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Endet die Zeitreise?: Museumsdorf in Altwindeck droht das Aus

Endet die Zeitreise? : Museumsdorf in Altwindeck droht das Aus

Dem Museumsdorf in Altwindeck gibt Besuchern ein Gefühl dafür, wie Menschen vor etwa 100 Jahren in Deutschland und der Region gelebt haben. Dem Heimatmuseum droht nun allerdings das Aus.

Jens Klein deutet auf zwei Fachwerkhäuser: „Die Häuser haben wir woanders abgebaut und hier wiederaufgebaut, um Ihnen eine kleine Zeitreise zu ermöglichen“, sagt er. Die Gebäude sind Teil des Museumsdorfs Windeck, das den Besuchern ein Gefühl dafür gibt, wie Menschen vor etwa 100 Jahren in Deutschland und der Region gelebt haben. Dem Heimatmuseum droht jetzt aber das Aus, sofern kein neuer Träger gefunden wird.

In Altwindeck kommt man nicht zufällig vorbei. Vor 55 Jahren gründete der Dentist und Hobby-Heimatkundler Emil Hundhausen dort – im Osten des Rhein-Sieg-Kreises – ein Heimatmuseum, das zunächst aus einem Bauernhof mit Scheune und Wassermühle bestand und 1971 in eine stillgelegte Schule umgesiedelt wurde. Nachdem die Gemeinde Windeck die finanziellen Mittel nicht mehr aufbringen konnte, gründete sich vor 31 Jahren ein Förderverein.

Dem geht nun aber auch das Geld aus. Mit den Beiträgen der 210 Mitglieder, Eintrittspreisen und gelegentlichen Spenden lassen sich die 50 000 Euro Betriebskosten im Jahr nicht decken. „Rettung aus öffentlicher Hand ist nicht in Sicht“, sagt Andreas Lutz, Vorsitzender der „Freunde und Förderer des Emil Hundhausen Heimatmuseums in Altwindeck“.

Im Rahmen des NRW-Strukturförderprogramms Regionale 2025 für Südwestfalen und des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes Windeck-Waldbröl gäbe es Konzepte für einen Weiterbetrieb, die aber wohl zu spät kommen. „De facto bleibt nur die Möglichkeit, privates Geld zu bekommen“, sagt Lutz.

Geschäftsführer Klein ist sich sicher, dass ein Aus für das Heimatmuseum der ganzen Gemeinde schaden würde: „Wir sind das Aushängeschild hier, Windeck lebt vom Tourismus.“ Nachwuchs fehlt, noch aber läuft der Betrieb durch den Einsatz von einigen Ehrenamtlichen.

Kanonenkugeln aus dem Krieg

Und Interesse an dem Museum ist durchaus da. An einem Freitagnachmittag führt Klein zwei Besuchergruppen durch das Museumsdorf. In dem Gebäude der alten Dorfschule findet man etwa Ausgrabungsstücke wie Kanonenkugeln aus dem Krieg, aber vor allem Dinge des alltäglichen Lebens wie Spielzeug, Kochutensilien, Möbel und Kirchenausstattung. „Ich entdecke selbst bei jeder Führung noch etwas Neues“, erzählt Klein.

Im Raum zum Thema Kommunikation und Technik gibt es neben alten Plattenspielern oder Telefonen auch den alten Fahrkartenschalter vom Bahnhof Dattenfeld zu sehen. Ein Highlight für viele Besucher ist der authentisch nachgestellte Tante-Emma-Laden. „Zigaretten für 5 Pfennig – das waren noch Zeiten“, entfährt es einem Gast freudig. In dem alten Klassenzimmer fühlen sich viele der älteren Besucher wieder in ihre Schulzeit zurückversetzt – Holzbänke, Kreidetafeln, Tintenfass. Etwa 70 Handwerksberufe werden nachgestellt, darunter auch die originalen Arbeitswerkzeuge aus der Zahnarztpraxis des Museumsgründers Hundhausen.

Vorbei am zentral angelegten Garten mit vielen bunten Blumen geht es weiter zu den Fachwerkhäusern und der alten Mühle, die weitere Eindrücke davon geben, wie Menschen dort gelebt haben. „Man fühlt sich 50 Jahre zurückversetzt: zum Beispiel so einen Tante-Emma-Laden, den hatten wir bei uns auch“, blickt Frank Breitsprecher nostalgisch zurück. Auch seine Frau Angelika ist angetan: „Da steckt viel Liebe und Akribie drin. Die Führungen sind vielleicht nicht technisch perfekt, aber es läuft ja auch alles ehrenamtlich.“

So wie viele Besucher kommen sie nicht aus der Region. Sie sind bei einem Betriebsausflug nach Altwindeck gekommen. „Wir finden es hier einfach klasse. Der Familiencharakter, das Überschaubare ist schön und man kann viel entdecken“, finden Carsten und Claudia Henz, die an der dänischen Grenze zu Hause sind. Auch Geschäftsführer Klein glaubt an das Konzept des Heimatmuseums und hofft, einen privaten Geldgeber zu finden: „Hier können sich drei Generationen austauschen – vom Enkel bis zum Opa. Das macht es aus.“