Verein Kivi im Rhein-Sieg-Kreis: 15 Jahre Einsatz für die Gesundheit

Verein Kivi im Rhein-Sieg-Kreis : 15 Jahre Einsatz für die Gesundheit

Der Verein Kivi besteht im Rhein-Sieg-Kreis seit 15 Jahren. Nun zieht er Bilanz und warnt: Die medizinische Versorgung im östlichen Kreisgebiet wird zum Problem.

Mehr als 50.000 Menschen hat der Verein Kivi („Kids Vital“) im vergangenen Jahr mit seinen diversen Initiativen und Projekten erreicht. Der Vorstand mit Hermann Allroggen, seinem Stellvertreter Wilfried Müller, der neuen Projektkoordinatorin Ina Kraft sowie der Neunkirchen-Seelscheider Bürgermeisterin Nicole Sander stellte am Dienstag den Jahresbericht vor.

Besonders erfolgreich ist der Verein, der seit 15 Jahren besteht, mit der Zertifizierung von Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen unterwegs. Mit ihren Programmen „Kita Vital“ und „tut mir gut“ unterstützen sie mittlerweile rund 145 Einrichtungen bei der Gesundheitsförderung – darunter allein 58 Kindertagesstätten. Wer die 60 Qualitätsstandards erfüllt, die der Verein gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aufgestellt hat, bekommt das Zertifikat „Kita Vital“, ein Qualitätszeichen für gesundheitsfördernde Kindertagesstätten im Rhein-Sieg-Kreis.

„Im Gespräch mit Kita-Leiterinnen erfahren wir immer wieder, wie wichtig das Thema Ernährung gerade in der frühkindlichen Erziehung ist“, so Sander. Bei immer mehr Kindern gehe dabei „etwas verloren, weil Gesundheitsvorsorge zu Hause entweder nicht geleistet wird oder nicht geleistet werden kann – aus welchen Gründen auch immer“.

Erfolgreich war der Verein aber auch mit seinem Projekt „Quartier in Bewegung“, für den Kivi auch den Gesundheitspreis 2019 des Landes Nordrhein-Westfalen gewonnen hat (wir berichteten).

Die Initiative „Mitten im Leben“ richtet sich an die Förderung gesunder Lebensverhältnisse in den dörflichen Gebieten des Kreises. In Hennef-Dambroich beispielsweise hat sich ein Mittagstisch etabliert, im Neunkirchen-Seelscheider Ortsteil Nackhausen, einem reinen Wohngebiet ohne eigentlichem Ortskern, entsteht aus einem früheren Übergangsheim für Flüchtlinge ein Dorfzentrum, wo Vorträge und Kaffeenachmittage angeboten werden. Auch in Windeck-Leuscheid wird ein Dorfzentrum für Nahversorgung und als Treffpunkt installiert.

Immer schwieriger werde indes die finanzielle Absicherung, sagte Allroggen. Vom Jahresbudget in Höhe von 370 000 Euro wird gerade einmal ein Drittel öffentlich gefördert, den Rest muss der Verein selbst über Sponsoren und Spenden besorgen.

Projektgruppe beschäftigt sich mit Ärztemangel

Sorgen bereitet dem Verein auch die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. „Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte im östlichen Kreisgebiet liegt bei 55 Jahren. Da ist abzusehen, wann es zu einem ziemlichen Engpass kommen wird“, so Wilfried Müller. Erschwerend hinzu käme, dass Prognosen zufolge in etwa zehn Jahren auch die Städte Köln und Bonn mit immensem Medizinermangel zu kämpfen hätten. „Wir stehen unter enormen Konkurrenzdruck“, meinte Müller. In Westfalen würden Kommunen schon mit Prämien von 50 000 Euro Ärzte aus anderen Regionen Deutschlands abwerben.

Vor zwei Jahren gründete Kivi deshalb eine Projektgruppe, in der neben allen Bürgermeistern des östlichen Rhein-Sieg-Kreises auch Vertreter der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, des Rettungswesens, des Gesundheitsamts und des Apothekerverbands vertreten sind. Hauptthema: Wie bekommt man junge Mediziner in den ländlichen Rhein-Sieg-Kreis. „Wir müssen Allianzen bilden“, meinte Allroggen. Um das Projekt zu forcieren, hat der Verein gemeinsam mit dem Oberbergischen Kreis einen Förderantrag bei der Regionalen 2025 gestellt, um etwa eine Koordinierungsstelle zu schaffen, die für den ländlichen Raum unter jungen Medizinern werben und Anreize erarbeiten soll.

Nicole Sander geht mit ihrer Forderung noch weiter: „Das Verteilungssystem der Kassenärztlichen Vereinigung ist aus den 90er Jahren und völlig antiquiert“, sagte sie. Auch die Ansprüche von Ärztinnen und Ärzten hätten sich geändert. „Die Zeiten, wo der Dorfarzt seine Praxis im Haus hatte und seine Frau die Sprechstundenhilfe war, sind längst vorbei. Wir müssen neue Modelle erarbeiten und anbieten.“