Betreuung in Sank Augustin: Klagewelle durch Kita-Notstand?

Betreuung in Sank Augustin : Klagewelle durch Kita-Notstand?

Mehr als 200 Betreuungsplätze fehlen der Stadt Sankt Augustin in Kindergärten. Deswegen schlägt der Jugendhilfeausschuss Alarm. Auf die Stadt könnte eine Klagewelle zurollen.

Der Jugendhilfeausschuss schlägt Alarm. Die 33 Kindertagesstätten in der Stadt sind mit aktuell 71 und ab Sommer dieses Jahres mit 102 Kindern überbelegt. Rechnet man die Quoten zur Unterbringung von Kindern mit Behinderung ein, fehlen im kommenden Kindergartenjahr 106 Plätze für unter Dreijährige (U3) und 118 Plätze für über Dreijährige (Ü3).

Als Folge daraus könnte eine Klagewelle auf die Stadt zurollen, denn Eltern haben ein Anrecht auf die Unterbringung ihrer Kinder. Für Denis Waldästl (SPD) war das am Dienstagabend Grund genug, deutliche Worte zu finden, als er den gemeinsamen Antrag von SPD, FDP und Grünen näher erläuterte. „Wir begeben uns wissentlich in eine Mithaftung für Klagen der Eltern, deren Kinder keinen Betreuungsplatz bekommen.“

Die Verantwortung dafür gab er den Dezernaten I mit der Kämmerei und dem Dezernat IV für Bauen und Stadtplanung. „Es kann nicht sein, dass Kreisel und Grünflächen gebaut werden, aber die Kindertagesstätten nicht fertig werden.“ Waldästl forderte, die Planungen gegebenenfalls nach außen zu vergeben, denn zum Beginn des Kita-Jahres – spätestens im September oder Oktober – müssten zusätzliche Plätze geschaffen werden. Oberste Priorität habe dabei die geplante Kita im Neubaugebiet am Rebhuhnfeld, wo bereits seit Dezember Baurecht besteht.

Sie soll allerdings auf vier Gruppen um eine Gruppe aufgestockt werden. Entsprechend lautete auch nach langer und kontroverser Diskussion der am Ende formulierte Beschluss im Ausschuss als Empfehlung an den Rat, der einstimmig verabschiedet wurde.

Er beinhaltet die Forderung nach der schnellen Umsetzung der viergruppigen Kita im Rebhuhnfeld und einer weiteren Einrichtung mit ebenfalls vier Gruppen entweder als Neubau oder als Übergangslösung in Containerbauweise oder Holzbauweise. Wie dringlich das Thema ist, betonte auch die Ausschussvorsitzende Anne Silber-Bonz (FDP). „Ich habe an den Bürgermeister noch mal einen Brief geschrieben und ihn gebeten, die Umsetzung der neuen Kitas zur Chefsache zu machen“, sagte sie vor der Abstimmung. Die Situation sei auch ohne den Zuzug durch die Flüchtlingskinder angespannt, erläuterte die Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, Sandra Clauß.

„Schon vor dem Zuzug durch Flüchtlinge ist sowohl die Bevölkerungsprognose als auch die Inanspruchnahme der Betreuung höher gewesen als 2011 geplant“, stellte sie fest. Zudem stimme die Annahme nicht mehr, dass nur 39 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren eine Betreuung in Anspruch nähmen.

„Diese Quote wird deutlich höher sein, als angenommen.“ Die 96 Gruppen im kommenden Kita-Jahr müssen nach derzeitigen Prognosen um 15 Gruppen steigen, um den prognostizierten Bedarf in den nächsten Jahren zu decken.

Eine geduldete Überbelegung der Einrichtungen, wie sie derzeit stattfinde, sei kaum noch möglich, um die geforderte Inklusion von behinderten Kindern zu gewährleisten. Der Vorsitzende des Jugendamtselternbeirates, Hinrich Pich, ergänzte: „Ich sehe Herrn Schumacher in der Verantwortung, dass die Fachbereiche in die Lage versetzt werden, die Betreuung der Kinder umzusetzen.“

Schon jetzt seien Eltern an ihn herangetreten, dass sie keinen Platz für ihr Kind bekommen hätten. Sabine Strie als Fachdienstleiterin für die Tagesbetreuung bestätigte, dass es derzeit eine Warteliste mit 43 Kindern gebe, dabei gehe es in erster Linie um eine Ganztagsbetreuung.

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