"Zaubertrixxer" aus Niederkassel: Diese Zauberer bringen den Filmstars die Tricks bei

"Zaubertrixxer" aus Niederkassel : Diese Zauberer bringen den Filmstars die Tricks bei

Für den Kinofilm "Ich war noch niemals in New York" mit Heike Makatsch und Moritz Bleibtreu haben zwei Zauberer aus Sankt Augustin und Niederkassel den Darstellern magische Tricks beigebracht. Der Film läuft am 17. Oktober in deutschen Kinos an.

"Ich war noch niemals in New York" heißt der neue Streifen von Regisseur Phillip Stölzl, der am Donnerstag, 17. Oktober, in den deutschen Kinos anläuft. Albin Zinnecker (43) und Ingo Brehm (44) waren zwar schon häufig in New York, aber als Coaches in einem Kinofilm haben sie sich zum ersten Mal versucht. Die beiden Zauberer aus Sankt Augustin und Niederkassel waren in dem Streifen für die Illusionen zuständig, die der griechische Bordzauberer Costa, gespielt von Pasquale Aleardi, auf der Bühne eines Kreuzfahrtschiffes zum Besten gibt.

Die Aufgabe: Stölzl wollte, dass alle Zauberszenen im Film echt sein sollten. Das wiederum stellte nicht nur die beiden Zauberer, sondern auch die Schauspieler vor eine große Herausforderung. Dass dennoch "lockeres Palmieren" nicht zu verkrampften Händen führte oder Tricks, die sonst jahrelang einstudiert werden müssen, am Ende vor laufender Kamera gelangen, das war das Verdienst von Zinnecker und Brehm.

Costa zeigt die Tricks im Film gemeinsam mit dem Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski). Fred schwebt, Fred wird zersägt, und Fred erscheint als Freiheitsstatue. Letzteres ist eine Illusion, die Zinnecker und Brehm neu auch in ihrem Bühnenprogramm zeigen. Aber auch die Hauptdarsteller Heike Makatsch und Moritz Bleibtreu verschwinden in einer Kiste vor laufender Kamera spurlos. Um dem Bühnenbildner Fred, in den sich der schwule Costa hoffnungslos verliebt hat, zu imponieren, lernt Schauspieler Aleardi sogar das sogenannte Palmieren. So nennt man die lockeren Hand- und Fingerbewegungen, die von den Tricks ablenken, wenn etwa ein Geldstück verschwindet oder eine Zigarette in den Händen erscheint.

„Es reicht nicht, dass sie vorbeikommen und wir sie coachen“

"Es ist echte Zauberei, die die Kamera in der Komödie einfängt", sagt Zinnecker, und die Sequenzen auf der Zauberbühne des Kreuzfahrtschiffes kommen ohne Schnitte aus. Sie zeigen eins zu eins, was die Schauspieler von den Profis der Zauberkunst gelernt haben.

"Schon beim ersten Besuch der Schauspieler in unserer Halle haben wir gesehen: Es reicht nicht, dass sie vorbeikommen und wir sie coachen. Die brauchen auch Videos", erinnert sich Zinnecker an die Vorbereitungszeit. Die beiden Filmzauberer leben in Wien und Berlin, haben dort geübt und das Ganze aufgenommen. Diese Videos wiederum wurden nach Niederkassel und Sankt Augustin geschickt, und von dort kamen postwendend die Tipps zur Verbesserung der Show der Illusionen.

Viele Requisiten in den Zauberszenen des Films sind aus der Niederkasseler Halle der beiden Zauberer, die sich 2001 entschieden, gemeinsam als die "Zaubertrixxer" auf der Bühne zu stehen. Kennengelernt haben sich die beiden 1995 an der Theke in der Troisdorfer Kneipe "Münchhausen". "Wir waren dort in einer Gruppe, und Ingo begann damit, Zaubertricks zu zeigen", erinnert sich Zinnecker. "Alle hatten bald genug von seiner Show, nur ich nicht." Das "unerklärliche Puzzle", etwas zu sehen, was nicht sein kann, sei es gewesen, was ihn nicht mehr losgelassen habe.

Tricks aus Bonns ältestem Zauberfachgeschäft

Ingo Brehm wurde bereits vorher vom Zaubervirus infiziert. Er fuhr nach dem Abitur nach Tunesien und traf dort auf einen Amateur-Zauberer, der ihm seine Tricks zeigte. "Das hat mich so fasziniert, dass ich die gelben Seiten durchforstet habe, um einen Zauberer zu finden." Es gelang, und wenig später kaufte Brehm erste Tricks in Bonns ältestem Zauberfachgeschäft Kellerhof in Oberkassel. "Ich bekam die Tricks dort noch von Albert Kellerhof persönlich erklärt", erinnert sich Brehm.

Inzwischen sind die beiden viel gebuchte Zauberer. 95 Prozent ihrer Auftritte absolvieren sie für Unternehmen. Brehm ist zudem auch auf Kreuzfahrtschiffen an Bord, um zu zaubern. Deutscher Meister waren sie bereits 2014. Beide hätten nichts dagegen, auch den Weltmeistertitel zu erringen. Für die Zukunft könnten sie sich noch ungewöhnlichere und größere Shows vorstellen, und der absolute Traum wäre ein eigenes Zaubertheater in der Region - vielleicht sogar in Sankt Augustin. "Dahin kämen dann alle, die wirklich Lust haben, sich unsere Show anzusehen", schwärmen Zinnecker und Brehm von ihren Zukunftsvisionen.

Schon jetzt könnten sie durchaus von ihrer Zauberkunst leben. Beide üben jedoch noch einen Beruf aus. Zinnecker ist Abteilungsleiter bei der Rheinenergie, und Brehm ist Landesbeamter.

Warum sie dennoch zaubern: Es ist die Vielfalt ungewöhnlicher Erlebnisse, die Begegnung mit besonderen Menschen und die Kreativität des Schaffens, die beide an der Magie und der perfekten Illusion fasziniert - das lässt die "Zaubertrixxer" nicht mehr los.

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