Gesamtschule in Niederkassel: Eltern kritisieren fehlendes Standortkonzept

Gesamtschule in Niederkassel : Eltern kritisieren fehlendes Standortkonzept

In einem offenen Brief an die Niederkasseler Kommunalpolitiker äußern Eltern von Gesamtschul-Kindern Kritik an den Zuständen vor Ort. Bürgermeister Stephan Vehreschild zeigt sich enttäuscht über die Vorwürfe.

Die Eltern der Gesamtschul-Kinder sind sauer. Zu vieles läuft ihrer Meinung nach schlecht rund um den Aufbau der neuen Gesamtschule, die derzeit mit vier Jahrgängen im Schulzentrum Nord in Niederkassel ihren Standort hat und dort weiter wachsen wird.

Was die Eltern stört und was sie nicht länger hinnehmen möchten, das hat die Schulpflegschaftsvorsitzende Eva Neehuis gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Lars Linden in einem über vier Seiten langen offenen Brief an die Fraktionen und den Schulausschuss formuliert.

Die Kritik am Verhalten und der Vorgehensweise der Verwaltung bei der Umsetzung dieses Mammutprojektes von derzeit geschätzt 30 Millionen Euro ist deftig. Die Schulpflegschaftsvorsitzenden vergeben miserable Noten für die quasi nicht vorhandene Kommunikation mit den Eltern der Schulkinder. Reklamiert wird die drangvolle Enge, die schon jetzt in vielen Klassen und auf dem Schulhof herrsche. Als untauglich werten die Eltern die Übergangscontainer, weil sie an der lautesten Stelle auf dem Schulhof direkt an der Straße aufgestellt werden. Ein Konzept für die gesamte Übergangsphase, die nach aktuellen Schätzungen fünf bis sechs Jahre andauern könnte, fehle völlig, beklagen die Eltern.

Auch der sogenannte H-Pavillon ist nach Meinung der Eltern als Übergangsraum für die Schüler ungeeignet, wegen unangenehmer Gerüche und einer möglichen Asbestbelastung. Sanitäre Einrichtungen sind schon jetzt Mangelware für die Gesamtschüler und die Reaktivierung einer völlig veralteten Toilettenanlage hinter dem Spiele-Pavillon bezeichnet Neehuis als „menschenunwürdig“. „Diese Anlage erinnert an Bahnhoftoiletten aus den 60er Jahren“, ärgert sich Neehuis. „Uns als Schulpflegschaft entsteht immer mehr der Eindruck, dass die jetzigen Schülerinnen und Schüler sowie ihr Lehrpersonal in den Überlegungen der Stadt kaum eine Rolle spielen“, formuliert die Elternvertretung in ihrem Brief.

Seit nunmehr vier Jahren gebe es die Gesamtschule und es sei bis heute nicht gelungen, zumindest ein Standortkonzept für die neuen Räume, die Sporthalle und das Campus-Restaurant vorzulegen, so Neehuis. Die jetzigen Schüler hätten ohnehin nichts mehr von den neuen Gebäuden, deshalb sei es so wichtig, dass ein Konzept für einen gelungenen Übergang bis zur Fertigstellung der neuen Gebäude erstellt werde. „Ich bin erstaunt, wie wenig manche Politiker über die Gesamtschule wissen“, ärgert sich Neehuis, denn sie habe noch nie ein so engagiertes Kollegium erlebt, das den Aufbau der Schule als Herausforderung angenommen habe.

An die Politiker gewandt, sprechen die Elternvertreter deshalb in ihrem Brief eine Einladung aus, sich die Schule und auch die Missstände dort vor Ort anzusehen.

Vehreschild: Stadt hat bereits zusätzliches Personal eingestellt

Verärgert zeigte sich Bürgermeister Stephan Vehreschild angesichts dieser Vorwürfe. „Ich bin enttäuscht über den offenen Brief, so geht man nicht miteinander um“, erläutert er gegenüber dem General-Anzeiger. „Wie wichtig uns die Angelegenheit ist, kann man dem Haushalt entnehmen“, eine derart große Position im Etat habe es bisher nicht gegeben. Zudem habe die Stadt bereits zusätzliches Personal eingestellt. „Von Verzögerungen bei der Planung zu sprechen, das halte ich für eine Frechheit“, verweist der Verwaltungschef auf die langen Wege der europäischen Vergabeverordnung. „Wir versuchen schon jetzt, jedes Schlupfloch zu nehmen, um voran zu kommen“, so Vehreschild. Auch die übrigen Vorwürfe will Vehreschild nicht gelten lassen. Fast täglich werde mit der Schulleitung zusammengearbeitet, und es sei ihre Aufgabe, die Informationen an die Eltern weiterzugeben.

Aus dem umstrittenen H-Pavillon, der als Klassenraum genutzt werden soll, gebe es wiederholte Messergebnisse die bestätigten, dass es keine Ausdünstungen gebe. „Der Weg bis zur Vollendung ist ein Weg der Bescheidenheit“, beschreibt Vehreschild die Übergangsphase bis zur Fertigstellung der Gebäude in fünf bis sechs Jahren.

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