Förderverein kämpft weiter für die Freie Schule

Verein "Kunterbunt" : Förderverein in Niderkassel kämpft für die Freie Schule

Der neue Vorstand will mit seinem pädagogischen Konzept die Nachmittagsbetreuung übernehmen. Die freie und aktive Bildung soll weiter gefördert werden.

Es geht weiter mit „Kunterbunt – Förderverein für freie und aktive Bildung“. Das war Konsens bei der Mitgliederversammlung. Auch wenn die Gründung einer eigenen freien Schule nach der Absage der Stadt im August 2019 erst einmal in weite Ferne gerückt ist.

Das alte und neue Vorstandsmitglied Britta Marchand begründete das für sich so: „Ich möchte nicht all das, was schon an Energie geflossen ist, versanden lassen.“ Ihr sei es wichtig, die Idee der freien und aktiven Bildung in Niederkassel weiter zu verfolgen. Eine eigene Schule wird es – wenn überhaupt – frühestens in fünf Jahren geben.

Aktuell ist ein neues Baugebiet nördlich der Spicher Straße als möglicher Standort im Gespräch. Auch hier gebe es aber schon jetzt erhebliche Probleme, berichtete der scheidende Fördervereinsvorsitzende Manuel Garcia, denn schon in dieser frühen Phase habe der Bürgermeister auf die Hochspannungstrasse und eine Pipeline der Evonik verwiesen, die durch das neue Baugebiet verlaufen.

Er skizzierte zu Beginn der Versammlung das Auf und Ab der Verhandlungen. Nachdem es im Herbst 2018 so ausgesehen hatte, als würde sich die Stadt zurückziehen, gab es im März dieses Jahres neue Hoffnung. Ein Grundstück im Gewerbegebiet in der Nähe des Gladiolenwegs wurde in Aussicht gestellt. „Wir hätten eventuell in der Kita Alt-Eifelstraße eine Übergangslösung bis zum Jahr 2021 nutzen können“, erklärte Garcia.

Homepage und Broschüre wurden erstellt. „Wir dachten, wir seien auf der Zielgeraden und die Freie Schule kommt“, erinnert seine damalige Vorstandskollegin Susan Franke. Finanzierungsplan, Nutzungsplan und Lageplan für die Stadt sowie das pädagogische Konzept an die Bezirksregierung wurden eingereicht. Am 23. August kam dann aber doch das Aus. „Nach einem langen Gespräch teilte uns der Bürgermeister mit, dass eine Realisierung an dieser Stelle nicht möglich ist“, sagte Garcia. Der Grund sei die notwendige Nutzungs-Umwidmung, die offenbar juristisch gegen die Interessen der Gewerbetreibenden nicht durchsetzbar sei. Eine Keule, die die beiden Vorsitzenden dazu veranlasste, nicht weiter im Vorstand aktiv zu sein.

Kritik an der Politik und Verwaltung

„Wir bekommen nie ein klares Nein und nie ein klares Ja“, kritisierte Garcia den Schlingerkurs von Politik und Verwaltung. Zwar stehe die freie Schule im Schulentwicklungsplan, von Seiten der Politik werde jedoch bisher viel zu wenig getan, kritisiert er.

Der Förderverein möchte weiter aktiv für das Anliegen kämpfen. Die Mitglieder wollen den Politikern auch im anstehenden Kommunalwahlkampf „auf die Füße treten“, so die Ankündigung der frisch gekürten neuen Vorsitzenden Julia Schlimgen. Bis zur Umsetzung der eigenen Schule will sich der Förderverein jetzt mit seinem pädagogische Konzept in der Offenen Ganztagsschule positionieren.

So sollen die Bildungsthemen mit den entsprechenden Qualitätsstandards aufrecht erhalten werden, auch wenn der Schulneubau noch in weite Ferne gerückt ist. Marchand regte an, dass der Verein eventuell freier Träger der Nachmittagsbetreuung Offene Ganztagsschule (OGS) werden könne. So könnte er wenigstens für einen Teil des Tages das pädagogische Konzept anbieten, das in den beiden Kindertagesstätten der Villa Kunterbunt praktiziert werde.

Auch die Option, in Nachbarstädte wie Troisdorf auszuweichen, wurde weiter thematisiert. Schließlich sei schon viel Arbeit gemacht. Investor, pädagogisches Konzept, Raumplanung und Finanzplan seien erstellt. Was fehlt, ist ein passendes Grundstück. Das will der neu gewählte Vorstand des Fördervereins mit Julia Schlimgen, Marc Houben-Redding und Britta Marchand auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren.