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Lohmar/Bad Honnef: Coronavirus erreicht Altenheime

Einrichtungen in Lohmar und Bad Honnef : Corona-Pandemie erreicht Altenheime im Rhein-Sieg-Kreis

In zwei Seniorenheimen im Rhein-Sieg-Kreis gibt es bestätigte Fälle des neuartigen Coronavirus. Mobile Einsatzteams sollen nun direkt vor Ort Abstriche entnehmen.

Altenheime werden in der Corona-Krise zunehmend zu gefährlichen Orten. Nun sind zwei Seniorenheime im Rhein-Sieg-Kreis betroffen, eines in Lohmar und das Bad Honnefer Franziskus-Haus. Drei Bewohner des Franziskus-Hauses in Aegidienberg sind mit dem Coronavirus infiziert und an Covid-19 erkrankt.

Die Infizierten aus dem Franziskus-Haus hätten Erkältungssymptome, aber kein Fieber, heißt es in einer Mitteilung des Trägers und der Heimleitung. „Die bisherigen Erfahrungen bei gleichgearteten Erkrankungen in Pflegeeinrichtungen lassen vermuten, dass es zu weiteren Infektionen gekommen ist oder kommen kann“, teilt Geschäftsführerin Birgit Keuler weiter mit.

Die Bereiche, in denen die Erkrankten wohnen, stehen deshalb seit Bekanntwerden der Infektionen unter Quarantäne. Die Quarantäne gilt nach Auskunft des Trägers vorerst bis zum 11. April, dem Karsamstag. Außerdem werden Bewohner und Mitarbeiter des Heims getestet. Derzeit hat das Franziskus-Haus 72 Bewohner und 97 Mitarbeiter. Getestet werde in Altenheimen direkt vor Ort, sobald dort ein Corona-Fall bekannt werde, erläuterte Kreisgesundheitsamtsleiter Rainer Meilicke. Auch im Franziskus-Haus in Aegidienberg leistet das Kreisgesundheitsamt Unterstützung. Wichtigstes Ziel dabei ist es, eine weitere Verbreitung so weit wie möglich zu vermeiden.

Unterstützung leistet auch die Stadt Bad Honnef. Durch den Fachdienst Soziales und Asyl vermittelte sie ehrenamtlich Helfende für die Betreuung und Pflege der Bewohner. Außerdem teilt die Stadt mit, sie habe die vorhandenen Bestände an Schutzmaterialien wie Masken und Kittel aufgestockt.

Anfragen bei weiteren Seniorenheimen im Rhein-Sieg-Kreis zeigen: Die Pflegeeinrichtungen halten sich an die Vorgaben des Landes (siehe Infokasten) und die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). „Wir setzen alles daran, das, was vom RKI und dem Gesundheitsamt empfohlen wird, umzusetzen“, sagt etwa Markus Jeß, Geschäftsführer der Diacor. Im Seniorenstift Am Honnefer Kreuz betreut die Diacor 80 Bewohner. „Wir sind froh über jeden Tag, den wir hier verschont bleiben, aber in Sicherheit darf man sich nicht wiegen.“

Die Senioren hätten „mit einer gewissen Gelassenheit“ reagiert. „Soweit es ihr kognitiver Zustand zulässt, verstehen sie, dass das alles zu ihrem eigenen Schutz passiert“, berichtet der Geschäftsführer. Bis auf die Einzelbetreuung, also Gespräche in familiärer Atmosphäre, durch den hauseigenen Sozialdienst habe man alle Angebote eingestellt.

So weit ist die Leitung eines Rheinbacher Pflegeheims noch nicht gegangen. Der Leiter, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass die Senioren noch in den Gemeinschaftsräumen zusammenkommen dürfen – allerdings nur etagenweise. Singkreise, Spiele- und Erzählrunden – der Sozialdienst versuche, bei den 80 Bewohnern für „Abwechslung und Kurzweiligkeit“ zu sorgen. „Aber die Stimmung ist angespannt“, meint der Leiter. Sorgen mache ihm die Versorgung mit Schutzkleidung. „Aber das Problem haben ja gerade alle.“

Bei Verdachtsfällen greife ein Pandemie-Notfallplan, erklärt Ronald Buchmann, Regionalleiter der GFO-Altenhilfe. Die GFO betreut rund 500 Senioren im Rhein-Sieg-Kreis, darunter das Seniorenzentrum St. Elisabeth in Bornheim. Bisher seien alle Senioren coronafrei. „Diesen Plan gibt es nicht erst seit Corona, sondern er gilt schon seit langem für alle Infektionskrankheiten wie Influenza und MRSA“, erklärt Buchmann. Der betroffene Bewohner würde isoliert, Mitarbeiter ergriffen die vom RKI empfohlenen Schutzmaßnahmen. Zum weiteren Vorgehen würden der Hausarzt und das Gesundheitsamt konsultiert.

Unter den 123 Senioren des evangelischen Altenzentrums Haus am Römerkanal in Rheinbach gebe es ebenfalls keine Coronafälle, berichtet Leiterin Sabine Jacobs. Auf Hygiene werde in der Pflege seit jeher viel Wert gelegt. Die interne Hygienekommission, die sich sonst viermal im Jahr treffe, komme nun mehrmals pro Woche zusammen. Ob Norovirus oder Grippe – „wir müssen immer mit Infektionen umgehen“, sagt Jacobs. Vorhandene Pandemiepläne habe man nun an Corona angepasst. Ihre Mitarbeiter bieten Jacobs zufolge den Bewohnern an, Mitbewohnern und Angehörigen Briefe zu schreiben, „um diese Kontakte stabil zu halten und die Sehnsucht ein bisschen zu mildern“.

Erfahrung im Umgang mit Corona haben die Johanniter, weiß der Leiter Unternehmensentwicklung Kommunikation, Georg Hammann. Im Stift in Meckenheim gebe es bisher aber weder bei Bewohnern noch Mitarbeitern einen Verdacht. Die Johanniter betreuen aber 30 Einrichtungen in NRW – darunter eine im Kreis Heinsberg. Diese Erfahrungen seien in speziell ausgearbeitete Pläne für den Umgang mit Corona eingeflossen, die in allen Einrichtungen umgesetzt würden. „Die Maßnahmenpläne sind in Kraft und sie wirken“, betont Hammann.

Der „Maßnahmenplan Ausbruch“ soll die Ausbreitung innerhalb der Einrichtung verhindern: Der betroffene Wohnbereich wird als vollständig infiziert betrachtet, Mitarbeiter schützen sich zusätzlich, Bewohner bleiben in ihren jeweiligen Bereichen, das Essen für den betroffenen Bereich wird getrennt vom Essen der restlichen Senioren zubereitet. „Wenn wir hören, dass im Umfeld der Mitarbeiterschaft nur der Verdacht auf Corona besteht, sagen wir: Lieber Mitarbeiter, du bleibst erst mal zu Hause, bis das geklärt ist“, berichtet Hammann. „Es ist keine einfache Situation für die Bewohner, sie ein Stück weit sozial zu isolieren, aber dafür versuchen wir jetzt, mit Angehörigen und Bewohnern zu skypen“, sagt Hammann. In Meckenheim komme das bei vielen gut an, andere Senioren wollten hingegen lieber ihre Ruhe haben. „In Summe kommen die Senioren besser klar als wir“, ist Hammann überzeugt.

Dieses Stimmungsbild gibt auch Michael Elsner wieder, der Leiter der Seniorenresidenz Sankt Augustin. „Die meisten Bewohner nehmen es relativ gelassen. Sie haben einen Krieg und damit schon ganz andere Dinge erlebt, sagen sie. Manche sagen auch: Ich bin 80, 85 – ich habe mein Leben gelebt“, berichtet Elsner. Alle Vorgaben der Behörden würden streng umgesetzt. „Das bedeutet vor allem ein konsequentes Besuchsverbot.“ Das gelte auch für die beiden weiteren Einrichtungen der Medico-Gruppe in Niederkassel.