Stadtbahnlinie 66 in Sankt Augustin: Steinwurf auf fahrende Bahn

Stadtbahnlinie 66 in Sankt Augustin : Steinwurf auf fahrende Bahn

Attacke auf die S-Bahn 66: Ein Unbekannter hat die Stadtbahnlinie mit einem Stein attackiert. Das Geschoss verfehlte einen Fahrgast nur knapp. Seither steht die Frau unter Schock.

Lucia Maur-Grecu sitzt in der Stadtbahnlinie 66 und fährt von Hangelar nach Siegburg zum Stadtfest, als sie plötzlich zwischen den Stationen Hangelar-Ost und Sankt Augustin-Ort einen lauten Knall hört. „Ich dachte, es wäre eine Bombe oder etwas ähnliches“, sagt Maur-Grecu am Freitag dem GA. Tatsächlich hat an diesem Freitagabend vor gut einer Woche aber jemand einen Stein durch die Seitenscheibe geworfen. Laut Maur-Grecu spielt sie mit dem Handy, zwischen ihr und der Scheibe ist ein freier Sitz. Der Stein verfehlt sie knapp, landet auf dem Boden. Doch die Splitter der zerborstenen Glasscheibe treffen Rücken, Arm und Haare. „Ich habe wahnsinniges Glück gehabt“, sagt die 40-jährige Hangelarerin. Blut habe sie keines an sich entdeckt.

Burkhard Rick, Sprecher der Kreispolizei, bestätigt den Steinwurf um 22.10 Uhr auf Höhe des Billard-Centers. „So ein Vorfall hat ein Riesengefahrenpotenzial.“ Man ermittele wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr, was laut Rick mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann. Der Stein sei zehn mal fünf Zentimeter groß und vermutlich ein Schotterstein aus dem Gleisbett.

Eine Woche ist der Vorfall nun her, doch Maur-Grecu ist „immer noch traumatisiert“, sagt sie. Und sie ist sauer, unter anderem auf die Polizei, bei der sie gegen 23.30 Uhr an diesem Abend auf der Wache in Sankt Augustin Anzeige erstattet habe. Sie beschwert sich über die „emotionale Kälte“ und den arroganten Tonfall des Polizisten, als der sie gefragt habe, ob sie verletzt sei. „Ich weiß nicht, woran das liegt – vielleicht, weil ich eine Ausländerin bin oder eine Frau, oder weil man solchen Taten keine Bedeutung mehr gibt“, sagt sie. Unter anderem deshalb hat sie nun die Ereignisse aus ihrer Sicht beim sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht.

Rick sagt: „Die Frau hat mehrfach auf der Wache betont, dass sie nicht verletzt und nicht getroffen worden ist von dem Stein.“ Denn, so Rick: „Wir würden – wenn ein Schock vorliegt – wegen eines Körperverletzungsdeliktes ermitteln.“ Die laut seiner Aussage vom Bahnfahrer alarmierte Polizei habe den Stein sichergestellt und untersucht. Rick verweist aber darauf, dass Fingerabdrücke auf dem Stein schwer zu identifizieren seien. „Und vor der Sicherstellung hatten auch schon unzählige Personen den Stein angefasst“, sagt er. Laut Maur-Grecu hatten sich nach der Tat drei andere Fahrgäste um sie gekümmert. Der Fahrer, so die Personal-Trainerin, habe die Bahn gestoppt, alle Insassen aussteigen lassen und sich dann zuerst um die zerstörte Scheibe gekümmert, bevor er sie „ziemlich gleichgültig“ nach ihren Verletzungen gefragt habe.

Die beschädigte Bahn fuhr laut Aussage von Veronika John, stellvertretende Pressesprecherin der Stadtwerke Bonn, zur Haltestelle Zentrum. Dort begutachtete die Polizei den Schaden. Laut John liegt er im vierstelligen Euro-Bereich. Sie sagt: „Gott sei Dank kommt das nicht öfter vor. Das ist ein sehr gefährlicher Eingriff in den öffentlichen Personennahverkehr.“ Spuren zu den Tätern gibt es laut Rick nicht: „Es war dunkel.“

Für Maur-Grecu ist es ein Wunder, dass sie unverletzt geblieben ist. Und sie wundert sich, dass die Polizei mit dem Vorfall nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist. Rick sagt dazu: „Am Wochenende macht die Einsatzleitstelle die Pressearbeit, die andere Kriterien der Relevanz hat.“ Laut Lucia Maur-Grecu hat die Polizei sich nicht mehr bei ihr gemeldet. Sie sagt: „Ich werde weiter Bahn fahren, aber die Angst bleibt.“

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