahre alt und eine waschechte Maine-Coon-Katze. Eigentlich hat er ein langes flauschiges Fell, das man im Moment aber nur erahnen kann. Sechs Jahre und vier Monate war das Tier, das schon als Kitten bei Familie Schragen in Niederkassel einzog, verschwunden, niemand wusste, wie es um es stand. Bis eine Frau Kater Paul nahe Gießen entdeckt hat. Inzwischen hat er in seinem Niederkasseler Zuhause wieder fast zu alten Kräften gefunden.

Es war an einem Samstag, am 23. Januar 2013, als Paul wie gewohnt gegen 18 Uhr noch einmal zu einer Runde um den Block ansetzte. Für gewöhnlich saß er zwei Stunden später vor der Tür und miaute, um eingelassen zu werden. „Ich kann mich noch erinnern, dass meine Enkelin ihn gestreichelt hat, kurz bevor wir ihn raus ließen“, sagt Waltraud Schragen und ihr kommen fast die Tränen. Ganz gegen seine Gewohnheit kehrte Paul an diesem Abend nicht nach Hause zurück.

„Ich bin mir sicher, dass ihn damals jemand mitgenommen hat“, glaubt seine Besitzerin. „Vielleicht dachte derjenige ja, dass er einen guten Zuchtkater gefunden hätte“, ergänzt Ehemann Gerd Schragen. Paul ist jedoch kastriert und daher zur Zucht nicht geeignet. Das Ehepaar glaubt, dass eben das auch der Grund gewesen sein könnte, weshalb er später wieder ausgesetzt wurde. Theorien haben die Schargens viele, aber etwas genaues wissen sie bis heute nicht.

Das Wunder an der Geschichte: Mehr als sechs Jahre später wurde Paul an einem Autohof bei Mücke, 70 Kilometer hinter Gießen aufgegriffen. Einer Frau, die mit einer Reisegruppe Rast machte, fiel das abgemagerte und verwahrloste Tier auf. Sie informierte ihren Sohn und bat ihn, eine Suchaktion über die sozialen Medien zu starten. Diesen Aufruf wiederum las ein junges Mädchen, das bei einer Tierschutzorganisation aktiv ist, berichtet Waltraud Schragen. Das Mädchen fuhr gemeinsam mit ihrer Mutter und ausgestattet mit Leckerchen und einem Katzenkorb auf die Raststätte und musste offenbar nicht lange suchen. Paul roch das leckere Essen, kam angelaufen und verkroch sich sofort in dem mitgebrachten Katzenkorb.

Mutter und Tochter brachten den Kater zum Tierarzt. Der las den implantierten Chip aus. Und der Tiersuchdienst Tasso, bei dem Pauls Chipnummer hinterlegt war, informierte die Besitzer. „Sie haben vor über sechs Jahren ihren Kater als vermisst gemeldet, wollen sie ihn wieder haben“, erinnert sich Waltraud Schragen an den Anruf der Dame von Tasso. „Ich hab natürlich ja gesagt und erst mal angefangen zu weinen“, sagt Schragen.

Zwei Tage später kam es zum Wiedersehen. „Wir waren vorgewarnt und deshalb schon fast froh, dass Paul nur verfilzt und mager war und keine offenen Wunden hatte“, sagt Waltraud Schragen. Er sei offenbar nicht misshandelt worden. Die Tätowierung an Pauls Ohren sei nicht mehr zu erkennen gewesen, deshalb sei der implantierte Mikrochip auf jeden Fall die sichere Variante, um ein Tier wiederzufinden. Dennoch hatte der geliebte Kater viele dicke Knubbel im verfilzten Fell und gab sich apathisch, fanden die Schragens. „Er war überhaupt nicht ansprechbar und reagierte nicht auf seinen Namen“, sagt Waltraud Schragen. Vor der Haustür sei er dann aber doch unruhig geworden und erst einmal in den Keller gelaufen, wo vor mehr als sechs Jahren immer sein Futternapf gestanden habe.

Paul inspizierte das Haus, hielt sich besonders lange mit dem Beschnuppern des alten Fernsehschrankes auf, legte sich dann auf den Teppich und begann zu schnurren. „In dem Moment war er Zuhause“, sagt Waltraud Schragen. Seitdem gehe es immer nur bergauf mit der Samtpfote. Den Besuch beim Tierarzt hat Paul schon hinter sich gebracht, er bekam eine Aufbauspritze, wurde entwurmt, geimpft und sein Fell abrasiert.

Niemand in der Familie hatte nach sechs Jahren noch an diese Happy End geglaubt. Momentan gibt es im Hause Schragen nur noch Glückseligkeit – und Ruhe für den Kater und seine erleichterten Besitzer.

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