Schluss nach 30 Jahren: Traditionelles Gasthaus in Hennef schließt

Schluss nach 30 Jahren : Traditionelles Gasthaus in Hennef schließt

Rüdiger und Annemie Duwensee schließen zum Jahresende ihr Hotel-Gasthaus „Zur alten Post“ in Eichholz bei Uckerath. In dem Haus sollen Wohnungen eingerichtet werden, aber die Kegelbahn bleibt erhalten.

Wer von der B 8 aus nach Eichholz kommt, schaut entlang der Straße zunächst auf nette Einfamilienhäuser. Kurz hinter der Haltestelle ragt dann aber ein Relikt aus vergangenen Zeiten in den Winterhimmel: das Gasthaus „Zur alten Post“, in dem es tatsächlich mal eine kleine Postfiliale gab. Eingerahmt von grünen Hecken lädt der Biergarten zum Verweilen ein. Auch Schankraum mit Theke sowie ein großer Speisesaal, ein kleines „Jägerzimmer“, in dem zumeist Jagdverbände tagten, sehen sehr gepflegt aus. In zehn Einzel-und Doppelzimmern, die früher noch Fremdenzimmer hießen, hat so mancher Monteur genächtigt und am morgen vor seiner Arbeit das frisch zubereitete Frühstück der Wirtin genossen. Überdies verfügt das Gasthaus über eine der besten Kegelbahnen in der Gegend.

Nun soll aber bald alles vorbei sein. Eine Ära der gepflegten Gastlichkeit geht in Eichholz zu Ende. Die Wirtsleute Annemie und Rüdiger Duwensee haben beschlossen, aus Altersgründen das Traditionslokal am 31. Dezember zu schließen.

Gasthaus von den Eltern bekommen

„Irgendwann muss Schluss sein. Ich will schließlich nicht aus der Küche rausgetragen werden“, sagt Annemie Duwensee. Die Frau, die seit 1963 selbstständige Gastronomin ist und bereits an der Ahr und in Beuel Gaststätten geführt hat, bevor sie mit ihrem Ehemann Rüdiger das erste gemeinsame Lokal in Bornheim-Merten betrieb, ist mittlerweile 78 Jahre alt. Auch ihr ein Jahr jüngerer Mann Rüdiger, der mit Annemie 1988 das Gasthaus „Zur alten Post“ in Eichholz übernahm, sieht die Zeit gekommen, sich zur Ruhe zu setzen. „Es wird immer schwerer, ein solches Gasthaus zu betreiben. Das Gastronomiesterben schreitet ja auch weiter fort“, sagt Duwensee, der ursprünglich mal im Abrechnungswesen eines großen deutschen Elektroherstellers tätig war, bevor er Annemie kennenlernte und in die Gastronomie wechselte.

Die Eltern von Rüdiger Duwensee kauften 1988 das Gasthaus „Zur alten Post“ und überschrieben es auf Sohn Rüdiger und dessen Frau Annemie. „Das Gasthaus gab es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Rüdiger Duwensee. Ein Bombentreffer ließ das Lokal, das einst „Gasthaus zur Jägersruh“ hieß, bis auf die Grundmauern niederbrennen. 1954 wurde es wieder eröffnet und zunächst von der Familie Carl Schmitz betrieben, die später den Betrieb verpachtete. 1988 übernahmen schließlich die Duwensees das Haus. „Die Fliesen, die mein Vater damals gelegt hat, sind immer noch da“, sagte der Wirt.

Die Zeit trotz der Arbeit genossen

Ein wenig Wehmut kommt bei den Duwensees schon auf, denn schließlich sei es trotz der vielen Arbeit auch eine schöne Zeit gewesen. Nur am Mittwoch gab es einen Ruhetag, ansonsten waren die Duwensees jeden Tag von Morgens bis in die Nacht „an Deck“. Annemie bereitete mit Hilfe einer weiteren Frau die Speisen zu, während sich Rüdiger Duwensee und eine fest angestellte Bedienung um die Gäste im Schankraum kümmerte. Viele Feiern und Hochzeiten wurden ausgerichtet. Neben dem Heimatverein Eicholz und der KG Remm-Flemm, in der Rüdiger Duwensee auch mal Mitglied war, war es vor allem die Kegelbahn, die immer wieder Gäste anzog. Fast ein Jahrzehnt war diese Bahn Schauplatz der Hennefer Kegel-Stadtmeisterschaften.

Aber auch auswärtige Clubs schätzen die Bahn. „Vor mehr als 20 Jahren hatte ich sogar einen kleinen Bus, mit dem ich unsere Kegler zum Tanzen nach Uckerath ins Hotel Landsknecht gefahren habe“ erinnert sich Rüdiger Duwensee. Einem Damenkegelclub hat er auch reichlich häuslichen Ärger erspart. „Die Damen hatten bei einer Tanzveranstaltung einige Männer kennengelernt, die sie über Nacht mit zu uns brachten. Was sie nicht wussten, war, dass ihre Ehemänner am nächsten Tag zu Besuch kamen und bei mir im Schankraum saßen. Der Herrenbesuch der Keglerinnen war glücklicherweise schon verschwunden und die Keglerinnen habe ich über den Hintereingang auf die Straße gelotst, sodass es für ihre Ehemänner so aussah, als hätten die Damen einen Spaziergang gemacht“, erzählte Rüdiger Duwensee und schmunzelt. „Das hat die Damen anschließend allerdings reichlich Bier gekostet“.

Etliche Firmen haben über die Jahre ihre Monteure in den freundlich eingerichteten Gästezimmern untergebracht. „Eine Firma hatte ihre Mitarbeiter über zwei Jahre bei uns eingemietet“, sagte Rüdiger Duwensee, der sich jetzt gemeinsam mit Frau Annemie mehr Zeit für Reisen nehmen möchte.

Da er keinen adäquaten Pächter gefunden hat, wurde das Haus auf die Tochter überschrieben. „Sie wird mit ihrem Ehemann für den Umbau sorgen, der nächstes Jahr starten soll, denn in dem Gasthaus werden Wohnungen entstehen“, sagten die Duwensees. Eine ebenerdige Wohnung ist für die Wirtsleute reserviert. „Trotz des Umbaus bleibt die Kegelbahn erhalten. Mal sehen, ob dann nicht doch ab und zu noch gekegelt wird“, freute sich Rüdiger Duwensee.

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