Auf dem ehemaligen "Rhabarberschlitten": Für eine Stadtbahn in Niederkassel müssten wohl Häuser weichen

Auf dem ehemaligen "Rhabarberschlitten" : Für eine Stadtbahn in Niederkassel müssten wohl Häuser weichen

Eine neue Verbindung, die in Zukunft von Beuel über Niederkassel nach Köln führen soll - das Thema Stadtbahn stößt in Niederlassel auf reges Interesse. 150 Bürger besuchen Infoveranstaltung zur geplanten Schienenanbindung an Bonn und Köln.

Das Thema Stadtbahn stößt in Niederkassel auf reges Interesse. Christoph Groneck vom Referat Strategische Kreisentwicklung des Rhein-Sieg-Kreises und Christoph Lütz von der Vössing Ingenieurgesellschaft stellten am Mittwoch im Kopernikus-Gymnasium die Ergebnisse der technischen Machbarkeitsstudie für diese neue Verbindung vor, die in Zukunft von Beuel über Niederkassel nach Köln führen soll – vielleicht sogar mit einem Abzweig nach Troisdorf. Rund 150 Bürger waren gekommen. Einigkeit bestand darin, dass Niederkassel eine gute und schnelle Anbindung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) braucht. Es gab aber auch kritische Töne.

Die Studie liegt seit dem vergangenen Jahr vor. Das Ingenieurbüro Vössing hatte im Auftrag des Kreises, der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) sowie den Städten Niederkassel und Troisdorf untersucht, wie die Trasse der Stadtbahn verlaufen könnte. Eingebunden wurde das bestehende Gütergleis der RSVG zwischen Lülsdorf und Troisdorf – der ehemalige Rhabarberschlitten.

Niederkassel ist die größte Stadt im Verkehrsverbund Rhein-Sieg ohne Bahnanschluss (aktuell knapp 40.000 Einwohner) und gemäß Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum klassifiziert. Die südlichen Stadtteile von Niederkassel und Troisdorf haben über Jahrzehnte als Wohnraum für Pendler nach Bonn an Bedeutung gewonnen, ebenso die nördlichen Stadtteile von Niederkassel für Köln-Pendler. Seit Eröffnung der Siegbrücke als direkte Straßenverbindung nach Bonn 1976 stieg die Einwohnerzahl Niederkassels um etwa 50 Prozent.

Bisher nur Busverkehr

Der ÖPNV ist bis heute auf den Busverkehr beschränkt. Die Buslinie 550 führt von Bonn über Schwarzrheindorf nach Lülsdorf, ebenso wie der Schnellbus SB 55. Eine Bahn könnte viel mehr Pendler aufnehmen.

Die Studie sieht ein Neubaustück von Beuel bis zur bestehenden Gütertrasse in Mondorf vor, die Busspur an der L 269 würde Platz für ein Gleis hergeben. Das ab Mondorf existierende Gleis, auf dem die Industriebahn von Evonik in Lülsdorf fährt, müsste ertüchtigt werden. Für die Einfädelung ins Kölner Stadtbahnnetz gibt es zwei Varianten: entweder über Zündorf oder über die geplante Rheinbrücke. Vor allem durch letztere könnte sich die Fahrzeit von Niederkassel nach Köln erheblich verringern. Doch die Planung für die Rheinspange steht noch am Anfang.

Erst wenn dort eine Trassenführung festgelegt sei, könne die Stadtbahnplanung im Norden konkretisiert werden, so die Experten. „Derzeit favorisieren wir“, so Christoph Lütz, „eine Stadtbahnlinie in Richtung Bonn, zum Teil auf den Gleisen des ehemaligen Rhabarberschlittens.“ Dazu sei es notwendig, den Güterverkehr der Evonik vom Werk aus über neue Schienen direkt nach Wahn oder Troisdorf zu führen.

Lerchenstraße in Mondorf betroffen

Die Linienführung wurde von einem Anwohner der Lerchenstraße in Mondorf stark kritisiert. Dort müssten wahrscheinlich Häuser weichen, wenn die Stadtbahn gebaut wird. Wo genau, steht noch nicht fest. „Es ist eine Sauerei, dass Sie Wohngebiete zerstören und Häuser abreißen lassen wollen,“ sagte er. „Wir prüfen derzeit die technische Machbarkeit. Das heißt nicht, dass dann auch alles so umgesetzt wird“, entgegnete Helmut Esch, Erster Beigeordneter von Niederkassel. Zudem werde keinem das Haus „unter dem Hintern weggezogen“, ergänzte Groneck. Falls Grundstücke benötigt werden, würden die Eigentümer entschädigt.

Weitere Fragen der Bürger betrafen die Lärmbelästigung, Park-and-ride-Plätze und den Zeitplan. Notwendig ist ein Planfeststellungsverfahren, realistisch nur eine Umsetzung in Abschnitten. „Wir erarbeiten einen komplexen Plan für eine ÖPNV-Anbindung von Niederkassel nach Bonn und Köln, unabhängig von der Rheinquerung. Sollte es zu einem Brückenbauwerk mit Schienenanbindung kommen, so wird auch das in unsere Planungen einfließen“, so Christoph Lütz. Die Planer rechnen mit einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren, bevor die erste Stadtbahn fährt.

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