Broicher Hof in Niederkassel

Landwirte wollen Insekten und Wildtiere schützen

Peter Capellmann (von links), Jürgen Lowis und Georg Capellmann im Blühstreifen, der mitten im Zuckerrübenfeld liegt.

Peter Capellmann (von links), Jürgen Lowis und Georg Capellmann im Blühstreifen, der mitten im Zuckerrübenfeld liegt.

Niederkassel. Die Betreiber des Niederkasseler Broicher Hofs gehen bei der Anlage ihrer Blühstreifen neue Wege. Um den dort lebenden Insekten, aber auch den anderen Wildtieren eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, werden die Flächen „versteckt“.

Landwirt Georg Capellmann bearbeitet gemeinsam mit Vater Peter eine landwirtschaftliche Fläche von rund 280 Hektar. „Wir wissen um die Wichtigkeit einer intakten Umwelt. Sie ist Garant dafür, dass wir auch in Zukunft Landwirtschaft betreiben können“, sagte Georg Capellmann. Der studierte Landwirt hat allerdings ein Ärgernis bei seinen Bemühungen erkannt, Tieren wie Insekten, Hasen, Kaninchen und Rebhühnern einen Rückzugs- und Nahrungsraum zu verschaffen.

„Seit vier Jahren legen wir nun schon die Blühstreifen am Rande unserer Felder an. Doch die Zeiten, in denen die Blühpflanzen gut sichtbar und zur Freude von Spaziergängern und Fahrradfahrern am Wegesrand standen, sind vorbei. Denn viele Mitbürger finden die Blühstreifen so schön, dass sie sich hier ihren Blumenstrauß für zu Hause pflücken“, so Peter Capellmann. Gerade die Sonnenblumen in den Streifen hätten es ihnen angetan. „Da werden dann Pfade in die Streifen getrampelt, und auch die Hundehalter lassen ihre Vierbeiner dort gerne laufen.“

Das wiederum ist nicht nur ärgerlich für die Landwirte, sondern könnte auch negative Konsequenzen nach sich ziehen, da das Anlegen und Pflegen der Blühstreifen von der Europäischen Union gefördert und bezahlt wird. „Da wir Fördermittel der EU je Quadratmeter bekommen, müssen wir diese auch nachweisen können. Ist der Blühstreifen durch Trampelpfade kleiner, kann das harte Konsequenzen für den Landwirt haben, denn man gerät schnell in den Verdacht des Subventionsbetrugs“, so Georg Capellmann.

Die Landwirte haben es zu oft erlebt, dass man ihre Blühstreifen durch Gedankenlosigkeit zertrampelt oder gar als Hundeklo missbraucht. Da so auch die schützenswerten Tiere ihren Lebensraum verlieren, suchten die Capellmanns nach einer Lösung. „Wir legen die Blühstreifen nun in der Mitte der Felder an.“ So wie in Köln-Kalk. Auf einem 19 Hektar großen Zuckerrübenfeld wurde nun in der Mitte ein 0,3 Hektar großer Blühstreifen mit einer besonderen Blühmischung gesät. „Wir hoffen, so eine Hemmschwelle für diejenigen aufgebaut zu haben, die nicht durch ein Feld laufen und sich schmutzig machen wollen, nur um einige Blumen zu pflücken. Ob das funktioniert, wird sich zeigen“, so Georg Capellmann.

In Zukunft werden die Landwirte, die jetzt schon 25 Blühstreifen auf 42.000 Quadratmetern angelegt haben, diese auf 110.000 Quadratmeter vergrößern. Dafür werden alle Stilllegungs- und Greeningflächen benutzt, um sich auch unabhängiger von bürokratischen Vorgaben zu machen. Capellmann: „Für unsere Aufzeichnungspflichten müssen wir pro Woche sechs Arbeitsstunden einrechnen. Aber wir sind vom Erfolg unserer Arbeit überzeugt und hoffen, dass viele weitere Landwirte unserem Beispiel zum Schutz von Insekten und Wildtieren folgen werden.“