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Rhein-Sieg-Kreis: Viele kommen in der Corona-Krise auf den Hund

Hundesport im Rhein-Sieg-Kreis : In der Corona-Krise haben die Menschen mehr Zeit für den Hund

Die Krisenzeit hat einiges zum Verhältnis von Haustier und Mensch beigetragen. Hundebesitzer aus dem Rhein-Sieg-Kreis berichten, dass die Bindung zu ihrem vierbeinigen Familienmitglied in Corona-Zeiten enger wurde.

Anfang März war die Welt zumindest in Deutschland noch in Ordnung. Kino, Fußball, Konzerte, Theater waren möglich. Mit Freunden essen gehen oder in der Kneipe an der Theke stehen – man hatte die Qual der Wahl. Dann begannen die Einschränkungen. Die Corona-Pandemie hatte von Europa Besitz ergriffen. Jetzt war Improvisation vor allem im Freizeitverhalten notwendig. Und so kam es, dass der Hund in der Familie aufgenommen wurde.

So war es beispielsweise auch bei Sandra Dölling, die sich gemeinsam mit ihrem Mann bereits zum Jahreswechsel für einen Hund entschieden hatte. Ein Labradoodle sollte es sein, den man nach Ostern, also Mitte April beim Züchter abholen wollte. Aus den Plänen wurde nichts. Es sollte früher werden. Bereits Mitte März, drei Tage vor dem Lockdown, wurde der kleine Flummi, so heißt der Hund, im zarten Alter von acht Wochen in das neue Heim übernommen.

„Erst dachten wir, er sei noch zu klein, zu früh der Mutter entrissen, und wir werden viel Arbeit mit ihm haben. Jedoch war es das Beste, was uns passieren konnte. Ich war Tag und Nacht für den kleinen Kerl da, konnte mit ihm schon viele Grundregeln üben und habe ihn innerhalb von drei Wochen stubenrein bekommen. Für die Bindung und die Erziehung des Hundes, kam uns Covid 19 und die gesamte Situation genau richtig. Für uns war es eine intensive gemeinsame Zeit, die ich nicht missen möchte, gerade auch wenn man sieht wie so ein kleines Tier aufwächst. Wir sind froh, dass wir Flummi in dieser schwierigen Zeit bekommen haben. Er hat uns viel abgelenkt und uns in dieser Krise auch zum Lachen gebracht“, erzählt die Hundebesitzerin.

Ohne Corona wäre die Bindung wohl nicht so eng geworden, bestätigt auch der Hundetrainer in der Hundeschule. „Während des strengen Corona-Lockdowns gingen die Anfragen nach Übungsstunden deutlich zurück, doch wurden wir sehr oft online um Hilfe gebeten.

Und mittlerweile sind die Anfänger- und Welpenkurse deutlich voller als durchschnittlich. Das mag tatsächlich mit der Corona-Situation in Zusammenhang gebracht werden können“, so Hundetrainer Dirk Biller von der Hundeschule Stadtfelle in Troisdorf.

Der Hund als Freizeitgestaltung. Diese Idee ist nicht ganz neu, fand jetzt aber wieder neue Freunde. Das bestätigt auch der Tierschutz. „Wir hatten mit einer Welle von Hundeabgaben gerechnet, doch dann passierte das Gegenteil“,  weiß Antje Firmenich vom Tierschutz Siebengebirge. „Die Leute bombardierten uns mit Anfragen, weil sie auf einmal Zeit hatten. Wir zählten rund 50 Prozent mehr Anfragen als üblich, waren bei der Vermittlung aber umso strenger, weil wir aufpassen mussten, dass die Tiere nicht nach wenigen Wochen wieder zurückgebracht wurden.“

Der Mensch schafft sich eine Aufgabe, die er für sich und seinen neuen treuen Begleiter zu erledigen hat. Genauso sieht es Irmgard Bracker, die ebenfalls viel früher als erwartet, auf den Hund kam. „Wir haben unseren Keno am 15. März abgeholt. Dabei mussten wir auch schon Mundschutz tragen und uns in Kontaktlisten eintragen“, erinnert sie sich. „Wegen meiner Kurzarbeit konnte ich mich intensiv um unseren neuen Hausbewohner kümmern. Das wäre sonst so gar nicht möglich gewesen“. Der Riesenschnauzer dankt es ihr und freut sich über die täglichen ausgedehnten Spaziergänge und Übungseinheiten in der ungewohnten Mehrfreizeit seines Frauchens.

Aber nicht nur das. „Er bringt viel Freude in unser Leben und sorgt für Abwechslung. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass uns die Decke auf den Kopf fällt“, ergänzt Bracker. Dazu eine Züchterin aus Niederkassel: „Wir haben tatsächlich im Augenblick einen Welpenboom. Die Menschen sind im Homeoffice, vielleicht sogar einsam. Der Auslandsurlaub entfällt und die Grenzen sind geschlossen, sodass weniger Hunde aus dem Osten nach Deutschland transportiert werden. Wir können die Nachfrage nicht befriedigen. Es ist gut vorstellbar, dass dies alles mit Corona zu tun hat“.

So ersetzt der Hund in vielen Fällen Kino, Theater, Fußball, Konzerte, Gaststätte und Kneipe gleichzeitig – ein Tausendsassa und nicht umsonst der beste Freund des Menschen.