Prozess vor dem Bonner Landgericht

Drei Jahre Haft für Messerstecher aus Eitorf

Symbolbild

Symbolbild

Bonn/Eitorf. Das Bonner Schwurgericht verurteilt einen 27-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte hat seinem 26-jährigen Kontrahenten zweimal in den Rücken gestochen.

Der Kriminalfall hat in Eitorf für viel Unruhe gesorgt. Und die Frage, wer die Schuld an der Bluttat trägt, die sich am 6. Juni 2018 auf offener Straße abgespielt hatte, wurde immer wieder auf den Kopf gestellt. Jedenfalls soll der große Familienclan des 27-jährigen Messerstechers dem Opfer vorgeworfen haben, den Angriff provoziert zu haben. Auch sollen dem 26-jährigen Opfer im Vorfeld des Prozesses 50 Euro angeboten worden sein, damit er schweigt. Das hatte er nicht getan.

Die Zuschauerreihen im Gerichtssaal am Mittwoch waren voll besetzt, als das Schwurgericht unter Vorsitz von Anke Klatte das Urteil verkündete: drei Jahre und drei Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, und nicht wie ursprünglich angeklagt wegen versuchten Totschlags. Schließlich noch eine Überraschung: Der Haftbefehl des Angeklagten, der seit acht Monaten in Untersuchungshaft gesessen hatte, wurde aufgehoben: Dem ansonsten cool wirkenden Mann liefen die Tränen, er musste seinen Verteidiger um ein Taschentuch bitten.

Warum es an diesem lauen Sommerabend gegen 21 Uhr in Königssiefen zu der fast tödlichen Begegnung gekommen ist, war auch für das Gericht letztlich nicht nachvollziehbar. Denn die beiden Männer kannten sich aus der Eitorfer Szene, waren fast sogar ein wenig befreundet gewesen. Man hatte zusammen gekifft, Musik gehört und auch gemeinsam gegessen. Am Ende sollen es 100 Euro gewesen sein, die zu dem Streit geführt haben. Die schuldete das Opfer dem Angeklagten angeblich für den Kauf von Marihuana. Es kam zu Beschimpfungen, Beleidigungen und schließlich zum tätlichen Angriff.

Auf offener Straße attackierte der Angeklagte sein 26-jähriges Opfer mit einem 30 Zentimeter langen Messer und rammte die Waffe mit Wucht zweimal in den Rücken, als es sich abwendete. Das Opfer flüchtete zu Anwohnern, wo es zusammenbrach. Der Angeklagte jedoch setzte nicht mehr nach, was letztlich sein Glück war. Denn damit, so Anke Klatte, sei der 27-Jährige von der Tötungsabsicht zurückgetreten. Der Angeklagte, der zunächst versucht hatte, die Messerstiche als Unfall darzustellen, hat am Ende des Prozesses gestanden. Entscheidend für das milde Urteil war vor allem die Entschuldigung des 27-Jährigen, die das Opfer schließlich angenommen hat, sowie die Zahlung von 5000 Euro Schmerzensgeld. Es wäre sehr wichtig, so die Richterin mit Blick ins Publikum, dass diese „friedensstiftende Maßnahme“ zwischen Täter und Opfer in „ganz Eitorf“ respektiert werde und „dass sich die Situation im Ort wieder beruhigt“.

Später auf der Straße wurde der 27-Jährige, der noch zwei Stunden zuvor in Handschellen zur Anklagebank gebracht worden war, wie ein Held gefeiert: Die Freiheit genoss er mit einer Zigarette, hielt Reden vor seinem Clan.