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Wegen neuer Regelung für Passbilder: Fotografen in der Region fürchten um ihre Existenz

Wegen neuer Regelung für Passbilder : Fotografen in der Region fürchten um ihre Existenz

Einige Kommunen in der Region setzen in ihren Bürgerbüros bereits auf Selbstbedienungs-Terminals für Passbilder. Die Fotografen im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn fürchten um massive finanzielle Einbußen.

Dass Passfotos aus verschiedenen Jahrzehnten zu Hause vereint in einer Kiste schlummern, könnte bald Vergangenheit sein. Das Bundesinnenministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Passbilder künftig nur noch direkt im Bürgeramt entstehen und dort digital gespeichert werden sollen. So sollen Ausweise fälschungssicher gemacht werden.

Fotograf Guido Bach fürchtet angesichts dessen um seine Existenz. „Passfotos machen fast 40 Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt der 53-Jährige, der in Siegburg und Königswinter ein Fotostudio hat. In Siegburg sei er extra in die Nähe des Rathauses umgezogen. „Ich weiß nicht, ob ich mir das künftig noch leisten kann“, sagt er. Den Umstieg auf Automaten sieht er kritisch: „Die Geräte, die ich mir angesehen habe, sind von der Bedienung her gerade für ältere Menschen schwierig.“ Damit biometrische Fotos von Kindern, vor allem Babys, zu machen, gehe nicht.

Fotografen in der Region sind verärgert

Sabrina Trimborn zeigt den Troisdorfer Ausweisautomat, an dem Fotos direkt aufgenommen werden. Foto: Stadt Troisdorf

Mathias Elsner aus Bornheim ist ebenfalls verärgert: „Ein Todesstoß ist das, ich weiß nicht, wer sich diesen Irrsinn ausgedacht hat.“ Passbilder machten 95 Prozent seines Geschäfts aus. „Fotograf ist ein aussterbender Beruf. Ich kann jungen Leuten nur davon abraten“, meint er. Dabei hätten sie das Fachwissen, nicht der Automat. Auch Alfred Eich aus Rheinbach wäre betroffen: „Die Situation ist für mindestens 50 Prozent der Fotogeschäfte und Fotografen Existenz bedrohend. Es wird auf einen Schlag mehr Leerstände in den Innenstädten geben.“ Er fragt zudem, wie es um die Passbilder von Menschen mit einer Behinderung, Alten oder Kranken bestellt sei, die nicht mehr aus dem Haus könnten. Eich hat den CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen eingeschaltet. Dieser habe ihm zugesagt, das Anliegen in Berlin vorzubringen.

Fotografin Elke Grävenstein aus Bad Honnef weiß nicht, wie sie ohne Passfotos ihre Miete zahlen soll. Ein Kunde will wissen: „Wer hat in den Bürgerbüros Zugriff auf die Fotos? Wie sind sie gesichert?“ Zahlreiche Ämter seien schon jetzt überlastet, sollte ein Automat kaputt gehen, seien Schwierigkeiten programmiert.

Dass die Initiative wirtschaftliche Probleme für Fotografen mit sich bringen könne, sieht auch die Stadt Sankt Augustin. Die Verwaltung kann die Neuregelung aber nachvollziehen. „Die Leiterin des Bürgerservices findet die Idee gut“, sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. „Bei uns ist es tatsächlich so, dass ab und an Zweifel an Passfotos bestehen.“ Etwa ob sie überhaupt die Person zeigten, die das Dokument beantrage. „Es wurden auch schon Passfotos zurückgewiesen.“ Auch Retuschen seien bereits aufgefallen. Deshalb habe man mit einigen Fotografen vereinbart, dass sie bei Fotos für Pässe nicht retuschieren. Im April soll die Stadt einen Self-Service-Terminal erhalten, an dem Passfotos erstellt und digital ins System übertragen werden.

Die erste deutsche Stadt, in der mit einer Fotokabine digitale biometrische Passfotos erstellt werden konnten, sei Siegburg gewesen, sagt Stadtsprecher Jan Gerull. 2006 sei das Pilotprojekt bei der Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt worden – seither habe die Kreisstadt es im Einsatz, mit aktualisierter Technologie. Laut Gerull wird das Angebot gut angenommen. Fotografenfotos würden die Mitarbeitern im Bürgerservice einscannen.

In Troisdorf ist das Selbstbedienungs-Terminal seit Januar 2017 in Betrieb. „Er kommt gut an bei Kollegen und Bürgern“, sagt Pressesprecher Peter Sonnet. Lediglich ältere Bürger bräuchten manchmal etwas Hilfe. Das Terminal sei aber eine starke Erleichterung für die Mitarbeiter. Die Stadt sieht einer möglichen Umstellung deshalb gelassen entgegen. So ist es auch in der Stadt Hennef, die ebenfalls seit 2017 ein Selbstbedienungs-Terminal hat. Das wird laut Stadtsprecherin Mira Steffan ständig mit Blick auf die Datensicherheit umgerüstet. „Man muss einfach abwarten, was genau gefordert ist, wenn es in Kraft ist.“

Fotoautomaten stehen etwa schon im Bornheimer Rathaus

Kameras oder Selbstbedienungs-Terminals setzt die Stadt Königswinter in ihren beiden Bürgerbüros bislang nicht ein. „Für einige Bürger könnte diese Regelung eine Erleichterung sein, da sie nicht extra einen Fotografen aufsuchen müssen“, so Stadtsprecher Carsten Herrmann. Sollten Antragsteller allerdings aktuelle und den Anforderungen entsprechende Fotos vorlegen, wäre es schwierig zu erklären, warum sie vor Ort erneut Fotos machen und bezahlen müssten. Sollte die Regelung in Kraft treten, müssten die räumlichen, personellen und organisatorischen Bedingungen in den Bürgerbüros erst noch geschaffen werden. „Der Mitarbeiter prüft durch in Augenscheinnahme, ob es sich um ein aktuelles Foto der Person handelt“, so Herrmann.

Der Automat im Bürgerbüro der Stadt Bad Honnef wird laut Pressesprecherin Christine Pfalz gut angenommen. Die Fotos würden im Warteraum, abseits, aber trotzdem in Sichtweite des Mitarbeiters aufgenommen und ausschließlich digital an den PC in das Passregister übermittelt. Wer das Gerät nutzen möchte, muss allerdings mindestens 1,50 Meter groß sein. „Das heißt, kleine Kinder oder Rollstuhlfahrer können leider keine Fotos machen.“

Im Bornheimer Rathaus gibt es laut Bürgermeister Wolfgang Henseler einen Automaten, in dem man Passfotos machen und ausdrucken oder direkt digital ans Bürgeramt übermitteln kann. Die Stadt nehme auch Passbilder aus Fotostudios an. Man überprüfe dann, ob das Bild mit dem Antragssteller übereinstimmt. Eine weitergehende Kontrolle, ob Fotos etwa mittels Morphings manipuliert seien, sei nicht möglich. Unabhängig davon plane die Stadt, eventuell ein digitales Fotogerät aufzustellen. Die Idee des Bundesinnenministeriums möchte Henseler nicht bewerten. Eine solche Regelung wäre aber mit Zeitaufwand verbunden.

Nach Ansicht von Meckenheims Erstem Beigeordneten Holger Jung würde ein zeitlicher Mehraufwand nur wenige Minuten betragen, wenn es sich einmal eingespielt hätte. Aktuell sieht die Stadt keinen Anlass, von der bisherigen Praxis bei den Passfotos abzuweichen. Laut Jung sind keine Betrugsfälle bekannt. Einen Fotoautomaten im Rathaus wolle die Stadt nicht aufstellen. Man wolle nicht in die freie Wirtschaft eingreifen, sich den Plänen des Innenministeriums aber auch nicht verschließen.

Rheinbachs Pressesprecher Norbert Sauren weist darauf hin, dass in seiner Stadt überdies die Belange und die Ausweispflicht von Strafgefangenen zu berücksichtigen sind. „Auch hieraus erwachsen möglicherweise weitere organisatorische Hürden“, teilt er mit.

In Bonn setzt die Stadtverwaltung seit 2017 zwei Selbstbedienungs-Schalter ein. Die Mitarbeiter können vom Arbeitsplatz aus zugreifen und das Datenmaterial verarbeiten. Inwieweit sich mit dem Gesetzesentwurf für die Stadtverwaltung hinsichtlich Personalausstattung und Technik neue Voraussetzungen ergeben würden, vermochte man am Donnerstag nicht einzuschätzen. Dazu, so das Presseamt, müsse man abwarten, wie die Regelung letztlich konkret aussieht.