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Theater in Neunkirchen: „Mein Beruf bleibt aber mein Lebenselixier“

Theater in Neunkirchen : „Mein Beruf bleibt aber mein Lebenselixier“

Die Schauspielerin Sibylle Kuhne löst das Haus Birkenried auf, bleibt aber ihrem Theater-Metier treu. Am Freitag liest sie in Siegburg.

Sie haben im vergangenen Jahr Ihren Mann verloren und lösen derzeit Haus Birkenried auf. Wie bewältigen Sie diese Lebenssituation?

Sibylle Kuhne: Nach der Abschiedsvorstellung im Juli habe ich mich im August bei unseren langjährigen Freunden, den vielen Helfern und Unterstützern unseres Theaters und unserem Publikum mit einem Fest bedankt. An diesem Abend trug ich ein asymmetrisch geschnittenes Kostümteil, irgendwie schief und nicht ganz vollständig. Genau so „amputiert“ fühle ich mich im Moment.

Ist das Weitermachen eine Form Ihrer Trauerbewältigung?

Kuhne: Ja, das ist aktive Trauerbewältigung, die auch im Sinne meines Mannes wäre. Es war eine ideale Konstellation, dass wir fast 40 Jahre miteinander leben und künstlerisch arbeiten konnten. Es ist nicht leicht, alleine weiterzumachen. Deshalb verabschiede ich mich von unserer Bühne in Neunkirchen, mein Beruf bleibt aber mein Lebenselixier. Schon seit einigen Jahren haben wir eine Wohnung in Leipzig, wo ich jetzt häufiger sein werde. Aber in der Region bin ich auch mit einigen spannenden Projekten weiter präsent.

Hier im Rhein-Sieg-Kreis kennt man Sie aus großen Inszenierungen, wie „Jedermann“ oder „Mirandolina“ bei den Siegburger Freilichtspielen. Aber auch mit den Solorollen wie „Die amerikanische Päpstin“ oder „Oskar und die Dame in Rosa“ im Neunkirchener Zimmertheater. Welche Bühne war Ihnen die Liebste?

Kuhne: Die, auf der ich mein Publikum erfreuen kann! Das kann das kleine Zimmertheater genauso sein wie die große Freilichtbühne. Ich habe ja in Leipzig studiert. Dort hatten wir neben dem Schauspielhaus die Kammerspiele und das Kellertheater. Ganz verschiedene Größenordnungen. Immer aber gilt es, wahrhaftig zu sein. Die Rolle, das Stück zum Leben zu erwecken und die Zuschauer zu verzaubern, ja zu begeistern.

Welches Ihrer Programme liegt Ihnen besonders am Herzen?

Kuhne: Mir ist immer gerade das jüngste Kind am nächsten. Ich freue mich auf das Andersen-Programm bei den Brüdern Remmel in der Holzgasse. Andersen war ein ganz ungewöhnlicher Mensch. Äußerlich vom Schicksal nicht gerade begünstigt, eher hässlich. Er wurde gehänselt und verlacht. Andersen hatte aber ein großes Sendungsbewusstsein. Er glaubte an sich und ging unbeirrt seinen Weg. Das fasziniert mich.

Sie sind auch Synchronsprecherin. Wem verleihen Sie Ihre Stimme?

Kuhne: Zur Zeit spreche ich in Köln Hauptrollen in zwei englischen TV-Serien („Call the Midwife“ und „Orphan Black“). Ich durfte meine Stimme auch so berühmten Darstellerinnen wie der britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave oder der Französin Jeanne Moreau leihen. Ich liebe es, mit meiner Stimme zu spielen, mich zu verwandeln.

Als Bühnen-Schauspielerin muss man sehr viel auswendig lernen. Gibt es Tricks?

Kuhne: Leider nicht. Meine Texte muss ich genauso lernen wie jeder andere. Das ist einfach harte Arbeit und gehört dazu, wie beim Tänzer das tägliche Training oder beim Musiker das stundenlange Üben.

Und Ihre gute körperliche Kondition. Ist die auch erarbeitet oder ein Geschenk der Natur?

Kuhne: Ich bewege mich sehr gerne. Im Leben und auf der Bühne. Die Bühne ist mein Sportstudio.

Ihr Alter ist nirgendwo zu ersehen. Gehört der Eindruck von zeitloser Schönheit zum Berufsmythos?

Kuhne: Private Dinge lasse ich lieber außen vor. Es tut nichts zur Sache. Als junge Frau muss man in der Lage sein, eine ältere zu spielen und auch umgekehrt. Und dass man persönlich wie jeder andere auch altert, ist doch offensichtlich. Das kann sowieso jeder sehen und danach sucht man sich die Rollen auch aus.

Freitagabend ist Sibylle Kuhne innerhalb der Reihe „Klassiker im R²“ mit ihrem Andersen-Programm ab 20 Uhr in der Bernstein-Buchhandlung in der Holzgasse zu erleben. Karten zum Preis von 10 Euro an der Abendkasse oder unter 0 22 41/8 66 71 70.