"Leader"-Wettbewerb: Projekt soll den Aufschwung bringen

"Leader"-Wettbewerb : Projekt soll den Aufschwung bringen

Der Wettbewerb sei hart. Die Konkurrenz auch. Und Harald Wedel vom Bonner Planungsbüro Grontmij möchte, dass alles glatt geht hinsichtlich der Bewerbung von sieben rechtsrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises zur "Leader"-Region.

Am Dienstagabend in der Meys Fabrik präsentierte Wedel die bisherigen Ergebnisse. Der Endspurt habe begonnen und das Anmeldeverfahren laufe ab. "Am 16. Februar müssen die Bewerbungsunterlagen in Düsseldorf auf dem Tisch der Auswahlkommission liegen", sagte Wedel.

Bevor der Diplom-Ingenieur den zahlreichen Gästen das bisher Geleistete vorstellte, machte Bürgermeister Klaus Pipke noch einmal klar, dass "Leader" für die Region eine große Chance sei. "'Leader' ist ein wichtiges Projekt, das große Gestaltungsspielräume bietet", sagte Pipke.

Seit 1991 unterstützt die Europäische Union mit "Leader" lokale Projekte im ländlichen Raum. Ziel ist es, die ländlichen Kommunen weiterzuentwickeln und die Lebensqualität zu steigern. In NRW sind bislang zwölf Regionen im "Leader"-Programm anerkannt.

Die Kommunen müssen in einem räumlichen und sachlichen Zusammenhang stehen und zusammen zwischen 30.000 und 150.000 Einwohnern haben. Zudem muss ein regionales Entwicklungskonzept erstellt werden, die besten werden dann ausgewählt. Wedel geht davon aus, dass die sieben Kommunen - Hennef, Eitorf, Windeck, Neunkirchen, Much, Ruppichteroth und Lohmar - sowie der Rhein-Sieg-Kreis gute Chancen haben, um als "Leader"-Region anerkannt zu werden.

"Vom Bergischen zur Sieg" lautet der Titel des Projektes, das Wedel zeigte. Vorausgegangen waren nach dem Auftakt im vergangenen September viele Gesprächsrunden, Arbeitstreffen und Workshops, bei denen ein klares Profil und konkrete Inhalte formuliert wurden. Ein Leitmotto gibt es auch: "Lebendiges Land vor den Toren von Köln und Bonn". Damit sei die lebendige und vor allem vielfältige ländliche Region zwischen den Ballungsräumen gemeint, die das Bergische Land mit dem Siegtal verbinde und in engem Austausch mit dem Raum Köln/Bonn stünde, so Wedel.

Zum Leitbild gehöre das Engagement von Bürgern und Vereinen als besondere Stärke. Viele Ziele sind bereits klar formuliert: Die Sicherstellung der Lebendigkeit der Ortschaften ist eines. Die bedarfsgerechte Nahversorgung vor allem bei den Themen Gesundheit und Mobilität ein anderes. Dazu kommen eine gute Erreichbarkeit sowie die verkehrstechnische und infrastrukturelle Vernetzung. Weitere Themen sind: der zukunftsfähige Ausbau der Land- und Forstwirtschaft, der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Klima, die Nutzung der regionalen Potenziale und die Profilschärfung der Region als Wirtschafts-, Ausbildungs- und Arbeitsraum. Auch Bildung und Soziales stehen auf der Agenda.

Um die regionalen Partnerschaften auch vernünftig zu organisieren, bedürfe es einiger Gremien. Dazu müsse laut Wedel der Verein LAG (Lokale Aktionsgruppe) gegründet werden, der den Vorstand eines Entscheidungsgremiums benennt. In dem Gremium sollten Vertreter der Kommunen und des Kreises, aber auch zu 51 Prozent Wirtschafts- und Sozialpartner sitzen. Ein Drittel der geplanten 40 Mitglieder sollte weiblich sein. Ein Vorbereitungsgremium kümmert sich um die Arbeits- und Finanzplanung, ein Regionalmanagement dient als Geschäftsstelle, die berät, koordiniert und sich um die Fördermittelanträge kümmert.

Der "Leader"-Fördertopf beinhaltet 3,1 Millionen Euro bei einer Laufzeit von sieben Jahren. "65 Prozent eines Projektes werden aus diesen Mitteln finanziert, 35 Prozent sind Eigenanteil", sagte Wedel. Je nach Projekt könnten aber auch andere Fördertöpfe angezapft werden. Anfang Februar tagt noch einmal die Lenkungsgruppe, dann wird die Bewerbung nach Düsseldorf geschickt und die Auswahlkommission muss entscheiden, ob vom "Bergischen zur Sieg" bald eine "Leader"-Region ist.

"Leader"

Der Begriff "Leader" ist eine Abkürzung und steht für Liaison entre actions de développement de l'economie rurale. Damit gemeint ist die Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums.

Östlicher Kreis ist strukturarm

Das "Leader"-Projekt wird vom Rhein-Sieg-Kreis politisch und finanziell unterstützt. "Sechs der sieben Kommunen, die sich beteiligen, haben nicht vom Bonn-Berlin-Ausgleich profitiert", erklärte Hans-Peter Hohn von der Kreis-Wirtschaftsförderung im Kreisausschuss.

Der Kreis hat ein Interesse daran, dass sich die ländlichen Kommunen im östlichen Rhein-Sieg-Kreis stabilisieren. Vor allem Eitorf und Windeck gelten als strukturschwach; sie müssen mit Haushaltsproblemen kämpfen. Zudem sind die Immobilienpreise an der oberen Sieg abgefallen. Im Laufe der Zeit sind sozial belastete Familien aus den Ballungsräumen in diesen Teil der Region gezogen, was sich auch in hohen Jugendamtskosten widerspiegelt. Auch das belastet die Haushalte.

"Wer öffentliche Förderung will, muss sich an der EU-weiten Ausschreibungen beteiligen", sagte Landrat Sebastian Schuster mit Blick auf "Leader". Die Bewerbung der sieben Kommunen sei in Absprache mit den anderen Städten und Gemeinden im Kreis erfolgt.

Diese haben sich auch deshalb nicht beworben, weil sie nicht ländlich genug sind. In der aktuellen Bewerbungsphase von Hennef, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid, Much, Ruppichteroth, Eitorf und Windeck übernimmt der Kreis die Kosten von 50.000 Euro. Sollte der Kreis "Leader"-Region werden, steuert die Wirtschaftsförderung bis 2021 jährlich weitere 50.000 Euro zu. Das Geld fließt in die Begleitung der Projekte. Deren Umsetzung wird von Land und EU gefördert, es ist aber auch ausdrücklich die Mitfinanzierung durch Private vorgesehen.

"Welche Projekte angepackt werden, würde sich dann im Laufe der Jahre entwickeln", sagte Hohn. Er verwies auf positive Beispiele, die sich in durch ähnliche Programme entwickelt haben: etwa die Wanderwegprojekte Siegsteig und "bergisch hoch vier".

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