Waschmittelhersteller Thurn will weitere Hallen in Neunkirchen bauen: Protest gegen Erweiterung

Waschmittelhersteller Thurn will weitere Hallen in Neunkirchen bauen : Protest gegen Erweiterung

Sie fürchten Lärm, Schadstoffe, Gestank und haben ihren Unmut darüber am Dienstagabend deutlich zum Ausdruck gebracht: Mehr als hundert Bürger haben vor und während der Sitzung des Planungsausschusses Neunkirchen-Seelscheid gegen die Erweiterung der Produktionsanlagen des Waschmittelherstellers Thurn demonstriert.

Dabei waren so viele Menschen gekommen, dass sie sich nicht nur im Ratssaal, sondern auch im Flur davor drängten. Mitgebracht hatten sie große Plakate mit Aufschriften wie "Wo Steuerprognosen mehr zählen als Wohnqualität" oder "Wie steigert man die Attraktivität des Orts - mit Hallen, Lärm und Gestank?" - und eine Liste mit mehr als 1000 Unterschriften gegen das Projekt, die sie Bürgermeisterin Nicole Sander überreichten.

Der Waschmittelhersteller Thurn möchte seine Produktion von Much in das Gewerbegebiet Neunkirchen-Süd am Ortseingang von Neunkirchen verlagern. Seit 2013 hat das Unternehmen dort seinen Hauptsitz, 2010 hatte die Firma bereits die Pulverkonfektion von Much dorthin verlegt.

Laut Geschäftsführer Jens Christian Saalfeld, der ebenfalls in der Sitzung war, gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen lebe die Familie Thurn in der Gemeinde und wolle deshalb dort auch ihren Unternehmensmittelpunkt haben.

Zum anderen sei der Standort in Much von der Grundstücksgröße nicht für eine Erweiterung geeignet. "Außerdem liegt er im heutigen Wasserschutzgebiet", sagte Saalfeld. In Neunkirchen sei die Erweiterung hingegen möglich.

Änderungen am Bebauungsplan sind nötig

Dafür sind aber auch in Neunkirchen Änderungen am Bebauungsplan 2 N nötig, der das Gewerbegebiet Neunkirchen-Süd umfasst. Angepasst werden müssen etwa die Immissionskontingente sowie die festgesetzten Baugrenzen, Höhen der Anlagen und Verkehrsflächen.

Das höchste Gebäude soll ein Pulverturm mit 25 Metern Höhe werden, für die weiteren Hallen sind maximal 15 bis 20 Meter möglich. Über diese Änderungen hatte der Planungsausschuss bereits im Juni diskutiert, von Mitte Juli bis Mitte August folgte die Offenlage.

Dabei waren bereits zahlreiche Stellungnahmen von Bürgern eingegangen. In einer Fragestunde, die die Sitzung am Dienstag unterbrach, machten sie ihre Meinung erneut deutlich. "Wie sieht es mit der Geruchs- und Schadstoffbelastung aus? Es fehlen noch viele Infos", sagte eine Bürgerin.

Ein Mann fragte, was konkret der Nutzen für die Gemeinde sei. Könnte die Firma nicht eine andere Fläche nutzen, wollte eine andere Frau mit Blick auf den Widerspruch zwischen Wohnen im Grünen und einem Chemiestandort wissen.

Änderung unter der Hand macht Bürger wütend

Bemängelt wurde zudem die schlechte Lage für die Erweiterung in direkter Nähe zur Wahnbachtalsperre. Auch ihrem Ärger darüber, dass die Änderung quasi unter der Hand gemacht werden sollte, machten sie Luft.

Das soll sich mit einer Bürgerinfoveranstaltung am Donnerstag, 24. September nun ändern. Diese hat der Ausschuss einstimmig beschlossen. Die Fraktionen hatten zuvor bekräftigt, dass sie sich alle Fragen der Bürger anhören wollen und dass sie diese Versammlung begrüßen.

"Wir bedauern ausdrücklich, nicht bereits in der letzten Sitzung mit dem Offenlagebeschluss ausdrücklich eine Bürgerinformation gefordert zu haben - bislang eine in Neunkirchen-Seelscheid geübte Praxis", sagte etwa Hans-Jürgen Parpart von der CDU und erntete großen Applaus von den Zuhörern.

Die Entscheidung über den Bebauungsplan soll laut Rheinhold Pütz vom Bauamt nach der Bürgerinformation und einer Abwägung im Rat fallen.