Gebündeltes Wissen zum Gewässerschutz: Institut in Hennef beschäftigt sich mit Gewässerschutz

Gebündeltes Wissen zum Gewässerschutz : Institut in Hennef beschäftigt sich mit Gewässerschutz

Mit effektivem Gewässerschutz befasst sich der die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) an der Theodor-Heuss-Allee in Hennef. Dort wird weltweites Wissen zum lebenswichtigen Nass gebündelt.

Kontrastmitteluntersuchungen gehören zum medizinischen Standard. Woran die wenigsten dabei denken, ist, dass die jodhaltigen Kontrastmittel auch wieder ausgeschieden werden. Sie landen in der Kläranlage, wo sie ebenso nachzuweisen sind, wie Spuren von künstlichen Süßstoffen, Haushaltschemikalien, Arzneimitteln und Weichmachern. Diese Spurenstoffe zu beseitigen, ist Ziel eines effektiven Gewässerschutzes. Und damit befasst sich der die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) an der Theodor-Heuss-Allee in Hennef. Ihre Mitglieder kommen aus 2000 Kommunen, fast 600 Verbänden und aus der technischen Wasserwirtschaft. Und für sie erstellt die DWA Regelwerke, in denen erklärt wird, wie die gesetzlichen Gewässerschutzrichtlinien in der Praxis umgesetzt werden können.

„Wir haben 14 000 Mitglieder, darunter 8500 persönliche und 5500 fördernde Mitglieder“, erklärt Johannes Lohaus. Der Sprecher der Geschäftsführung ist gleichzeitig Chef der European Water Association (EWA), die Teil der DWA ist und die Fragestellungen der europäischen Wasserwirtschaft bündelt.

An die 100 Mitarbeiter aus über 20 verschiedenen wissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Berufen beschäftigt die DWA. Sie befassen sich mit drei Schwerpunkten: die Erarbeitung der technischen Regelwerke, die in Fachgremien und im ständigen Austausch mit den Mitgliedern erstellt und fortgeschrieben werden, die Bildungsarbeit und die Kommunikation.

Rund 200 Veranstaltungen führt die DWA jährlich zentral oder dezentral in ihren sieben Landesverbänden durch. Zwei Fachzeitschriften gehen monatlich an die Mitglieder und informieren über aktuelle Forschungen zum Thema Gewässerschutz. Hinzu kommen etwa 350 Publikationen, aus denen sich die DWA neben Mitgliedsbeiträgen und den Schulungen finanziert.

Die Veröffentlichungen richten sich nicht nur an Kläranlagenbetreiber, sondern auch an die Bürger. So gibt es etwa Flyer und Broschüren zum Schutz des Wassers im Haushalt, zum Hochwasserschutz, Anleitungen, etwa für für Grundschüler, welche Dinge in die Toilette gehören und welche nicht, oder zu privaten Abwassersystemen. Deren Länge beträgt deutschlandweit eine Million Kilometer, die der öffentlichen Kanäle 600 000 Kilometer.

„Die privaten Abwasseranlagen sollten alle 15 bis 20 Jahre auf ihre Dichtigkeit überprüft werden“, erklärt Lohaus – ein Thema, das viele Eigentümer oft vernachlässigen. Das kann aber fatal sein, denn Undichtigkeiten im eigenen Kanalsystem können zu Bodeneinbrüchen und Verstopfungen führen. Letztere verursachen auch Feuchttücher, die in der Toilette entsorgt werden. „Die reißfesten Fasern der Feuchttücher lösen sich, anders als das Toilettenpapier, nicht im Wasser auf“, sagt der Geschäftsführer. Um darüber aufzuklären entwickelte die DWA eigens den Flyer „Vorsicht, Pumpenkiller“. Denn selbst wenn „biologisch abbaubar“ auf der Verpackung steht, verstopfen die Fasern laut Lohaus Rohre und Abwasserpumpen.

„Die Abwasserwelt kennt Hennef“, sagt der Geschäftsführer mit Blick darauf, dass Fachleute aus der ganzen Welt an den Unternehmenssitz kommen, um von dem Wissen der DWA zu profitieren.

Hervorgegangen ist sie aus der 1948 in Düsseldorf gegründeten Abwassertechnischen Vereinigung (ATV) und der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft (DVWW). Nach Standorten in Bonn und Sankt Augustin zog der Verband nach Hennef. „1992 haben wir in Hennef neu gebaut und sind 1993 eingezogen“, erzählt Lohaus. Im Jahr 2011 erfolgte ein Erweiterungsbau.

Die DWA setzt sich auch bei der Bundesregierung ganz konkret für Gewässer- und Bodenschutz ein. Aktuell fordert die DWA in einem Politikmemoranden, Agrarsubventionen stärker als bisher an ökologischen Gesichtspunkten auszurichten. Der Eintrag von Nitrat und Pestiziden, aber auch Mikroplastik und Chemikalien sollte verringert werden, macht die DWA ihre Positionen zur Umweltpolitik klar.

Und da Umwelt- und Abwassertechnik zukunftsträchtige Branchen sind, bieten sie auch ein interessantes Spektrum an Berufen, die Haupt- und Realschülern offenstehen, wie Lohaus sagt. Denn auch bei der DWA macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar.

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