Erneuerbare Energien im Rhein-Sieg-Kreis: Grüner Strom aus der Bröl

Erneuerbare Energien im Rhein-Sieg-Kreis : Grüner Strom aus der Bröl

NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat am Montag in Ruppichteroth ein erneuertes Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Im Rhein-Sieg-Kreis ist diese Art der Energiegewinnung selten.

Das mit Natursteinen verkleidete Häuschen wirkt eher unscheinbar, hat es aber in sich: Drinnen arbeitet seit Montag unterhalb der Burg Herrnstein eine sogenannte doppelt gesteuerte Kaplanturbine. Diese kann man sich ungefähr vorstellen wie einen überdimensionierten Fahrraddynamo. Nur, dass die Turbine nicht durch Muskel-, sondern durch Wasserkraft angetrieben wird. Damit handelt es sich um eines der wenigen Wasserkraftwerke im Rhein-Sieg-Kreis. Nach den jüngsten Daten der Kreisverwaltung gibt es lediglich fünf weitere.

Oberhalb des Wasserkraftwerkes nahe Burg Herrnstein wird Wasser der Bröl abgezweigt, läuft durch eine Rinne zur Turbine und setzt diese in Bewegung. 1.500 Liter pro Sekunde rauschen dann durch das Aggregat und erzeugen eine Leistung von mehr als 45 Kilowatt.

Am Montag nun wurde nach einem Jahr Bau- und Renovierungszeit die Anlage im Beisein von Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) eingeweiht. Hausherr Max Graf Nesselrode erklärte, dass rein rechnerisch mit dem erzeugten Strom 85 Haushalte ein Jahr elektrisch versorgt werden können. „Das geht hier alles ohne Kohlendioxid, ohne Gestank, ohne Gefahren, ohne Endlager, aber mit Gefälle“, sagte Graf Nesselrode, denn das Brölwasser kommt über ein Gefälle von sechs Metern zur Turbine und hat so die richtige Kraft den „Dynamo“ anzutreiben.

700.000 Euro für den Umbau investiert

„Die Zukunft kommt vom Lande“, sagte Minister Remmel. „Das Land hat zwar geholfen, aber die Initiative stammt von den Menschen hier.“ Zwar habe die Wasserkraft geringere Potenziale als etwa Wind- und Sonnenenergie, aber es gehe auch darum Gewässer in gute ökologische Zustände zu bringen. Ziel sei es, in den nächsten 20 Jahren mit einem Geldaufwand von 2,7 Milliarden Euro die Gewässer wieder in einen guten ökologischen Zustand zu bringen, und da sei auch die Wasserkraft eingeschlossen.

Mit mit der Erneuerung der Wasserkraftanlage wurden der Fischschutz und der Fischaufstieg mit dem Bau einer neuen Fischtreppe verbessert, die aus gut tausend Tonnen Naturstein besteht. Diese ermöglicht kleinen ebenso wie großen Fischen wie dem Lachs eine problemlose Passage des 18 Meter breiten Stauwehres. Zusätzlich ist ein neuer Rechen mit einem Stababstand von zwölf Millimetern eingebaut worden, wodurch auch sehr kleine Fische nicht mehr in den offenen Oberwassergraben vor der Wasserkraftanlage geraten können.

„Die Anlage entspricht nun in allen Punkten dem neuesten Stand der Technik. Sie ist absolut ökologisch verträglich“, so Christoph Schwarz, Umweltdezernent des Kreises. Insgesamt wurden 700.000 Euro in den Umbau investiert. 200.000 Euro hat der Besitzer der Anlage an Förderung vom Land NRW erhalten. Dazu bemerkte Graf Nesselrode allerdings, dass davon die Steuer 100.000 Euro unmittelbar zurückgenommen habe.

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