Wolf in Eitorf: Biobauer Simon Darscheid wehrt sich

Eitorfer Biobauer wehrt sich : Verdacht auf gesichteten Wolf erregt die Gemüter

Biobauer Simon Darscheid aus Hennef fordert ein Herdenschutz-Kompetenz-Zentrum, in dem alle Informationen zu geeigneten Abwehrmaßnahmen gegen Wölfe gebündelt werden. Vom Nabu Rhein-Sieg erhielt er ein "Notfall-Set" in Form eines 1,20 Meter hohen Weidezauns.

Die mutmaßliche Sichtung eines Wolfs in Eitorf-Obereip am vergangenen Freitag polarisiert. Die einen wollen ihn schützen, die anderen wollen ihn gemäß dem aktuellen Kabinettsbeschluss abschießen. Besondere Aufmerksamkeit erregte in den sozialen Medien Anfang der Woche ein Video, das vermutlich einen Wolf zeigt, der ein Reh reißt. Ein Bauer hatte dieses aufgenommen, wobei zu erkennen ist, dass er das Tier hupend ein Stück verfolgt. "Wie ich gehört habe, droht dem Bauern nun eine Anzeige, weil man Wildtiere nicht stören darf", erzählt Simon Darscheid.

Der Biolandwirt aus Hennef-Söven hatte sich wegen eines Fernsehauftritts vor wenigen Tagen den Hass vieler Tierschützer zugezogen. "Dabei habe ich überhaupt nichts gegen den Wolf", stellt er klar. Stattdessen prangert er an, dass der Wolf zwar seit fast 20 Jahren wieder in Deutschland ansässig ist, aber es bis heute kein Herdenschutz-Kompetenz-Zentrum gibt, in dem alle Informationen zu geeigneten Abwehrmaßnahmen gebündelt werden.

"Ich will keinen Abschuss, sondern eine vernünftige Lösung für uns", sagt er mit Blick auf die aus seiner Sicht schlechte Informationspolitik. Jedes Bundesland wurschtele so vor sich, aber konkrete Lösungen gebe es nicht, ärgert sich Darscheid, der nach dem Tod seines Vaters vor anderthalb Jahren seinen Beruf als Dachdecker an den Nagel hängte und den elterlichen Hof übernahm. Die Eltern hatten ihr Leben lang ostfriesische Milchschafe gezüchtet und waren dafür mehrfach ausgezeichnet worden – ein Ziel, das auch Darscheid verfolgt.

"Notfall-Set" ist ein 1,20 Meter hoher Weidezaun

Vom Naturschutzbund (Nabu) Rhein-Sieg erhielt der Besitzer von 50 Mutterschafen, 80 Lämmern, zwei Ponys und 150 Hühnern ein "Notfall-Set" in Form eines 1,20 Meter hohen flexiblen Weidetierzauns, um seine Tiere vor Wölfen zu schützen. "Auch 90 Zentimeter reichen für einen Grundschutz schon aus", sagt Darscheid, der aber gleichzeitig noch andere Maßnahmen ergriffen hat. So erhöhte er etwa sein Ausgangsgatter am Stall mit einem Holzaufbau und versah es, ebenso wie die Zäune, mit blau-weißen Flatterbändern.

„Die sollen den Wolf wohl abschrecken“, sagt er und hofft, dass dieses Gerücht auch stimmt. Zudem holt er seine Tiere bereits seit Monaten nachts an den Hof, derzeit kommen sie sogar in den Stall. Bereits im März legte er einen Sachkundenachweis für die Haltung von Herdenschutzhunden ab, da damit zu rechnen gewesen sei, dass der Wolf vom Oberbergischen in den Rhein-Sieg-Kreis komme, wie er sagt. Tatsächlich gab es schon eine Woche vor Veröffentlichung des Fotos eine gemeldete Wolfssichtung in Uckerath, wie er von der Polizei erfuhr.

Besonders ärgern den Biobauern die lange Auswertungszeit der DNA-Proben, die jetzt an dem toten Rehbock genommen wurden, und die Regelung, dass der Wolf erst ein halbes Jahr lang irgendwo nachgewiesen werden muss, bevor das Areal zum Wolfsgebiet wird. "Bis dahin hat er gelernt, wie man Weidetiere reißt", meint Darscheid.

Weidetierhalter sind gut vernetzt

Bis zu 30.000 Euro an Fördermitteln können Weidetierhalter für das Material von Weidezäunen im Wolfsgebiet erhalten. Geld gibt es auch für die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Drei Kilometer Zäune muss Darscheid nun ertüchtigen und grabungssicher machen. Dabei macht er sich auch Sorgen um die Wildtiere, die auf seinen rund 19 Hektar Land, zu dem auch ein Wald und Streuobstwiesen gehören, leben.

"Ein Schaf verteilt pro Jahr bis zu 25.000 Samen und ist damit auch wichtig für die Artenvielfalt", sagt der Biobauer, dem Umwelt- und Tierschutz wichtig sind. Agrarsubventionen wie die großen Betriebe erhält er keine. In Bezug auf die Bedrohung durch den Wolf tröstet er sich damit, dass die Weidetierhalter gut vernetzt sind und sich gegenseitig mit Informationen versorgen. Auch mit den Nabu-Wolfsbotschaftern steht er in gutem Kontakt.