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Kormorane im Rhein-Sieg-Kreis: BUND kritisiert Abschuss

BUND im Rhein-Sieg-Kreis : Naturschützer kritisieren Abschuss von Kormoranen

Der Naturschutzbeirat des Rhein-Sieg-Kreises hat die Jagdfreigabe von Kormoranen beschlossen. Der BUND kritisiert dies und sieht stattdessen Einflüsse des Menschen sowie die Wehranlagen als zentrale Probleme für Gewässer und Fischarten.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rhein-Sieg-Kreis kritisiert die Freigabe zum Abschuss von Kormoranen im Rechtsrheinischen. Zentrales Problem beim Gewässerschutz seien nicht die Wasservögel, sondern die Wehranlagen. Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde hatte in seiner jüngsten Sitzung einem Antrag der Sieg-Fischerei-Genossenschaft Hennef (SFG) auf Abschuss von jährlich bis zu 100 Tieren an Sieg, Agger und Bröl zugestimmt. Grund ist eine Gefährdung der heimischen Fischpopulation.

BUND-Sprecher Achim Baumgartner kritisiert, dass die großen Wehranlagen „dem Schutz der Fischarten der schnelleren Fließgewässer diametral entgegen“ stünden. Die Bauwerke führten zu unnatürlich großen Ansammlungen von Fischen und machten die Arten für Beutegreifer besonders angreifbar, Fischtreppen funktionierten nur notdürftig. Anlagen wie das Aggerwehr in Troisdorf, das Siegwehr in Buisdorf oder die Wehranlage in Unkelmühle müssten daher aufgegeben werden, fordert er.

Nach Ansicht der Naturschützer würden Nutzungsinteressen an den Gebieten der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Gebiete) an Sieg, Agger und Bröl höher bewertet als der Gewässer- und der Fischartenschutz. Baumgartner fordert daher: „Stromnutzung, Tourismus, Ackernutzung in der Aue, Rudersport und Bootfahren müssen dem Fischschutz an diesen landesweiten Ausnahmegewässern endlich unter- und nachgeordnet werden.“ Baumgartner wünscht sich mehr Unterstützung von der SFG als möglichem Bündnispartner.

Ohnehin seien laut BUND die mit dem Antrag auf den Abschuss der Wasservögel verbundenen Hürden nicht überwindbar. Der SFG stehe rechtlich keine Befreiung von den Verboten in den FFH-Gebieten zu, da das Eintragsinteresse keinem öffentlichen Interesse diene. Zudem vereitele der landesweite Abschuss die gewünschte Vertreibung der Kormorane in andere Gebiete.