1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Hennef

Die Initiative Kunst Hennef zeigt beeindruckende Arbeiten: Träumer gelten als gescheitert

Die Initiative Kunst Hennef zeigt beeindruckende Arbeiten : Träumer gelten als gescheitert

Sie sind eine feste Institution im Hennefer Kulturkalender: die Hennefer Kunsttage. Eine Woche lang präsentieren die Mitglieder der Initiative Kunst Hennef zusammen mit acht Gastaustellern ihre beeindruckenden Arbeiten in der Meys Fabrik.

Die Bandbreite reicht von großformatigen Ölbildern bis hin zu kleinen Bronze-Skulpturen. Am Samstagabend waren zahlreiche Kunstliebhaber gekommen, um die Eröffnung der Ausstellung in "Hennefs guter Stube" zu erleben.

Wieder einmal ist es der Initiative Kunst Hennef gelungen, eine schöne Ausstellung zu organisieren. Moderatorin Jeannine Gebauer führte die Gäste behutsam in die Arbeiten der verschiedenen Künstler ein, während Karsten Belkot am Klavier für die musikalische Gestaltung der Vernissage sorgte. In die Freude über die Ausstellung mischte sich bei den Mitgliedern der Initiative allerdings auch Trauer. Freund und Gründungsmitglied Hans Günter Schirner verstarb am 6. Oktober im Alter von 73 Jahren. Die Ausstellung würdigt Schirners Werk mit der Präsentation einiger seiner letzten Arbeiten, die seine Witwe Renate mitgebracht hatte.

Der künstlerische Nachlass des Mannes, der 1941 im schlesischen Goldberg das Licht der Welt erblickte, Kunstpädagogik in Bonn studierte und Mitglied des Kunstvereines Rhein-Sieg war, scheint sehr groß zu sein. Renate Schirner zeigte großformatige Bilder ihres verstorbenen Mannes, bei denen er wie so häufig die Problematik zwischenmenschlicher Beziehungen wie mangelnde Kommunikation und Einsamkeit thematisierte.

Wer wollte, konnte in ein ausliegendes Kondolenzbuch einen Abschiedsgruß schreiben. Neben dieser sehr traurigen Nachricht sollte am Samstagabend aber auch die Freude über die Kunst nicht zu kurz kommen. Die Bandbreite der ausgestellten Arbeiten war dabei sehr groß. Marion Gebauer, Mitglied der Initiative Kunst, präsentierte unter dem Titel "Natur(t)räume" Bilder, für die sie Kaffee, Marmormehl und Acrylfarben benutzte. Thematisch haben die Bilder teils einen theologischen Ansatz und setzen sich mit Leben und Tod auseinander.

Neben dem kleinen Bronze-Torso einer Frau im Spiegel der Zeit ist es vor allem die Holz-Skulptur "Arzt - I don't have a final diagnosis" von Martha Barduhn, die einem sofort ins Auge fällt. Barduhn, die laut eigenem Bekunden eine lange Krankheit zu bewältigen hatte, lässt in dieses Kunstwerk ihre persönlichen Erfahrungen mit Ärzten einfließen und manifestierte die Ratlosigkeit der Mediziner in ihrem Kunstwerk.

Ihre kleinen Vögel aus Ton, die auf einer symbolischen Stromleitung Richtung Süden sitzen, symbolisieren dagegen eine Aufbruchstimmung. "Sie sollten zunächst für Abschied stehen, aber der Aufbruch passt jetzt einfach besser", sagte Barduhn, der es gesundheitlich wieder gut geht.

Auch die Kunstwerke der acht Gastaussteller, darunter die schöne Helena aus Basalt der Bildhauerin Maria Sowietzki, aber auch die gesellschaftskritischen Bilder von Katja Zander, sind Hingucker der Ausstellung. "Meine Werke beziehen sich ausschließlich auf das Jetzt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Burnout alltäglich ist und Träumer als gescheitert gelten. Mit meinen Arbeiten stelle ich uns als Gesellschaft bildnerisch in Frage", sagte Zander.

Die Ausstellung ist am heutigen Mittwoch, morgen und am Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie am Samstag, 31.Oktober, von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag, 1. November, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Freitag, 30.Oktober, lädt die Initiative Kunst zudem ab 19 Uhr zu einer langen Kunstnacht in die Meys Fabrik, bei der die Hennefer Band Reverse Reaction ihre energiegeladenen Pop- und Rocksongs präsentieren wird. Der Eintritt ist frei.