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Jubiläum in Stadt Blankenberg: Turmmuseum feiert 80-jähriges Bestehen

Jubiläum in Stadt Blankenberg : Turmmuseum feiert 80-jähriges Bestehen

Vom Webstuhl bis zum alten Geldschein: Auf vier Etagen beherbergt der Katharinenturm in Stadt Blankenberg die Geschichte des Orts. Am 17. April öffnet das Museum mit einem besonderen Programm seine Pforten.

Wer die mittelalterliche Stadt Blankenberg durchquert, kommt am Katharinenturm nicht vorbei. Erbaut zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert ist der rund 30 Meter hohe Turm nicht nur ein Ein- und Auslasstor für Gäste und Einheimische. Er beherbergt seit 1936 auch ein Heimatmuseum, dass mit zahlreichen Exponaten auf vier Etagen die Geschichte von Stadt Blankenberg eindrucksvoll nachzeichnet. Am 17. April feiert das Turmmuseum mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür sein 80-jähriges Bestehen.

„Eigentlich ist es ja ein Museum im Museum“, sagt Professor Helmut Fischer mit Blick auf den Katharinenturm, der ein Teil des Gesamtmuseums sei, das Burg, die mittelalterliche Stadt und die Kirche umfasse. Der Heimatforscher leitete von 1980 bis 2012 das Museum, das 1936 gegründet wurde. Eigentlich sollte der Turm laut Fischer eine Jugendherberge werden, was sich aber als unpraktisch erwies.

Heinz Naas, damals nationalsozialistischer Bürgermeister in Hennef, trieb die Idee voran, den Katharinenturm als Heimatmuseum zu nutzen. Dafür kaufte Naas sogar dem letzten, damals noch in Blankenberg lebenden Weber Heinrich Müller einen Webstuhl ab, der mit zahlreichen anderen Exponaten die bäuerlich-handwerkliche Kultur Hennefs und Stadt Blankenbergs dokumentieren sollte. „Gegründet in der Zeit und unter der Weltanschauung des Nationalsozialismus, während des Zweiten Weltkrieges geschlossen und bei Kriegsende sogar geplündert, wurde das Turmmuseum nach dem Krieg von dem damaligen Lehrer Gottfried Emans wieder aufgebaut und eingerichtet“, erinnert sich Fischer.

Das ist laut Fischer gar nicht so selbstverständlich gewesen. 400 Unterschriften seien unter dem Motto „Das Museum gehört uns“ damals in Stadt Blankenberg gesammelt worden, damit aus dem Turm nicht doch noch eine Jugendherberge wurde. „Gottfried Emans hatte großes Durchsetzungsvermögen, damit der Museumsbetrieb wieder aufgenommen werden konnte“, sagt Fischer.

In den 34 Jahren unter Emans Leitung gab es mit dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss sogar einen prominenten Besucher. „Da Heuss sehr groß war, hat er sich an den niedrigen Decken den Kopf gestoßen“, erinnert sich Fischer, der die Leitung des Museums 2012 an Margret Joachim abgab. Zahlreiche Exponate kamen unter Fischers Leitung hinzu, die mittlerweile in großen Vitrinen ausgestellt werden.

Im ersten Stock befinden sich eine offene Feuerstelle mit Rauchfang, eine Waffensammlung sowie Siegel des mittelalterlichen Ortes, dem Graf Heinrich III. von Sayn und Gräfin Mechtildis von Sayn am 25. September 1245 die Stadtrechte verliehen. Neben einer alten Münzsammlung können die Besucher des zweiten Stockwerks Keramik aus dem 12. Jahrhundert und ein Modell des Siegburger Stadtarchitekten Schürmann bestaunen, das Stadt Blankenberg im 15. Jahrhundert zeigt.

Religiöse Kunst und Überbleibsel des Brandes der Blankenberger Kirche im Jahr 1983 sind auf der dritten Etage ausgestellt. Auf der vierten Etage sind ein Webstuhl mit Lochkartensteuerung sowie die Werkstatt des Süchterscheider Schumachermeisters Aloys Krey die Prunkstücke des Museums.

All diese Exponate können jedes Jahr zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr bestaunt werden. „Die Eintrittsgelder werden komplett in den Erhalt des Museums investiert“, sagt Fischer. Für das 80-jährige Bestehen kommt am Sonntag, 17. April, zu den Exponaten ein Programm dazu: Dann feiert das Museum mit einem großen Festakt, der um 12 Uhr im Rittersaal von „Haus Sonnenschein“ beginnt.

Von 14 bis 18 Uhr öffnet das Museum seine Pforten. Die Besucher erwartet eine historische Postkartenausstellung mit Blankenberger Motiven. Außerdem präsentieren Ulrike Broich und Inge Fischer den Gästen die Kunst des Webens, während sich Schumachermeister Heinz Becker und Gesellin Nadine Weißenfels in der historischen Schusterwerkstatt bei der Ausübung ihres Handwerks über die Schulter schauen lassen.