Minderjährige Flüchtlinge in NRW: Nur acht Prozent sind weiblich

Minderjährige Flüchtlinge in NRW : Nur acht Prozent sind weiblich

Rund 67 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben derzeit in Deutschland. Die meisten von ihnen sind männlich und kommen aus Afghanistan.

Die Schließung der sogenannten Balkanroute macht sich auch bei den Zahlen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) bemerkbar: Im November 2015 kamen noch etwa 2400 junge Asylbewerber nach Nordrhein-Westfalen, im März waren es lediglich rund 600. Das teilte die zuständige Landesstelle für die Verteilung der UMF mit, die beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) angesiedelt ist.

Die Unterbringung der jungen Flüchtlinge war gerade zum Ende des vergangen Jahres „ganz schön unübersichtlich“, wie Antje Steinbüchel sagt. Sie leitet die Landesstelle beim LVR-Landesjugendamt in Köln. „Es kam vor, dass bei Jugendämtern eine Gruppe junger Flüchtlinge vor der Tür stand und es keine Plätze für sie gab.“

Lernprozess für alle Beteiligten

Das neue Verfahren mussten die Jugendämter, Träger und die Landesstelle erst noch üben, so Steinbüchel. Gerade für kleine Jugendämter sei die Aufnahme eine anspruchsvolle Aufgabe. Nach zwei Monaten habe man aber etwas Struktur in das Chaos gebracht, sagt Steinbüchel. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. „Zum Glück haben wir heute nicht mehr die Situation, dass Jugendliche wochenlang in Hotels oder in großen Erstaufnahmeeinrichtungen wohnen müssen, weil es keine Plätze gibt“, sagt Steinbüchel.

Mit Stand von Ende April lebten laut LVR rund 67 500 junge Flüchtlinge in Deutschland, 13 100 davon in NRW (19,5 Prozent). Das Bundesland erfüllt damit 92 Prozent seiner Aufnahmequote, die nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel berechnet wird. Das heißt: NRW nimmt weiter unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf und verteilt sie auf die Jugendämter der Kommunen, laut LVR anhand eines tagesaktuell ermittelten Schlüssels. Derzeit nehmen Kommunen einen jungen Flüchtling pro 1320 Einwohner auf. 92 Prozent sind männlich, acht Prozent weiblich. Die meisten kommen aus Afghanistan (42 Prozent), Syrien (28 Prozent) oder dem Irak (elf Prozent). 78 Prozent sind in den Jahren 1998 bis 2000 geboren, also zwischen 16 und 18 Jahren alt.

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