Möbelhaus in Niederkassel: Hausmann-Konflikt spitzt sich zu

Möbelhaus in Niederkassel : Hausmann-Konflikt spitzt sich zu

"Der Investor geht wieder, und wir müssen dann mit den Folgen seiner Bebauung zurecht kommen." So lautet die Beschwerde direkter Anlieger rund um das leerstehende Möbelhaus Hausmann.

Auf dessen Fläche sollen jetzt Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen. Das sieht der verabschiedete geänderte Bebauungsplan im jüngsten Umwelt-, Verkehr- und Planungsausschuss vor. Hinzu kommt, dass die Anwohner das Gefühl haben, dass ihre Bedenken von der Verwaltung nicht ernst genommen werden und die Interessen des Investors größeres Gewicht bei der Interessen- Abwägung hatten. So formulieren die Anwohner Klaus-Dieter Reckert und Hubertus Thiel ihre Kritik im Gespräch mit dem GA.

Bei vielen Aktionen der Stadt vermuten die Beschwerdeführer sogar Vorsatz, um die protestierenden Bürger "mürbe zu machen". Das sei auch schon zu einem Großteil gelungen, denn während bei Bekanntwerden der Baupläne noch rund 30 Bürger protestierten, wurde die Zahl derer, die öffentlich gegen die Bebauungspläne vorgehen, immer kleiner.

Nicht unterkriegen lassen will sich jedoch Klaus-Dieter Reckert. Er befürchtet, dass die enge Bebauung, die in Teilen dreigeschossig ist, bei zu wenigen Parkplätzen aufgrund der engen Verhältnisse zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Und ebenso wie Thiel sieht er auch die geplanten Mülltonnen-Sammelstellen kritisch, denn hier entstünden Plätze mit Gestank und Ungeziefer.

Reckert formuliert noch weitere Ängste: Der ohnehin schwammige Boden unter dem Möbelhaus und in der näheren Umgebung sei durch die sechs Brunnen mit den Pumpen darin, die bei jedem Hochwasser ihre Arbeit verrichteten und dabei auch die Sedimente und den Sand wegschwemmten, noch instabiler geworden.

Das Resultat könne man seiner Meinung nach an einem Haus gegenüber bereits deutlich erkennen. Viele Risse durchzögen die Mauern, einer reiche vom Dach bis zum Fundament. Wenn jetzt dort ausgeschachtet wird, befürchtet Reckert, dass das Erdreich des schwammigen Bodens ringsherum nachrutscht und die Häuser in der Baugrube versinken. "Wir haben Angst, dass es uns so ergeht wie dem Kölner Stadtarchiv."

Selbst die Rückbauten der Wasserrohre und Brunnen hätten sich wegen der instabilen Böden als schwierig gestaltet. Und man habe statt des Rückbaus nur Beton in die Brunnen gepumpt, berichtet Reckert von der jüngsten Maßnahme. Auch das Baugrund-Gutachten, auf das sich die Stadt bezieht, zweifelt er an, denn stellenweise sei nur bis zu sechs oder sieben Meter tief gebohrt worden, das Grundwasser befinde sich jedoch neun Meter unter der Erde. Sobald der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, will Reckert im Rahmen des Normenkontrollverfahrens dagegen vorgehen.

Der augenscheinliche Fauxpas der Verwaltung, die Namen der Bürger, die ihre Einwände gemacht hatten, nicht oder nicht ausreichend zu schwärzen, passt nach Meinung Reckerts zu dem gesamten Vorgehen der Stadt. Jetzt versuche man offenbar, die Bürger für Verzögerungen verantwortlich zu machen und an den Pranger zu stellen, wirft er der Verwaltung vor.

Für den Ersten Beigeordneten Helmut Esch sind Theorien dieser Art "Quatsch". Die unvollständige und unzureichende Schwärzung der Namen sei ein Versehen gewesen, wofür er sich nochmals entschuldige. "Wir wollen das Verfahren doch zu Ende bringen", betont Esch auf Anfrage. Somit sei es unsinnig, dass die Verwaltung wissentlich mögliche Anfechtungspunkte schaffe. Der Bebauungsplan sei mehrfach im Ausschuss diskutiert und schließlich einstimmig verabschiedet worden. Die unterschiedlichen Interessen seien abgewogen worden, "das war ein demokratischer Prozess", so Esch weiter.

Für Reckert stellt sich das Verfahren jedoch anders dar. Er hat die im Ausschuss angekündigte Strafanzeige wegen Verletzung des Urheberrechts bei der Polizeiwache Troisdorf eingereicht. Schließlich habe er mehrfach auf die unzureichende Schwärzung hingewiesen und lediglich ein "Na und" und Schulterzucken von den Sachbearbeitern erhalten.