Classic Cars & Caravans: Angélique klimpert mit den Wimpern

Classic Cars & Caravans : Angélique klimpert mit den Wimpern

Pünktlich zur Eröffnung der zehnten Classic Cars & Caravans (CCC) waren die letzten Regentropfen weggewischt, und der polierte Lack der Oldtimer spiegelte sich in der Sonne.

Mit einem Mercedes Pagode aus den 60er Jahren fuhr Vizebürgermeisterin Beate Bayer-Helms auf den Marktplatz im Niederkasseler Zentrum standesgemäß ein, um das Event, das von den Niederkasseler Oldtimerfreunden und der Werbegemeinschaft organisiert worden war, zu eröffnen. Dabei wurde es gleich spektakulär, denn den Geburtstagskuchen, den Silvia Hübner gebacken hatte, hatten die Oldtimerfreunde so hoch drapiert, dass die Vizebürgermeisterin von Harald Schenk auf den Schultern in die Höhe gehievt werden musste. Den Spaß ließ Bayer-Helms bravourös über sich ergehen und schnitt in beachtlicher Höhe das erste Stück aus dem Kuchen. Und abends gehörte die Bühne Markus Maria Profitlich und den Räubern.

Es gab einiges zu entdecken für die vielen Oldtimer-Fans, die sich am Wochenende zwischen den Schätzchen hindurchschlängelten. Zu den ältesten Modellen zählte der Ford Modell A, der 1928 gebaut wurde und direkter Nachfolger der legendären Tin Lizzy (Modell T) war. Jochen Herchenbach besitzt dieses Auto seit zwei Jahren. Die Karosserie ist von 1930 und der 5,7 Liter-Motor stammt aus den 60er Jahren.

Nur unwesentlich jünger ist der Ford Eifel, den Christian Beien (70) zeigte. Stolz verwies er auf das Emblem, welches darauf hinweist, dass dieser Ford in Deutschland gebaut wurde. "Nur dann durften unter Hitler die Autos auf öffentlichem Raum fahren", berichtete er. Per Zufall habe er das seltene Exemplar bei einem anderen Ford Club gefunden. Beien hat aktuell 14 Oldtimer in seiner Ranzeler Halle stehen und in alle viel Herzblut und noch mehr Arbeit gesteckt.

"Ich liebe alte Autos, die für mich eine Seele haben", nannte er den Grund für das nicht gerade kostengünstige Hobby. Beien geriet geradezu ins Schwärmen, als er über die Stilsicherheit der damaligen Designer sprach. "Der eigentliche Konstrukteur heute ist die Physik", so Beien, da bleibe für Design nur noch wenig Raum. Ein weiteres Glanzstück in seiner Sammlung ist das Feuerwehrauto von 1957. Sein Sohn habe den "Plattschnauzer" mit Frontlenkung in Brüssel entdeckt. Mit einem Schwertransporter habe er das einzige noch in Europa verbliebene Exemplar nach Niederkassel transportiert.

Dass Citroen seinerzeit mit dem Vorkriegsmodell Traction Avant, das den Ruf der "Gangsterlimousine" bis heute vor sich her trägt, weit voraus war, zeigt sich auch daran, dass dieses Auto bis 1954 produziert wurde. Erst 1955 wurde es durch den Citroen DS mit Hydropneumatik abgelöst, erzählte Rolf Trost aus Sankt Augustin, mit drei Franzosen vor Ort. Das Vorkriegsmodell habe schon hydraulische Bremsen und Frontantrieb gehabt, und das sei sehr ungewöhnlich gewesen.

Etwas für Liebhaberinnen wie Tanja Trost ist die "Ente". Das Model 2CV hat sie mit Wimpern zu Angélique gemacht, als Reminiszenz an ihre verstorbene Mutter Angelika, die mit ihr in einer Ente einparken übte, um sie auf die Führerscheinprüfung vorzubereiten. Absolutes Camper-Feeling verbreiteten die Qek-Junior-Fans, die gleichzeitig auch alte Opel fahren. "Klein, rund, leicht und aus Kunststoff" standen die Knutschkugeln aus der DDR auf dem Rathausplatz und zeigten eindrucksvoll, wie auf wenig Raum mit wenig Gewicht das Camperherz höher schlagen kann.