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Evonik in Niederkassel-Lülsdorf: Widerstand gegen neue Ethylenoxid-Anlage

Angst kontra Arbeitsplätze : Widerstand gegen neue Anlage auf Evonik-Gelände in Niederkassel

Die geplante Ansiedlung der Ethylenoxid-Anlage auf dem Evonik-Gelände in Niederkassel-Lülsdorf führt zu Widerstand bei Anwohnern und Bürgerverein. Letzterer fordert jetzt, die Menschen vor Ort nach ihrer Meinung zu befragen.

Der Widerstand gegen die Pläne des Chemie-Unternehmens PCC Integrated Chemistries GmbH wird lauter. Nach der Bürgerinformationsveranstaltung im Evonik-Kasino meldet sich jetzt der Bürgerverein für Lülsdorf und Ranzel zu Wort. Er spricht sich in einer umfassenden Veröffentlichung deutlich gegen den Bau einer Ethylenoxid-Anlage auf dem Gelände der Evonik aus. Zudem fordert der Bürgerverein eine Befragung der Niederkasseler zu diesem Thema.

Wie berichtet plant PCC am Standort Lülsdorf eine Produktionsanlage für Ethylenoxid mit einer Jahresleistung von 180. 000 Tonnen. Davon sollen 40.000 Tonnen zu Kunden außerhalb des Standortes per Schiff oder auch per Bahn transportiert werden. 140.000 Tonnen sollen vor Ort verarbeitet werden. Das Problem der Anwohner und damit auch des Bürgervereins: Ethylenoxid ist nicht nur hochentzündlich, sondern auch giftig, krebserregend und möglicherweise mutagen. Letzteres würde bedeutend, dass sich Chromosomen verändern und zu Fehlbildungen auch in den nächsten Generationen führen könnten.

„Nach Abwägung des Für und Wider der Arbeitsplätze gegen das Gefahrenpotenzial, verlief die Abstimmung einstimmig“, teilt der Bürgerverein Lülsdorf-Ranzel mit. Durch menschliches oder technisches Versagen hervorgerufene Unglücke könne man nicht 100-prozentig ausschließen. Angesichts der nahegelegenen Wohnhäuser am Standort Lülsdorf könne ein Unglück wie zuletzt im Januar dieses Jahres im spanischen Tarragona, verheerende Auswirkungen haben.

Betroffen seien von einem Störfall nicht nur die nahegelegenen Wohn- und Gewerbebauten, sondern auch Kitas, Schulen und Einzelhändler mit hoher Kundenfrequenz, sowie das Seniorenwohnheim, das nur wenige 100 Meter Luftlinie entfernt liege. „So eine Anlage gehört auf die Wiese mit einem fünf Kilometer großen Schutzradius zur nächsten Wohnsiedlung“, fordert der Bürgerverein.

Sicher sei es möglich, weniger gefährliche Firmen am Chemiestandort in Lülsdorf auf dem Evonikgelände anzusiedeln, die ähnlich viele Arbeitsplätze schaffen, argumentiert der Lülsdorfer Bürgerverein. Ähnlich sieht das auch Beate Causemann aus Niederkassel. „Das Gefahrenpotenzial, das von solchen Anlagen ausgeht, übersteigt bei weitem den Nutzen der in Aussicht gestellten Arbeitsplätze“, sagt sie und bezeichnet den aktuell geltenden Sicherheitsabstand zu Wohngebieten mit nur 178 Metern als „lächerlich“.

Für den Bürgerverein im Stadtteil Niederkassel ist die Situation nicht so eindeutig. „Wir haben sowohl Gegner als auch Befürworter der Ansiedlung im Verein“, sagt Geschäftsführer Wim Timmerman. Auch wenn aus seiner persönlichen Sicht die Nachteile überwiegen, den Standort gebe es seit mehr als 100 Jahren und die Menschen seien dorthin gezogen. Angesichts dieses Zwiespaltes will der Bürgerverein Niederkassel seine Mitglieder und die Bürger der Stadt in erster Linie informieren und für Transparenz sorgen.

PCC will nach eigener Aussage 500 Millionen Euro am Standort Lülsdorf investieren und damit 120 neue Arbeitsplätze schaffen. Voraussichtlich im Herbst 2020 will das Unternehmen die Genehmigungsanträge bei der Bezirksregierung Köln einreichen, die für die Prüfung und Entscheidung über die Genehmigungen für die geplanten Anlagen federführend zuständig ist.

Die ersten Vorbereitungen laufen bereits. Das Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz sieht eine Beteiligung der Öffentlichkeit durch die Bezirksregierung vor und bezieht weitere Träger öffentlicher Belange ein. Im Herbst 2021 könnte nach endgültiger Investitionsentscheidung mit dem Bau der Anlagen begonnen werden, die dann 2024 in Betrieb gehen könnten.