Gedenken an Novemberpogrome: Mahnendes Zeichen

Gedenken an Novemberpogrome : Mahnendes Zeichen

Über den Feierlichkeiten zum 25.Jubiläum des Mauerfalls darf nicht vergessen werden, dass sich am 9. November auch eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte gejährt hat: die Novemberpogrome, bei denen mehr als 1400 Synagogen und Betstuben sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört wurden - auf Geheiß des Naziregimes.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis wurde zum 76. Jahrestag der Pogromnacht gedacht, die im Dritten Reich den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden in Europa markierte. In Siegburg und Hennef fand traditionell der "Gang des Gedenkens" statt. Und in der Gedenkstätte "Landjuden an der Sieg" in Windeck-Rosbach war Tamar Dreifuss zu Gast, die gemeinsam mit ihrer Mutter Jetta Schapiro-Rosenzweig den Holocaust in Litauen überlebte.

Tamar Dreifuss wurde 1938 in der litauischen Hauptstadt Wilna geboren, die eine der größten jüdischen Gemeinden Europas beheimatet. Die Familie wird zunächst von den sowjetischen Behörden gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen, und kommt im Örtchen Ponar unter. Dort werden sie Zeugen des deutschen Einmarsches und der Massenerschießung tausender jüdischer Bürger. Die Familie siedelt ins neu geschaffene Ghetto Wilna über, später kommen Tamar und ihre Mutter ins Lager Tauroggen, aus dem sie dank des Muts und Überlebenswillens der Mutter fliehen können.

Ihre Erlebnisse hat Tamar Dreifuss unter anderem in dem Kinderbuch "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944" verarbeitet. Am Sonntag in Windeck las sie Passagen aus dem autobiografischen Buch ihrer Mutter "Sag niemals, das ist Dein letzter Weg" und reicherte diese mit ihren beeindruckenden und erschreckenden eigenen Kindheitserinnerungen an.

Eröffnet wurde die Gedenkstunde von Landrat Sebastian Schuster, der erstmals in seiner neuen Funktion in der Gedenkstätte zu Gast war. Er erinnerte daran, dass der Rhein-Sieg-Kreis die "Landjuden an der Sieg" 1988 anlässlich des 50. Jahrestags der Pogrome einrichtete, um die Erinnerung und das Wissen von Generation zu Generation weiterzutragen.

Um die Gedenkstätte zu unterstützen und "für Gegenwart und Zukunft ein mahnendes Zeichen zu setzen", traten Sebastian Schuster, Archiv- und Kulturdezernent Thomas Wagner sowie Kulturamtsleiter Rainer Land im Anschluss an die Gedenkstunde dem Förderverein bei.

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