Kommentar zum Wohnen in der Region: Weniger Kirchturmdenken

Kommentar zum Wohnen in der Region : Weniger Kirchturmdenken

Die Region Bonn/Rhein-Sieg-Kreis/Kreis Ahrweiler muss sich schnellstens zusammenraufen, wenn sie der Wohnraumknappheit Herr werden will. Ein Kommentar von GA-Redakteur Dominik Pieper.

Knapp 50 Jahre liegt die Kommunalreform nun zurück. Die damalige Bundeshauptstadt Bonn wuchs durch Eingemeindungen, und die vielen Ämter und Dörfer im Umland wurden zu leistungsfähigen Kommunen zusammengeschweißt. Das war auch mit Blick auf das Bevölkerungswachstum notwendig. Eine geordnete Entwicklung war das Gebot der Stunde.

Genau die braucht es heute auch wieder: Die Wohnungsnot, die Preisexplosion auf dem Immobilienmarkt und der langfristige Bevölkerungszuwachs in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis erfordern es, Grenzen zu überdenken und zu überwinden. Wo Mieter aus Angst vor Wohnkostensteigerungen Umzüge scheuen, wo selbst Gutverdiener keine bezahlbare Immobilie finden, muss dringend gehandelt werden – und zwar flächendeckend. Kommunalpolitische Grenzen und Kirchturmdenken erweisen sich dabei nur als Hemmschuh.

Nein, hier soll nicht die altbekannte Debatte um eine Fusion der Bundesstadt mit dem Kreis aufgewärmt werden. Entscheidend ist, dass Bonn und seine Nachbarn bei der Schaffung von Wohnraum eine gemeinsame Linie vertreten. Bislang fehlt, anders als bei der Gewerbeflächenpolitik, eine abgestimmte Strategie. Die meisten Städte und Gemeinden wollen durchaus Wachstum zulassen, doch schwingen stets Vorbehalte und Eigeninteressen mit. Die jungen Familien, die gut Verdienenden – ja, die sind immer willkommen. Beim geförderten Wohnungsbau, der Menschen mit unteren und mittleren Einkommen zugute kommt, sieht das teilweise anders aus.

Kommunen profitieren, wenn sie enger kooperieren

Und die Argumente der Wachstums-Skeptiker in den Rathäusern sind vielfältig: fehlende Baugrundstücke, Restriktionen durch Naturschutz, fehlende Planer, Folgekosten für die Infrastruktur. Aber all das sind Fragen, die alle Kommunen betreffen. Also müssen sie auf einer gemeinsamen Ebene behandelt werden, auf der die Entwicklung gesteuert wird. Mit dem Regionalen Arbeitskreis Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler gibt es immerhin schon ein gemeinsames Gremium. Die Kommunen müssen dabei sicherlich ein Stück weit ihre Planungshoheit aufgeben. Doch am Ende profitieren sie: Entspannt sich der Wohnungsmarkt, müssen die Menschen weniger Geld für das Wohnen ausgeben. Das kommt der Kaufkraft zugute.

Klar ist aber auch, dass die Weichen der Wohnungspolitik wesentlich auf Landes- und Bundesebene gestellt werden. Zu tun gibt es da genug – ob es nun um die Mietpreisbremse, die Rückbesinnung auf den geförderten Wohnungsbau, die nötige Vereinfachung von Planverfahren, gelockerte Bauordnungen oder das Eindämmen von Spekulantentum geht. Das sind Entwicklungen, die die Region nicht in der Hand hat. Aber sie könnte in Düsseldorf und Berlin mehr Gehör finden, wenn sie mit einer Stimme spricht und sich wie einst beim Strukturwandel als Musterschüler präsentiert.