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Neue Rheinquerung in Niederkassel: Bürgerinitiativen fordern weitere Gutachten

Neue Rheinquerung in Niederkassel : Bürgerinitiativen fordern weitere Gutachten

Bürgerintiativen üben Kritik am bisherigen Vorgehen für die Vorbereitung einer neuen Rheinquerung und fordern weitere Gutachten, bevor eine Variante ausgewählt werden kann.

Zum anstehenden Prozess der Variantenauswahl zur neuen Rheinquerung hat sich die Bürgerinitiative Niederkassel gemeinsam mit dem Bürgerverein Urfeld und der Interessenvertretung Waldsiedlung positioniert. In einem Schreiben an den Niederlassungsleiter der Autobahn GmbH des Bundes Willi Kolks gibt es bei den Bürgerinitiativen Klärungsbedarf zu den vorliegenden Gutachten wie dem Verkehrswegeplan, dem Verkehrsgutachten und der faunistischen Planungsraumanalyse.

So sind die Bürgerinitiativen der Meinung, dass die im Verkehrswegeplan angenommene nördliche Variante derzeit nicht mehr weiterverfolgt werde. Die Belastungen durch eine zusätzliche Brücke an anderer Stelle stehe jedoch ihrer Meinung nach nicht im Verhältnis zum Nutzen der Brücke, so die Bürgerinitiativen. Kritik gibt es auch am Verkehrsgutachten als Grundlage zur Bewertung der Varianten. Ihrer Meinung nach sei die Sperrung der Leverkusener Brücke für den Schwerlastverkehr ebenso wie Erweiterungsmaßnahmen an der A3 und am Kölner Ring sowie an der Bonner Nordbrücke Ursachen für die aktuellen Verkehrsprobleme.

Das Verkehrsgutachten bilde das langfristige Verkehrsaufkommen daher nicht ab und sei somit als Grundlage für den Variantenvergleich abzulehnen, so die Bürgerinitiativen. Bezüglich der Planungsraumanalyse fordern die Gruppen ähnlich wie beim Verkehrswegeplan weitere Untersuchungen zu den südlich hinzugekommenen Varianten. Was ihnen ebenfalls fehlt, sind Untersuchungen im rechtsrheinischen FFH-Gebiet in Niederkassel. Dieses habe einen überregionalen ornithologischen Stellenwert, heißt es in dem Schreiben an den Projektleiter. Zudem sei es Überwinterungsgebiet für die aus dem Norden einfliegenden Schellenten.

Die kombinierte Rheinquerung von Straße und Schiene fehlt den Bürgerinitiativen ebenfalls. Angesichts dieser Mängel wollen die Bürger eine entsprechende Aufarbeitung und Vorstellung in einem weiteren Dialogforum bevor mögliche Varianten an das Bundesverkehrsministerium gemeldet werden. Eine Bewertung ausgewählter Varianten ist für Juli oder August geplant und im November sollen nach derzeitigen Planungen die Ergebnisse dieses Prozesses vorliegen, die dann wiederum zur Entscheidung für eine der Varianten führen.

Für die Bürgerinitiativen fehlen zu dieser Entscheidungsfindung wichtige Zahlen. Sollten diese zusätzlichen Untersuchungen nicht gemacht werden, würden sie sich für eine Nulllösung und damit gegen eine Rheinquerung aussprechen, heißt es in dem Schreiben weiter.

Auch der Ortsverband der FDP Niederkassel äußerte sich in einer Stellungnahme: „Bei den diskutierten Varianten wünscht sich die FDP eine Verkehrsführung, die die Niederkasseler Ortsteile nicht durchtrennt.“ Fraktionsvorsitzende Anette Wickel dazu: „Wir setzen uns für ein lebens- und liebenswertes Niederkassel ein, dazu brauchen wir auch Straßen und Brücken. Wir werden die weitere Planung konstruktiv begleiten und dabei die berechtigten Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger, unserer Wirtschaft und auch der Umwelt vertreten.“