Lesung an der Hochschule: „Mein Lächeln ist kostenlos“

Lesung an der Hochschule : „Mein Lächeln ist kostenlos“

Zu Gast auf dem Sofa war Ulrich Schnabel und sensibilisierte für emotionale Manipulation.

Kann mein Gegenüber meine Gefühle tatsächlich beeinflussen? Wie kann ich mich vor emotionaler Manipulation durch Werbung schützen? Wie schaffe ich es, zu meinem Chef auch mal 'Nein' zu sagen? Diese und weitere Fragen beantwortete Ulrich Schnabel am Donnerstagabend bei der Lesung „Zu Gast auf dem Sofa“ in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Mit seinem aktuellen Buch „Was kostet ein Lächeln?“ über die Macht von Emotionen nahm der Wissenschaftsredakteur bereits zum dritten Mal als Gast Platz auf dem Sofa. Aufgrund der großen Nachfrage wurde die Veranstaltung von der Hochschulbibliothek in das Audimax verlegt. „Mein Lächeln bekommen Sie heute kostenlos,“ begrüßte Schnabel sein Publikum. „Und ich sehe, ich bekomme viel Lächeln von Ihnen zurück.“ Mit diesen Worten spielte er auf das Konzept der Emotionalen Ansteckung an, das neben der grundlegenden Rolle von Gefühlen und der Gefühlsarbeit moderner Unternehmen einer von drei Programmpunkten des Abends war. „Ohne Einbeziehung der Emotionen kann der Verstand nicht richtig arbeiten,“ lautete die These, auf der Schnabel seine Ausführungen aufbaute.

Der Abend setzte sich zusammen aus emotionalen Fallbeispielen, persönlichen Anekdoten und wissenschaftlichen Fakten. Vorgetragen mit Humor und einem sympathischen Lächeln erreichten naturwissenschaftliche Analysen auch die letzte Bank in dem nahezu voll besetzten Hörsaal. So lernten die Besucher, dass Kinder, die zu wenig menschliche Zuwendung erfahren, nicht nur geistig und sozial sondern auch körperlich unterentwickelt bleiben. Oder dass die Ansteckung von Gefühlen eine erwiesene Tatsache ist, die auf die menschliche Fähigkeit zurückgeht, subtilste körperliche Zeichen zu lesen und unterbewusst zu verarbeiten. „Schauen Sie sich die Menschen gut an, mit denen Sie viel Zeit verbringen,“ riet der Autor seinen Zuhörern. „Unter Umständen übernehmen Sie mehr von ihnen, als Sie denken.“

Es gibt jedoch Mittel, sich vor der emotionalen Manipulation in der Gesellschaft zu schützen: Sich die eigene Agenda bewusst machen; aktiv werden zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder beim Musizieren; einen Resonanzraum schaffen, ob im Gespräch, im Chor oder in der Natur; und eine gute Portion Humor. Diese Werkzeuge zum Ausrichten des inneren Kompass gab Schnabel seinem Publikum mit auf den Weg.

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