Der Fall Sandra D.: Das Schwurgericht auf Ortstermin in Eitorf

Der Fall Sandra D. : Das Schwurgericht auf Ortstermin in Eitorf

Mit der ländlichen Idylle in Eitorf-Bach ist es am Mittwoch um halb zehn Uhr schlagartig vorbei: Ein Großaufgebot an Justizangehörigen aus Bonn, Polizisten und Medienvertretern rückt an, um sich das Haus anzusehen, in dem die seit September 2012 verschwundene Sandra D. von ihrem Mann ermordet worden sein soll.

Das hatte der 41-Jährige im vergangenen Jahr der damaligen Geliebten gestanden und ihr detailliert geschildert, wie er die Leiche zerstückelte und entsorgte. Nun will sich das Bonner Schwurgericht ein Bild davon machen, ob die Tatschilderungen zu den örtlichen Gegebenheiten passen können. Dirk D. behauptet, er habe alles erfunden, weil seine Geliebte auf so etwas gestanden habe.

Auch Dirk D. nimmt an dem Ortstermin teil, in Handschellen wird der 41-jährige Koch von Justizwachtmeistern zum Haus gebracht, vor dem ein Schild auf den Ortstermin hinweist. Die Handschellen muss Dirk D. während des Gangs durch das enge und verwinkelte Haus und der Besichtigung des Geländes anbehalten. Er wirkt angespannt, als er erstmals seit seiner Verhaftung Ende August 2013 sein Haus betritt, das von seinen Eltern versorgt wird und zum Verkauf steht. Auch die Eltern sind gekommen, sie haben das Haus für diesen Termin aufgeschlossen und gelüftet.

Dann eröffnet Schwurgerichtsvorsitzender Josef Janßen die Sitzung und erklärt: "Das Anwesen wird in Augenschein genommen." Und der Tross aus Berufs- und Laienrichtern, Protokollführer, Staatsanwalt, Verteidiger, Anwälten, die Sandra D.'s Kinder als Nebenkläger vertreten, und Medienvertretern zwängen sich in das leer geräumte Haus.

Auch Sandra D.'s 19-jähriger Sohn geht mit, er kennt das Haus, drei Jahre lebte er hier, bevor er zu seinem leiblichen Vater zog, weil er sich mit Dirk D. nicht verstand. Im engen Eingangsbereich bleiben alle stehen. Hier soll Sandra D., die mit ihrer sechsjährigen Tochter ausziehen wollte, gelegen haben, nachdem ihr Mann sie die Treppe hinuntergestoßen haben soll.

Hier soll er dann vergeblich versucht haben, ihr das Genick zu brechen. Schließlich bewegt sich der Tross diese Treppe hinauf ins frühere Schlafzimmer, wo Dirk D. seine Frau anschließend hingeschleppt und erwürgt haben soll. So zumindest schilderte er es der Geliebten, die zunächst nicht zur Polizei ging, aus Angst davor, dass Dirk D. auch ihr was antun könnte, wenn er davon erfahren würde, wie sie später erklärte. Sie habe erst einen Beweis haben wollen und deshalb versucht, Dirk D. zu entlocken, wo er Sandra D.'s Kopf versteckt habe. Denn den hatte er seinem Geständnis zufolge nicht mit den Abfällen der Krankenhausküche entsorgt, sondern gut versteckt.

Doch er verriet es ihr nicht, und auch nicht den Ort, wo er die Leiche angeblich zerstückelte. Dann könne man ihn ja überführen, habe er ihr gesagt. Tatsächlich stellt sich die Frage: Wenn er doch alles ohnehin nur erfunden hat, warum erfand er nicht auch diese Orte?

Vier Mal wurde das Grundstück durchsucht. Vergeblich. Und auch im oberen Badezimmer, das Dirk D. komplett ausbaute, fand sich keine Spur. Das Bad ist immer noch eine Baustelle. Dirk D. erklärt dazu: Er habe dort einen Durchbruch zur Einliegerwohnung nebenan machen wollen.

Oben sind auch zwei Zimmer, in denen Tierfotos und Prinzessinnenbilder davon zeugen, dass hier ein kleines Mädchen lebte. Dieses Kind, das Dirk D. mit großzog, ist seinem Geständnis zufolge der Grund für den Mord: Er habe die Kleine von dieser Mutter befreit, erklärte er der Geliebten, die im Verfahren als Hauptzeugin gilt. Auch nach dem Ortstermin geht es im Landgericht um ihre Aussage: Das Schwurgericht hört sich die Aufnahme ihrer ersten dreistündigen Vernehmung bei der Polizei an. Der Prozess wird am 28. April fortgesetzt.

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