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Der letzte Jahrgang geht: Die Hauptschule in Lülsdorf schließt für immer

Der letzte Jahrgang geht : Die Hauptschule in Lülsdorf schließt für immer

In Lülsdorf endet einer Ära: Am Montag gingen die Lichter in der Hauptschule in Lülsdorf aus. Die letzten 17 Schülerinnen und Schüler nahmen ihre Abschlusszeugnisse entgegen.

Vor 50 Jahren wurde sie als moderne Errungenschaft gefeiert, am Montag gingen die Lichter in der Hauptschule in Lülsdorf aus. Die letzten 17 Schülerinnen und Schüler nahmen ihre Abschlusszeugnisse entgegen – unter Corona-Hygienebedingungen wurden sie den Sechzehn- bis Achtzehnjährigen im Schulgarten überreicht. „Feierlich, aber ohne Eltern“, berichtet Michael Huben, der die Entwicklung der Schule über viele Jahre begleitete. Seit 2009 war er Konrektor, seit 2016 Schulleiter. „Es ist ein komisches Gefühl, die Tür der Hauptschule zum letzten Mal zu schließen“, bekennt er.

Wenn es um die Geschichte der Hauptschule geht, ist Walter Esser ein guter Ansprechpartner. Der langjährige ehren- und später hauptamtliche Bürgermeister und CDU-Kommunalpolitiker war lange Konrektor. Er erinnert daran, dass es in den Gemeinden Lülsdorf und Ranzel in den 60er Jahren katholische Volksschulen gab. Doch wollten auch Eltern anderer Konfessionen eine Schule für ihre Kinder. So beschloss der Rat der Gemeinde Lülsdorf um Bürgermeister Helmut Loos den Bau einer sogenannten Mittelpunktschule zwischen Lülsdorf und Ranzel. Loos, der Jahre zuvor auch die Gründung der Spielvereinigung Lülsdorf-Ranzel initiiert hatte, wollte auf diese Weise die Gemeinden verbinden.

Noch während des Baus beschloss die Landesregierung das Ende der Volksschulen – und so wurde aus der Mittelpunktschule eine Gemeinschaftshauptschule. Erster Schulleiter bis 1974 war der Bürgermeister selbst. Ihm folgte bis 1999 Georg Kölzer, Esser war sein Konrektor. „Kölzer war ein hervorragender Schulleiter“, erinnert dieser sich. „Wir waren ein gutes Gespann. Ich war für die Übeltäter zuständig und er konnte dann ‚Papa Gnädig‘ spielen.“ Schon damals habe man sich um Integration bemüht, so Esser. In den 80er Jahren etwa trafen Kinder von Aus- und Übersiedlern auf solche aus muslimischen Familien.

Absolventen der Gemeinschaftshauptschule wurden Verwaltungsangestellte im Rathaus bis zu Fachbereichsleitern, und auch ein ehemaliger Evonik-Personalchef hatte die Hauptschulbank gedrückt, berichtet Esser. Ein anderer machte später den Betriebswirt und leitete als Ingenieur in Italien eine Firma. Die Einrichtung sei damals die Haupt-Schule des Volkes gewesen, rund 75 Prozent eines Jahrgangs besuchten sie. Dann aber kam Mitte der 70er Jahre der Slogan „Schick dein Kind auf bessere Schulen“ auf. Es sollte der Beginn eines Prozesses sein, der dafür sorgte, dass die Hauptschule immer mehr Schüler an andere weiterführende Schulen verlor. Hatte die Niederkasseler Hauptschule in den 70er Jahren noch 30 bis 40 Lehrer für 550 bis 600 Schüler in bis zu 24 Klassen, waren es unter Schulleiter Michael Liß im Jahr 2012 noch 350 Schüler in 16 Klassen. Immer mehr Eltern schickten ihre Kinder zur Gesamtschule. 2013 beschloss der Stadtrat, die Hauptschule auslaufen zu lassen.

Huben übernahm 2016 die Schulleitung von Liß. Immer weniger Lehrer wurden in der Hauptschule, immer mehr in der Gesamt­schule benötigt. Wechselwünsche von Pädagogen seien erfüllt worden, so Huben. Zuletzt waren drei Lehrerinnen für die Hauptschule Lülsdorf tätig, die nach der Entlassung der Zehnerklasse in den Ruhestand gehen. „Viele wären gerne an der Schule alt geworden“, berichtet Huben. „Wir hatten hier stets ein gutes Klima, die Schüler waren zufrieden.“

So endet nun auch in Lülsdorf eine Ära. Von einst 25 Hauptschulen im Rhein-Sieg-Kreis sind damit noch vier übrig: in Troisdorf, Niederpleis, Meckenheim und Wachtberg. „Die Hauptschule war nicht mehr gewollt“, stellt Huben nüchtern fest. Er selbst ist künftig in der Gesamtschule als Abteilungsleiter II im Schulleitungsteam tätig.