Graue Burg in Sechtem: Neuer Besitzer restauriert die Burg für 1,3 Millionen Euro

Graue Burg in Sechtem : Neuer Besitzer restauriert die Burg für 1,3 Millionen Euro

Die Graue Burg in Sechtem wirkt seit jeher ein wenig wie ein verwunschenes Schloss. Hinter Sträuchern und Bäumen steht sie, vor neugierigen Blicken geschützt, etwas versetzt zur angrenzenden Schweppenburgstraße, und sie dämmert dort scheinbar in einem Dornröschenschlaf.

So kennen die Sechtemer "ihre" Burg. Und von außen ist auf den ersten Blick kaum eine Veränderung zu erkennen. Einzig die moderne Klingelanlage am gusseisernen Eingangstor liefert ein erstes Indiz dafür, dass dort viel passiert ist.

Hinter dem Tor führt eine Brücke über den Wassergraben. Dahinter erstreckt sich ein kurzer Weg über Kieselsteine, hin zur eigentlichen Eingangspforte des Gebäudes. Der neue Besitzer der Burg, Manfred Mußmann, will mit seinen Mietern eine Art Wohngemeinschaft bilden, die aus mehreren Generationen besteht. Vier der fünf Wohnungen sind bereits bezogen, im Herbst kommt eine Familie mit Kindern hinzu.

"Ich habe generell ein Interesse an alten Häusern. Außerdem sollte es ein großes Haus sein, damit eben die Idee der Wohngemeinschaft realisiert werden kann. Als dieses Objekt angeboten wurde, war ich interessiert, weil hier das Haus, aber auch die Umgebung stimmen."

Manfred Mußmann, 66 Jahre, war bis 2010 als Unternehmer tätig. Unter anderem hatte er sich auf die Restauration alter Gebäude spezialisiert. Mit dem Erlös aus dem Verkauf seines Unternehmens finanzierte er den Kauf der Burg aus dem 18. Jahrhundert und die nötigen Restaurierungsmaßnahmen. Im Oktober 2011 startete die Sanierung, Ende des Jahres soll sie abgeschlossen sein. "In den oberen Etagen wurden neue Böden verlegt, die zwei vorhandenen Badezimmer abgerissen und pro Wohnung ein neues eingerichtet. Außerdem haben wir die Lehmwände und Decken neu verputzt und mit Kalkfarbe gestrichen", zählt der Liebhaber alter Bauten auf. "Die Kalkfarbe sorgt für ein hervorragendes Raumklima. Ich habe selbst geholfen, die Wände zu streichen."

Schließlich hat Mußmann noch die veraltete Ölheizung durch eine moderne Gasheizung ersetzen lassen. Für alle Arbeiten, die er nicht selbst oder in Zusammenarbeit mit seinen Mietern meistern konnte, engagierte er Profis. Der 66-Jährige hat sich dafür entschieden, nur ortsansässige Firmen zu beauftragen. "Die sind schnell da, wenn mal etwas repariert werden muss, und wurden mir außerdem empfohlen."

Die größte Herausforderung war, die geplanten Modernisierungen mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen. So durften von 60 Fenstern nur 15 ersetzt werden. Die übrigen mussten aufwendig restauriert werden, was Kosten von rund 6000 Euro pro Fenster verursacht hätte. Um an dieser Stelle zu sparen, ließ der Bauherr die Fenster nur einfach verglasen und von innen mit Plastikscheiben verstärken, um den Wärmeverlust trotzdem gering zu halten. Außerdem sollte das Dachgeschoss ausgebaut werden. "Das wären noch einmal 180 Quadratmeter Wohnfläche gewesen", so der Burgbesitzer.

Doch die Denkmalschützer hatten auch hier Einwände, so das Mußmann darauf verzichten musste. "Die Untere Denkmalschutzbehörde hat uns gut unterstützt, doch von der Oberen Denkmalschutzbehörde in Brauweiler kamen leider viele Forderungen, aber wenig Hilfe. Man kann hier nicht direkt von einer Kooperation sprechen."

Insgesamt musste er rund 1,3 Millionen Euro für den Kauf und die Restauration aufbringen. Trotzdem bereut er nicht, das Großprojekt Graue Burg übernommen zu haben. "Ich habe Erfahrung auf dem Gebiet Restauration. Für mich war das hier nie ein Problem. Ich konnte meinen finanziellen Rahmen einhalten."

Als nächstes stehen allerlei Aufgaben im Außenbereich an. So soll die Fassade ausgebessert und gestrichen werden. Ebenso wird der Wassergraben gereinigt und von Algen und Unrat befreit, so dass aus dem stehenden Tümpel wieder ein fließendes Gewässer wird. In Zukunft könnte es auch kulturelle Veranstaltungen im Burggarten wie Konzerte oder Ausstellungen geben, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Dass bis dahin noch die eine oder andere Probe für die Burgbewohner anstehen könnte, macht dem Burgherrn keine Sorgen: "Ich befasse mich mit Problemen, wenn sie auftauchen."